Bill Cosby – sein Sieg-V ist eine Verkennung der Realität

  • Mit seinem Victory-Zeichen vor den Kameras zeigt der freigelassene Sexualstraftäter Bill Cosby, wie sehr er noch immer die Realität verkennt.
  • Dass der Supreme Court von Pennsylvania das Urteil gegen den früheren Fernsehstar aufhob, hat rein rechtstechnische Gründe.
  • An der Schuld, die Cosby auf sich geladen hat, ändert sich nichts. Ein Kommentar von Matthias Halbig.
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Die Verurteilung Bill Cosbys im Jahr 2018 löste eine Lawine aus. Missbrauchte Frauen trauten sich plötzlich reihenweise aus der Deckung. Aus Opfern, die sich einzeln oft gebremst sahen durch Gefühle von Scham und Schande, wurde eine Gemeinschaft, die ihre Häupter erhob und sich zur Wehr setzte.

Endlich wurden jenen Männern Grenzen gesetzt, die glaubten, sie brauchten für Sex kein Einvernehmen. Der „American Dad“ höchstselbst, TV-Legende Bill Cosby, musste hinter Gitter, die #MeToo-Ära begann.

Um diesen Kern des Verfahrens aber ging es gar nicht, als jetzt der Supreme Court von Pennsylvania das Strafverfahren noch einmal unter die Lupe nahm. Es ging ums Prozessrecht. Das Problem schuf ein Distriktsstaatsanwalt, der im Jahr 2005 versprochen hatte, kein Strafverfahren gegen Cosby zu eröffnen. Auf dieser Grundlage machte Cosby Aussagen, die er anderenfalls unterlassen hätte. Es war ein „Deal“, an den sich der Nachfolger des Staatsanwalts im Strafprozess nicht gebunden fühlte.

Die Überzeugung der Richter, selbst Männer wie Cosby müssten sich auf solche Vereinbarungen einer Amtsperson verlassen können, brachte nun das für das Gerechtigkeitsempfinden so desaströse Ergebnis – das die Gegenkräfte von #MeToo natürlich für sich verwenden werden. Der Rollback läuft.

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Es bietet wenig Trost, dass Cosby das Minimum von drei Jahren seiner drei- bis zehnjährigen Haftstrafe abgesessen hat. Dass der Mann bei seiner Rückkehr nach Hause ein „V“ für „Victory (Sieg)“ in die Kameras hielt, ist eine Verhöhnung seiner Opfer. Und es beweist eine klare Verkennung der Realität.

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Die Entscheidung des Supreme Court dreht sich nur um einen technischen Fehler, nicht um Schuld und Unschuld des Verbrechers. Eine Jury von zwölf Personen hatte Cosby 2018 zweifelsfrei wegen sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen. Auch wenn die Entscheidung aus strafprozessualen Gründen aufgehoben ist: Die moralische Wirkung des Urteils im Fall Cosby bleibt bestehen.

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