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Beobachtung von Meeressäugern als Urlaubsvergnügen: Mögen die uns wirklich?

  • Die Beobachtung von Meeressäugern ist zum Urlaubsvergnügen geworden – und der Waltourismus zum großen Geschäft.
  • Auch wenn es den Tieren offenbar Spaß macht, bitten Walschützer um Maß.
  • Als größte Gefahr für Wale und Delfine sehen Experten aber sowieso etwas anderes.
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Madrid. Ende der 1980er-Jahre begann der Walrausch auf den Kanarischen Inseln. „Boote kamen von überall her an die Südspitze Teneriffas“, erinnert sich Erich Hoyt. „Sie stellten Schilder auf und boten Walbeobachtung an. Sie hatten keine Ahnung, was sie ihren Kunden zeigten. Sie wussten nur, dass sie Boote mit Touristen voll bekommen würden – und dass sie damit einen Haufen Geld machten.“

Hoyt von der britischen Schutzorganisation Whale and Dolphin Conservation nennt es „einen Fall wie aus dem Lehrbuch“ für das, was bei der Wal- und Delfinbeobachtung alles schieflaufen kann. „Was als harmlose Industrie angesehen wurde, betrachtete man nun in manchen Gegenden als eine potenzielle Bedrohung für einzelne Wale oder Walpopulationen“, schreibt Hoyt in seinem Beitrag zur europäischen Wal- und Delfinstudie, die die Meeresschutzorganisation Ocean Care heute unter dem Titel „Unter Druck“ herausbringt. Der kanarische Fall zeigt aber auch, wie sich die Dinge zum Guten wandeln können.

Waltourismus als großes Geschäft

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Als ersten kommerziellen Walbeobachter führt Hoyt einen Fischer in Kalifornien an, der 1955 für einen Dollar Leute mitnahm, um ihnen Grauwale zu zeigen. Ende der 1980er-Jahre hatte das Geschäft sogar Walfangländer wie Japan und Norwegen erreicht. Der Waltourismus wuchs mit fantastischen Raten: von 400.000 Teilnehmern 1981 auf knapp 13 Millionen im Jahr 2008. In Europa, das bei der Walbeobachtung eher eine Randrolle spielt, waren es 1988 weniger als 10.000, 30 Jahre später geschätzte 1,8 Millionen.

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Die Tiere machen es einem leicht. „Sie sind neugierig“, sagt Hoyt. Es könne vorkommen, dass sich ein Buckelwal einem Boot immer wieder nähere. „Er scheint das Boot zu mögen. So reden auch wir Wissenschaftler manchmal unter uns: Sie lieben die Touristen. Das ist eine menschliche Vorstellung. Es kommt dir gewiss nicht in den Sinn, dass du sie störst.“ Doch Menschen seien leider „anmaßende Tiere“. Sie wollten immer mehr. „Aber wir müssen maßhalten, um nicht zur Last für die Wale zu werden.“

Das war auch die Botschaft, die Hoyt mit zwei Kollegen von Whale and Dolphin Con­ser­va­tion Ende der 1980er-Jahre nach Teneriffa brachte. Bootsbesitzer, ihre Gäste und schließlich auch die Behörden stellten fest, dass es kein Vergnügen für Menschen und Tiere war, wenn zu viele Boote unterwegs waren. Die kanarische Regionalregierung setzte den Anbietern Schranken und schickte selbst ein Boot zur Überwachung der Regeln aufs Meer.

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Experte sieht Fischerei als größte Gefahr für Wale und Delfine

„Walbeobachtung ist eine großartige Sache, wenn sie richtig gemacht wird“, sagt Hoyt. Im besten Falle schärft sie das Bewusstsein für die Verletzlichkeit der Tiere. Unter allen Gefahren, die die Studie „Unter Druck“ für Wale und Delfine in Europa aufführt, hält Hoyt die Fischerei für die größte. Wahrscheinlich Hunderttausende Meeressäuger gehen den Fischern jedes Jahr als unfreiwilliger Beifang ins Netz – weit mehr, als durch kommerziellen Walfang getötet werde.

Die Netze aus Polypropylen seien „Tötungsmaschinen“, insbesondere die Stellnetze. Die Fangmethoden vor 50 Jahren hätten manche Arten an den Rand der Ausrottung gebracht, so Hoyt. Viel hat sich seitdem getan, vieles ist noch zu tun. Der wichtigste Beitrag, den Walbeobachter leisten könnten: Die Tiere auch mal in Ruhe lassen – so wie es während der Pandemie gerade unfreiwillig geschieht.

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