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Bischöfe sollen Missbrauchsfälle aufklären: Was hat es mit der Apostolischen Visitation auf sich?

  • Zwei Kirchenmänner sollen Fehler im Umgang mit sexueller Gewalt im Erzbistum Köln aufklären.
  • Sie sind die apostolischen Visitatoren.
  • Wir erklären, was das bedeutet.
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Köln. Die apostolischen Visitatoren sind in Köln eingetroffen. Apostolische Visitation? Das klingt etwas nach Inquisition, definitiv religiös, mindestens biblisch und doch haben die Visitatoren, namentlich der Stockholmer Kardinal Anders Arborelius und der Rotterdamer Bischof Hans van den Hende, eine sehr weltliche Aufgabe. Die beiden Männer, die nun zum Erzbistum von Kardinal Rainer Maria Woelki gereist sind und am Dienstag mit Betroffenenbeiräten über sexuellen Missbrauch im Bistum gesprochen haben, sind vom Papst beauftragt worden.

Aber was ist das eigentlich, eine apostolische Visitation? Es ist ein Instrument des katholischen Kirchenrechts – und das schärfste Werkzeug, das Papst Franziskus in seinem Besteckkasten zur Überprüfung der Zustände im Erzbistum Köln hat. Apostolisch ist die Visitation deshalb, weil sie im Auftrag des Papstes handelt – und der Vatikan eine apostolische Gründung ist. Denn er beruft sich in direkter Linie auf die Apostel Petrus und Paulus. Die Visitatoren sind Prüfer von außen: Sie haben besondere durch den Papst verliehene Rechte. Sie haben etwa Akteneinsicht – und dürfen mit jedem und jeder sprechen. Etwa eine Woche sollen die beiden Gesandten vor Ort sein.

Apostolische Visitatoren sind Prüfer

Aus Unternehmen kennt man externe Prüfer, im Bankwesen Revisoren, in der Strafverfolgung die Staatsanwaltschaft, die Hausdurchsuchungen macht. Zwar sind die Situationen vergleichbar, doch wird der Bericht, der die Frage verhandelt, ob Kardinal Rainer Maria Woelki bei der Aufklärung des sexuellen Missbrauchs in seinem Bistum Fehler gemacht hat, auf dem Schreibtisch des Papstes landen, und nicht, wie es bei anderen Prüfungen der Fall sein mag, in der Öffentlichkeit. Gleichzeitig hat der Papst dann die gesamte Entscheidungsmacht: Er kann am Ende auf Grundlage des Berichts entscheiden, ob er Woelki einen Rücktritt nahelegt oder nicht. Wenn besonders schwerwiegende Fehler, wie die Vertuschung von sexuellen Missbrauchs, vorliegen sollten, kann er auch Woelki gegen seinen Willen des Amtes entheben.

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Die Visitation wird in vielen Medien als „Klatsche aus Rom“ und Zeichen für entzogenes Vertrauen seitens des Papstes gedeutet. Während dies durchaus so sein kann, ist eine apostolische Visitation erst einmal eine Untersuchung ohne festgelegten Ausgang. Theoretisch hätte Woelki sie auch selbst erbitten können, um Klarheit zu schaffen. Kirchenrechtler sprechen davon, dass die apostolische Visitation zwar ein eindeutiges Einschreiten des Papstes ist, sie aber nicht außergewöhnlich ist und hin und wieder angewandt wird. Beim Missbrauchsskandal im Internat des Klosters Ettal etwa kamen die apostolischen Visitatoren zum Schluss, dass die Führung des Klosters keine Fehler gemacht haben.

Vieler fordern Konsequenzen von Rainer Maria Woelki

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In Köln hat Woelki derzeit einen schlechten Stand: 14 von 15 Kreis- und Stadtdechanten, führende Geistliche des Erzbistums, haben an den Kardinal geschrieben und Konsequenzen gefordert. Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt im größten Bistums Deutschlands wurden bisher zwei Gutachten zweier unterschiedlicher Kanzleien angefertigt. Das erste Gutachten aus dem Jahr 2020 hat Woelki zunächst zurückgehalten, und ermöglichte den Zugang für Journalisten erst in diesem Jahr. Ein zweites Gutachten, das im März diesen Jahres vorgestellt wurde, entlastet Woelki.

Kardinal Woelki beteuert derweil, mit dem Besuch der Papstbevollmächtigten voll und ganz einverstanden zu sein. Eigenen Angaben zufolge hat sogar darum gebeten. Der „Blick von außen“ sei jetzt wichtig, so Woelki. Aus Kirchenkreisen heißt es allerdings: „Er weiß, dass es eng wird.“ Ein Rücktritt steht für ihn nicht im Raum: „Mit allen Kräften will ich mich dafür einsetzen, dass die Aufarbeitung weitergeht. Und ich will die Veränderungen vorantreiben“, sagte der Bischof am Wochenende.

RND/goe

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