Prozess um „Mord ohne Leiche“: Angeklagter Polizist schweigt zu Vorwürfen
:format(webp)/cloudfront-eu-central-1.images.arcpublishing.com/madsack/7V5P3MTVKRDH5LSHPTEJHAS3TM.jpeg)
Der Angeklagte (M) kommt zum Auftakt im Mordprozess um einen Vermisstenfall im Harz in das Landgericht.
© Quelle: Swen Pfoertner/dpa
Braunschweig. Start im Braunschweiger Prozess um einen „Mord ohne Leiche“: In dem Verfahren zu einem Vermisstenfall im Harz will sich der Angeklagte vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Mandant werde zunächst schweigen, sagte der Verteidiger des Bundespolizisten am Mittwoch im Landgericht.
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig geht davon aus, dass der 50-Jährige seinen engsten Freund getötet hat. Laut Anklage musste er ein „Hindernis dauerhaft beseitigen“, weil er eine engere Liebesbeziehung mit der Ehefrau des Anderen wollte. Obwohl bisher keine Leiche des seit Monaten Vermissten gefunden wurde, wird dem Tatverdächtigen aus Liebenburg im Landkreis Goslar heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen vorgeworfen.
Der 50-jährige Deutsche soll sich am 13. April frühmorgens im Garten seines Bekannten in Groß Döhren versteckt und das mutmaßliche Opfer nach draußen gelockt haben. Dort habe er versucht, den 51-Jährigen mit einer Schlag- oder Stichwaffe, möglicherweise einer Pistolenarmbrust, zu töten. Ermittler fanden eine Blutlache auf der Terrasse, blutige Schleifspuren und die kaputte Brille des Vermissten.
Seit 2016 Affäre mit Ehefrau des mutmaßlichen Opfers?
Der Verdächtige soll laut Anklage den Kleintransporter seines Opfers genommen und den Schwerverletzten weggefahren haben. Das Auto wurde drei Tage später auf dem Expo-Gelände in Hannover am Holländischen Pavillon entdeckt. Auch im Wagen-Inneren fanden sich „erhebliche Blutansammlungen“.
Seit dem 18. Mai sitzt der Bundespolizist in Untersuchungshaft. Er ist nicht vorbestraft und hat die Tat bestritten. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft bestehen keine berechtigten Anhaltspunkte mehr, dass der Vermisste noch lebt. Dies stützen die Ankläger auf das viele gefundene Blut und das Medikament, auf das Vermisste nach einem Herzinfarkt angewiesen war.
Mit der Ehefrau des mutmaßlichen Opfers hatte der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft seit 2016 eine Affäre, ohne dass die Geliebte Bereitschaft gezeigt habe, ihren Mann zu verlassen. Die Frau und zwei Söhne des Vermissten treten als Nebenkläger auf.
Zum Auftakt in dem Indizienprozess ging es viel um die Beziehung der beiden Familien. Man kannte sich wohl seit etwa 30 Jahren, machte zusammen Sport mit den Kindern. Bei der Polizei soll der Angeklagte über „Annäherungen“ gesprochen haben. Auch eine Affäre war vor Gericht Thema, ohne dass es zu Beginn des Verfahrens mehr Aufschluss darüber gab.
Ermittelnder Polizist und Nachbar sagen aus
Als erster Zeuge berichtete ein Polizist über die ersten Ermittlungen und Befragungen. Eine Nachbarin schilderte, dass sie am frühen Morgen einen Streit unter Männern vernommen habe. Zudem sagte der Hausarzt vor allem zur Vorerkrankung des Vermissten aus.
Für den Prozess sind neun weitere Verhandlungstage bis Anfang Februar 2002 angesetzt. Im weiteren Verlauf dürften unter anderem Gegenstände interessieren, die der 50-Jährige nach der Tat in Baumärkten der Region sowie im Raum Bitterfeld in Sachsen-Anhalt gekauft haben soll. Dabei handelt es sich um Rasengittersteine, Baustahlmatten, außerdem Bauzaunelemente, Betonfüße sowie mehrere Rollen Stacheldraht. Darüber wurde auch in der ZDF-Sendung „„Aktenzeichen XY ungelöst“ berichtet und nach Zeugen gesucht.
Zudem spielt ein verlorener Personalausweis eine Rolle, den der Angeklagte schon vor Jahren auf dem Flughafen Hannover an sich genommen haben soll. Mit dem Dokument soll er in einem Hotel in Goslar übernachtet und einen Mobilfunkvertrag abgeschlossen haben. Den Ermittlern zufolge wollte er offenbar seine Anwesenheit in dem Hotel geheim halten. Ihm werden neben dem Mord auch eine Unterschlagung und die Fälschung beweiserheblicher Daten vorgeworfen.
RND/dpa