Bahn-Mitarbeiter bekommen neue Outfits von Guido Maria Kretschmer

  • Die Bahnmitarbeiter erhalten ein neues Outfit. 900.000 einzelne Kleidungsstücke werden dafür bundesweit ausgegeben.
  • Am Frankfurter Hauptbahnhof kann die Auswahl anprobiert werden.
  • Dem “Modell Schlaghose” werde er nicht nachtrauern, sagt ein Mitarbeiter.
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Frankfurt/Main. Mehr Auswahl, moderner Schnitt und andere Farben: Die Deutsche Bahn kleidet derzeit ihre Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt neu ein. Nach zwei Testläufen steht insgesamt 43 000 Zugbegleitern, Servicemitarbeitern, Lokführern und Busfahrern eine Auswahl an bis zu 80 Teilen in blau und weinrot zur Verfügung, wie das Unternehmen mitteilte. Bisher war das Bahnpersonal an blauen Uniformen mit knallroten Details zu erkennen. Der Entwurf stammt von Designer Guido Maria Kretschmer, bekannt durch die Vox-Sendung "Shopping Queen".

Anprobieren können die Mitarbeiter das neue Sortiment beispielsweise in eigens eingerichteten Räumen an mehreren Hauptbahnhöfen. In Frankfurt steht Zugchefin Gertrud Schuck zwischen den Kleiderständern und zeigt die unterschiedlichen Größen und Längen, in denen die Röcke ausgegeben werden. Die neue Kleidung hat sie schon probiert und fühle sich sehr gut darin, sagt die 63-Jährige. Nun müsse sich noch herausstellen, ob sie ebenso strapazierfähig sei wie die bisherige.

Neu gestaltete Dienstkleidung tragen diese zwei Mitarbeiter der Bahn auf dem Hauptbahnhof in Frankfurt. Nach zwei Testläufen kleidet die Bahn rund 43.000 Zugbegleiter, Servicemitarbeiter, Lokführer und Busfahrer neu ein. © Quelle: Boris Roessler/dpa
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"Modell Schlaghose"

Ihre Kollegin Manuela Wriedt freut sich, dass sie nun im Kleid arbeiten kann - denn da könne im Gegensatz zu einer Rock-Blusen-Kombi nichts verrutschen, wenn sie Fahrgästen mit Koffern oder Kinderwagen helfe. Steward Karl Kosilo lobt den neuen Hosenschnitt, der ihm beim Bedienen in der Ersten Klasse nicht im Weg sei - die alte Kleidung sei doch "mehr das Modell Schlaghose" gewesen. "Das ist jetzt eher so wie das, was ich im Schrank habe."

Neu im Sortiment sind zudem Trenchcoats, Steppjacken und Blousons auch für Männer. Für Lokführer und Busfahrer gibt es Jeanshosen. Zugchefs sind künftig an der silbernen Farbe von Krawatten und Halstüchern zu erkennen - bisher war die Anzahl von Streifen am Sakko ausschlaggebend.

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Das dunklere Rot im Ton "burgundy" solle sympathischer und moderner wirken und den Mitarbeitern mehr Kombinationsmöglichkeiten bieten, sagt Bahn-Personalvorstand Martin Seiler. "Es geht um einen neuen Look und um Materialien und Stoffe, die auf hohe Akzeptanz stoßen." Ab August wird das Personal in Zügen und Bussen sowie an den Bahnhöfen und Reisezentren darin seinen Dienst versehen.

Raus aus der Tristesse

Einheitliche Bekleidung gibt es in vielen Unternehmen: Krankenhäuser geben Kittel für Pflegepersonal und Ärzte aus, Paketboten sind in Firmenfarben unterwegs, selbst in vielen Cafés tragen die Mitarbeiter gleiche T-Shirts. Die neue Bekleidung des Bahnpersonals wird besonders zahlreiche Blicke auf sich ziehen: Rund 7,3 Millionen Fahrgäste pro Tag befördert das Unternehmen eigenen Angaben zufolge deutschlandweit in seinen Bahnen und Bussen.

Bei Unternehmensbekleidung gehe es um die Identität von Firmen und ihr Bild nach außen, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln, Gerd Müller-Thomkins. "Hier hat sich etwas gedreht", sagt der Experte. "Die Dienstkleidung der Bahn ist aus ihrer Tristesse herausgetreten, weg von ihrem uniformellen Charakter hin zu einer Bekleidung, die auch der Vielfalt der Persönlichkeiten Rechnung trägt."

Alltagstauglich und frisch

Die Kleidung wirke alltagstauglich, strahle Frische aus und entspreche dem Zeitgeist. Die Bahn sende so auch Zeichen der Solidarität an ihre Kundschaft, sagt Müller-Thomkins. Insgesamt wirke das Outfit "positiv-optimistisch und nach vorne orientiert" - eile damit der Realpolitik allerdings voraus. Der dunklere Rotton sei eine gute Idee, Aufgeregtheit gebe es beim Thema Bahn schließlich genug.

Die Bahn hatte die Unternehmensbekleidung zuletzt vor 17 Jahren ausgetauscht. An der Neuerung wird seit zweieinhalb Jahren gearbeitet; nach den Testläufen wurden etwa noch Knitter-Probleme bei einzelnen Stoffen beseitigt. Insgesamt werden in den kommenden Monaten rund 900 000 einzelne Kleidungsstücke ausgegeben.

RND/dpa

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