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Bewegung im Suezkanal: Riesenfrachter „Ever Given“ endlich komplett freigelegt

  • Das im Suezkanal auf Grund gelaufene Containerschiff „Ever Given“ ist nun völlig freigelegt und bewegt sich wieder.
  • Arbeitern war es zuvor gelungen, den Bug des riesigen Schiffes zu lösen.
  • Bis der Stau an der wichtigen Wasserstraße aufgelöst ist, könnte es aber noch Tage dauern.
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Suez. Das Drama um das vor fast einer Woche auf Grund gelaufene Containerschiff hat ein Ende. Bergungsteams gelang es am Montag, die „Ever Given“ freizulegen, wie der Kanaldienstleister Leth Agencies mitteilte. „Wir haben es geschafft“, sagte auch der Chef des Bergungsunternehmens Boskalis, Peter Berdowski. Arbeiter hätten den Bug des Containerschiffes dank starker Flut und einer Flotille von Schlepperbooten vom Ostufer des Kanals gelöst. Videos zeigen, wie sich die „Ever Given“ in der Mitte des Suezkanals bewegt. Auch Satellitenaufnahmen auf der Website Marinetraffic.com bestätigten, dass sie sich vom Ufer auf das Zentrum der Wasserstraße zubewegte.

Der Kanalbetreiber SCA teilte mit, dass der Schiffsverkehr im Suezkanal wieder aufgenommen werde. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi dankte laut Medienberichten den Helfern dafür, die Krise beendet zu haben.

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Nach der Bergungsaktion waren Einsatzkräfte am Nachmittag dabei, das voll beladene, 220.000 Tonnen schwere Schiff auf die Bitterseen zu schleppen – ein lang gestrecktes Seebecken zwischen dem nördlichen und südlichen Ende des Suezkanals. Dort soll es nach Angaben der Kanalbehörden einer technischen Prüfung unterzogen werden.

Suezkanal: Hunderte Schiffe warteten auf Durchfahrt

Die knapp 400 Meter lange und 59 Meter breite „Ever Given“ war am Dienstag vergangener Woche rund sechs Kilometer von der südlichen Zufahrt zum Kanal entfernt auf Grund gelaufen und hatte sich zwischen den Ufern verkeilt. Seither war der Suezkanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt, blockiert. Täglich wurden so Handelswaren im Wert von 9 Milliarden Dollar aufgehalten.

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Trotz des Endes der Blockade könne es noch sechs Tage oder länger dauern, bis die gesamte Warteschlange abgelaufen ist, hieß es von der dänischen Reederei Maersk. Der Kanalbehörde zufolge warteten zuletzt rund 370 Schiffe auf beiden Seiten des Kanals auf Durchfahrt. Der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtete am Montag von 450 Schiffen im Stau. Mehrere Reedereien hatten bereits begonnen, ihre Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung in Afrika zu schicken.

Video
Nach tagelanger Arbeit: Containerschiff im Suezkanal wieder frei
1:01 min
Das havarierte Containerschiff „Ever Given“ wurde geborgen, nachdem es zuvor den Schiffsverkehr in beide Richtungen blockiert hatte.  © Reuters
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Mit der Hilfe von Schleppern und einem erhöhten Wasserspiegel bei Vollmond war es in der Nacht zu Montag zunächst gelungen, die verkeilte „Ever Given“ ein bisschen zu bewegen. Der Leiter der Kanalbehörde, Osama Rabei, sagte, Einsatzkräfte hätten das Schiff mit Zug- und Druckmanövern fast vollständig gerade ausgerichtet. Das Heck habe sich rund 100 Meter vom Kanalufer entfernt. An der Aktion waren zehn Schlepper beteiligt, außerdem wurden über Nacht 27.000 Kubikmeter Sand und Schlamm um das Schiff abgesaugt. Ein Vertreter der japanischen Eigentümergesellschaft der „Ever Given“ sagte der Nachrichtenagentur AP, dass die Unterseite des Schiffes in der neuen Position den Kanalboden berühre.

Schiffe könnten am Suezkanal noch tagelang im Stau stehen

Trotz der Befreiung der „Ever Given“ könne es noch sechs Tage oder länger dauern, bis die gesamte Warteschlange abgelaufen ist, hieß es von der dänischen Reederei Maersk. Der Kanalbehörde zufolge warteten zuletzt rund 370 Schiffe auf beiden Seiten des Kanals auf Durchfahrt. Der Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtete am Montag von 450 Schiffen im Stau. Mehrere Reedereien hatten bereits begonnen, ihre Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung in Afrika zu schicken.

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Von der Blockade sind in Deutschland insbesondere die Chemie- und Autoindustrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau betroffen. Die Branchen bekommen Bestandteile für ihre Produktion aus Asien, die über den Suezkanal transportiert werden, hieß es aus dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Unternehmen planen demnach bei Seetransporten zwar zwei bis fünf Tage als Puffer ein. Bei einer längeren Sperrung drohe aber zeitweise ein Stillstand der Produktion. Die Lage für die deutsche Industrie sei auch ohne die Sperrung bereits angespannt.

Der Suezkanal verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer und bietet damit den kürzesten Schifffahrtsweg zwischen Asien und Europa. 2020 durchfuhren nach Angaben der Suezkanalbehörde fast 19.000 Schiffe die Wasserstraße. Durch die Blockade gingen dem Kanal bisher täglich Einnahmen von rund 13 bis 14 Millionen Dollar verloren.

RND/AP/dpa/seb

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