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Bestatter nimmt keine Corona-Fälle an: “Kann das meinen Mitarbeitern nicht zumuten”

  • In der Region Hannover hat ein großes Bestattungsunternehmen Kurzarbeit angemeldet.
  • Es möchte keine Corona-Fälle mehr annehmen.
  • Die Kritik des Inhabers: Es fehle an Schutzausrüstung und verbindlich geregelten Krisenabläufen.
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Garbsen. Der Inhaber des größten Bestattungsunternehmens in Garbsen, einer Gemeinde in der Region Hannover, meldet für die meisten seiner Mitarbeiter Kurzarbeit an, wie die “Hannoversche Allgemeine Zeitung” (HAZ) berichtet. Und zwar nicht, weil er in der Corona-Krise nichts zu tun hätte – sondern weil ihm die entsprechende Ausrüstung, um Corona-Tote zu bestatten, fehle.

37 Schutzanzüge liegen demnach noch bei Bestatter Bernd Henschel, passend dazu zertifizierte FFP-Schutzmasken. “Das reicht nicht mehr lange, danach habe ich nichts mehr und bekomme auch nichts mehr”, sagt Henschel der Zeitung. “Ich kann das meinen Mitarbeitern nicht mehr zumuten”, sagt er, „wir schließen nicht, aber wir nehmen in Kürze keine Corona-Fälle mehr an.“

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Bilder wie in Italien vermeiden

Dabei sei es ihm wichtig gewesen, Bilder wie in Italien zu vermeiden, wo Särge vom Militär mit Lastwagen an den Kliniken abgeholt wurden. So habe Henschel extra einen Notfallplan für die Corona-Zeit entwickelt, wie die “HAZ” berichtet. Er bestellte demnach so viele Särge und Desinfektionsmittel, Schutzhüllen, Masken, Handschuhe und mehr auf Vorrat, wie möglich war. Der Familienbetrieb sei mit einem sechsstelligen Betrag in Vorleistung getreten. Mitarbeiter wurden geschult. Henschel sicherte sich für den Ernstfall 15 zusätzliche schwarze Transporter für die Überführungsfahrten. Nur Schutzanzüge und Masken habe er nicht bekommen.

Deshalb zog er nun die Notbremse. “Ich glaube, wir haben uns gut vorbereitet. Aber wir alleine können nicht die Probleme lösen, die da auf uns zukommen. Das geht nur zusammen. Und dieses ‘zusammen’ gibt es nicht”, sagt Henschel der “HAZ”. Er habe den Eindruck, dass weder das nahe gelegene Krankenhaus in Neustadt noch die überwiegende Zahl der Pflegeheime noch die Stadtverwaltungen auf eine hohe Zahl gleichzeitig Sterbender eingerichtet seien. Außerdem kritisiert er wie schon andere Bestatter zuvor, dass der Beruf in Niedersachsen nicht als systemrelevant eingestuft ist.

Zurückgewiesen wird die Kritik an Stadtverwaltungen gegenüber der “HAZ” von Stadtsprecher Benjamin Irvin: Die Arbeit der Behörden werde demnach kontinuierlich den aktuellen Erfordernissen angepasst. Die Stadt sei vorbereitet, Bescheinigungen zügig auszustellen, Friedhöfe herzurichten, Kostenübernahmefragen in weniger als acht Tagen zu klären, bei Bedarf auch schneller.

RND/hsc




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