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Beherbergungsverbot in Deutschland: So geht es Hoteliers mit den Maßnahmen

  • Seit einigen Tagen gilt ein Beherbergungsverbot für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten.
  • Die neuen Maßnahmen bedeuten für einige Unterkünfte große Unsicherheit.
  • Doch auch Touristen stehen vor Herausforderungen.
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Das Beherbergungsverbot, das erst in der vergangenen Woche für Reisende in Kraft getreten ist, ist innerhalb Deutschlands umstritten. So dürfen Touristen aus deutschen Risikogebieten in den meisten Bundesländern nicht in die Hotels einchecken. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Kann man einen negativen Corona-Test vorweisen, ist die Beherbergung in vielen Bundesländern erlaubt.

Doch in der Politik sorgen die neuen Maßnahmen für Diskussionen. Bei einigen Hotelbetrieben herrscht Frust, und auch die Gäste sind verunsichert.

Maßnahmen seien „widersprüchlich“

Der Hauptgeschäftsführer des Dehoga Schleswig-Holstein, Stefan Scholtis, erklärte dem RND, dass seit März ungefähr „drei Viertel“ der Touristen in Schleswig-Holstein aus Deutschland stammen. Scholtis nennt die neuen Maßnahmen widersprüchlich: „Besonders, weil es noch am Anfang der Pandemie hieß, man soll nicht mehr ins Ausland, sondern im Inland verreisen."

Die Auswirkungen des Beherbergungsverbots auf Hotels seien schon jetzt gravierend, so bekommt Scholtis es von Betrieben jedenfalls gespiegelt. Demnach würden nur wenige Touristen aus Risikogebieten Corona-Tests machen. „Es kommen Mails rein, in denen steht, dass die Reisenden den Corona-Test zeitlich gar nicht schaffen. Nicht jeder wohnt in der Großstadt und bekommt direkt einen Termin", erzählt er.

Frustration und Unsicherheit

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Scholtis nennt es eine „Stornierungswelle“, die gerade auf die Betriebe zukommt. Besonders die Hotels in zweiter und dritter Reihe würden es schwer haben. Also Betriebe, die nicht direkt am Wasser liegen und somit weniger beliebt sind. Täglich melden sich Hoteliers bei dem Dehoga Schleswig-Holstein mit Fragen zu neuen Maßnahmen. „Je öfter politische Ergebnisse verändert werden, desto mehr führt es zu einer Frustration und Unsicherheit der Betriebe“, erklärt Scholtis.

Viele Hotels in Schleswig-Holstein werden von Familien geführt und haben eine kleine Anzahl an Angestellten. Einige dieser Hotels würden „ein bis zwei Mitarbeiter haben, die täglich Karten studieren, die Nachrichten verfolgen und telefonieren müssen“. Dabei müssen sie nicht nur Orte, sondern auch Postleitzahlen bedenken, die eventuell zu einer Risikoregion gehören, so Scholtis.

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Im „engen Kontakt mit den Gästen“

Das Hotel Hafenresidenz auf Fehmarn ist auch so ein kleiner Betrieb. Es bietet 23 Apartments auf der Insel an. Eine Vertreterin des Hotels, Elke Dübe, berichtet dem RND ebenfalls von einer Verunsicherung der Gäste. „Ich telefoniere mit jedem Gast und stehe im engen Kontakt mit ihnen. Die meisten Touristen reisen dann auch mit einem negativen Corona-Test an.“

Eine „Stornierungswelle“, wie der Dehoga-Chef es nennt, hat die Hafenresidenz auf Fehmarn nicht erlebt. „Wir haben auch Stornierungen, aber die konnten wir bisher weiter vermieten“, erzählt Dübe.

Dennoch scheint die momentane Situation kraftraubend zu sein. „Ich sitze jeden Morgen im Büro und aktualisiere die Liste mit Risikogebieten und den dazugehörigen Postleitzahlen. Eigentlich ist das gar nicht unsere Aufgabe.“ So sieht sie dort eher die Gäste in der Pflicht.

Juristische Folgen

Stefan Scholtis von dem Dehoga glaubt nicht, dass Hoteliers aus Schleswig-Holstein juristisch gegen das Verbot vorgehen werden. Anders ist das in Niedersachsen. Wie N-TV berichtet, hat ein Hotelier aus dem Harz bereits juristische Schritte eingeleitet. Das könnte viel Zeit kosten. Auch in Brandenburg hat ein Betrieb laut N-TV bereits einen Eilantrag gegen die dortige Corona-Verordnung beim Potsdamer Verwaltungsgericht gestellt.

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Am Mittwoch wollen sich Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten in diesem Thema beraten. Die endgültige Entscheidung liegt allerdings bei den Ländern.


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