Bestatter: Beisetzungen in anderen Orten belasten die Angehörigen

  • Das Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat große Schäden angerichtet und zahlreiche Menschenleben gefordert.
  • Auch die Friedhöfe in den betroffenen Regionen sind verwüstet.
  • „Aktuell können keine Bestattungen stattfinden“, sagte der Geschäftsführer der Bestatterverbände in NRW und Rheinland-Pfalz.
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Düsseldorf. Für Beerdigungen in den Gebieten der Flutkatastrophe müssen oft Sonderregelungen gefunden werden. „Auf den Friedhöfen, die von der Flutkatastrophe schwer in Mitleidenschaft gezogen sind, können aktuell keine Bestattungen stattfinden“, sagte der Geschäftsführer der Bestatterverbände in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, Christian Jäger, in Düsseldorf dem Evangelischen Pressedienst. Das sei beispielsweise bei Friedhöfen in Bad Neuenahr-Ahrweiler der Fall. „Abgesehen von den oberirdischen Schäden ist oft noch unklar, welche Wege das Wasser unterhalb der Anlagen gesucht hat“, erläuterte Jäger.

„Wir brauchen jetzt erst einmal ein komplettes Bild aller Schäden auf den Friedhöfen“, sagte Jäger. Dann erst könne geplant werden, in welcher Reihenfolge die Friedhöfe wieder hergestellt werden. Aktuell habe die Rettung der Lebenden Priorität. „Nichtsdestotrotz müssen aber auch die Verstorbenen beigesetzt werden“, betonte der Bestatter.

Bestattungsfristen werden wohl verlängert

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Weil viele Tote noch nicht identifiziert werden konnten, werde mit einer Verlängerung der Bestattungsfristen gerechnet, erklärte Jäger. Nach den Bestattungsgesetzen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz soll die Erdbestattung jeweils zehn Tage nach Eintritt des Todes stattfinden, bei einer Urnenbeisetzung gilt eine Frist von sechs Wochen. „Angesichts der Katastrophensituation bin ich sicher, dass solche Fristverlängerungen großzügig ausgesprochen werden können“, sagt der Geschäftsführer der Bestatterverbände.

Eine Beisetzung in der Nachbarschaft oder im Nachbarlandkreis sei zwar möglich, für die Angehörigen sei das jedoch oft sehr belastend, erklärte Jäger. „Dass es so viele Ortsteil- und Stadtteilfriedhöfe gibt, liegt daran, dass die Verstorbenen dort ihren Lebensmittelpunkt gehabt haben und auch die Angehörigen häufig dort leben.“ Das erste Mittel der Wahl sei zunächst die Verlängerung der Bestattungsfristen. Dennoch würden auf viele Familien, die in der Flutkatastrophe Existenzen und Häuser verloren hätten, auswärtige Bestattungen ihrer Angehörigen zukommen.

Bestatter leisten laut Jäger auch ehrenamtlich Unterstützung im Katastrophengebiet. Viele Einsatzkräfte der Bundeswehr oder des Technischen Hilfswerks, die zurzeit im Flutgebiet im Einsatz sind, seien kaum geschult für den Umgang mit Todesfällen. Das sei für viele sehr belastend: „Da können Bestatter mit ihrer Erfahrung helfen.“

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Viele Bestatter seien in der Organisation „Deathcare Embalming-Team“ ehrenamtlich engagiert. Die Helfer, die nach Anforderung der jeweiligen Krisenstäbe tätig werden, leisten laut Jäger Hilfe bei der Bergung von Toten sowie beim Transport, Aufbahrung oder bei der psychologischen Begleitung der Einsatzkräfte.

RND/epd

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