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„Abscheulich“ und „widerwärtig“: Gaffer filmt Polizisten kurz vor seinem Tod und veröffentlicht Video

  • Ein Berliner Polizist ist auf einer Dienstfahrt in einen Unfall verwickelt, er stirbt wenig später im Krankenhaus.
  • Ein Fußgänger, der dem Beamten offensichtlich hätte helfen können, filmt den Verletzten, verhöhnt ihn und stellt das Video ins Internet.
  • Die Berliner Polizei sowie die Polizeigewerkschaft finden klare Worte für das Handeln des Gaffers.
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Berlin. Ein Polizist ist auf einer Dienstfahrt in Berlin verunfallt und später an den Folgen seiner Verletzungen verstorben. Für Empörung sorgt in dem Zusammenhang das Verhalten eines Gaffers: Anstatt dem Verletzten zu helfen, zückte der Passant sein Handy und filmte die Situation. Das Video veröffentlichte er am Mittwoch auf Twitter, wie die „Berliner Morgenpost“ berichtet. Auf dem mittlerweile gelöschten Video sei zu sehen gewesen, wie der Polizist noch hinter dem Steuer sitzt, um sich schlägt und nach Hilfe ruft. Der Mann, der den Unfall filmte, bezeichnete den Polizisten in dem Video als „völlig betrunken“, wie die Zeitung weiter schreibt. Der Beamte starb wenig später im Krankenhaus. Er soll 60 Jahre alt gewesen sein.

Am Donnerstag reagierte die Berliner Polizei entsetzt. „Dieses Video ist abscheulich, die Veröffentlichung unfassbar! Es macht mich fassungslos und wütend“, schreibt Dr. Barbara Slowik, Präsidentin der Polizei Berlin, in einem Statement auf Twitter.

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Berliner Polizeipräsidentin: „Es ist widerwärtig“

„Selbst wenn man einer Fehleinschätzung der Situation unterliegt, ist es widerwärtig, ein solches Video zu erstellen, um damit einen hilflosen Menschen – einen hilflosen Menschen in Uniform – herabzuwürdigen“, heißt es weiter in dem Tweet. „Es ist widerwärtig, dass der Wert der Followerzahl und die vermeintliche Möglichkeit, die Polizei Berlin in den Schmutz zu ziehen, offenbar wichtiger war, als die Würde unseres Kollegen, eines Menschen, zu respektieren.“ Slowik wünschte den Angehörigen des verstorbenen Beamten „viel Kraft und Halt“.

Auch die Gewerkschaft der Polizei Berlin (GdP) äußerte sich am Donnerstag in einem Tweet. „Es schockiert uns, dass man lieber zum Smartphone greift und draufhält, anstatt einem offensichtlich in Not geratenen Menschen zu helfen“, wird Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Polizeigewerkschaft, zitiert.

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Weiter findet er deutliche Worte: „Dass derartige Aufnahmen aus der reinen Gier nach Klicks und Aufmerksamkeit im Social Media verbreitet werden, zeigt einen mittlerweile stark verbreiteten digitalen Narzissmus, der strafrelevante Folgen haben muss.“

Der Videomitschnitt werde ausgewertet, um die Urheberschaft festzustellen und Hinweise auf mögliche weitere Personen zu bekommen, erklärte ein Polizeisprecher. Zudem kontaktiere das Social-Media-Team der Polizei die Menschen, die den Mitschnitt geteilt hätten - mit der Bitte diesen zu löschen.

RND/nis mit dpa

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