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  • Bad Oeynhausen: Behinderte in Einrichtung jahrelang eingesperrt und misshandelt?

Verdacht der Freiheitsberaubung von Behinderten: 145 Beschuldigte

  • Eine Behinderteneinrichtung in Nordrhein-Westfalen soll Bewohner ihrer Freiheit beraubt haben.
  • Knapp 150 Personen werden beschuldigt, daran beteiligt gewesen zu sein.
  • Die Vorwürfe lauten auch auf Körperverletzung wegen der Fixierung der Bewohner auf Stühlen und den mutmaßlichem Einsatz von Reizgas.
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Bad Oeynhausen. In einem Verfahren wegen Verdachts der Freiheitsberaubung bei Bewohnern in einer Behinderteneinrichtung in Bad Oeynhausen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 145 Beschuldigte. Darunter sind der ehemalige Leiter eines Geschäftsbereichs, Ärzte und verantwortliche Betreuer sowie Angehörige des Pflegepersonals, wie die Polizei des Kreises Minden-Lübbecke und die Staatsanwaltschaft Bielefeld am Montag mitteilten.

Die hohe Zahl ergebe sich, weil Teile des Pflegepersonals an einzelnen freiheitsentziehenden Maßnahmen beteiligt gewesen sein sollen, ohne diese jedoch angeordnet zu haben. Die Vorwürfe lauten auch auf Körperverletzung. Bei den freiheitsentziehenden Maßnahmen waren Bewohner eingeschlossen oder auf Stühlen oder Matten fixiert worden, ohne dass ein Richter dies angeordnet hatte. In 21 Fällen sei Reizgas eingesetzt worden. Ob der Einsatz wegen einer Notwehr-Situation gerechtfertigt war, werde noch überprüft, hieß es in der Mitteilung.

Schonungslose Aufklärung versprochen

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Nach Angaben der Polizei waren die Ermittlungen 2019 nach der Anzeige eines Angehörigen ins Rollen gekommen. Seit Oktober 2019 wird gegen den ehemaligen Leiter ermittelt. 32 Geschädigte sind durch die Ermittler identifiziert worden. Am Samstag hatte das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium bestätigt, dass zur Aufklärung der Vorwürfe eine eigene Projektgruppe eingerichtet worden sei.

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Die Diakonische Stiftung Wittekindshof reagierte am Montag mit Bestürzung auf die bekannt gemachten Details. „Wenn im Wittekindshof Maßnahmen ergriffen wurden, die nicht rechtmäßig und strafbar gewesen sind, dann distanzieren wir uns davon klar und deutlich“, teilte Vorstand Dierk Starnitzke mit. „Es gilt, die Anschuldigungen schonungslos aufzuklären, wozu wir weiterhin unbedingt entschlossen sind“, hieß es. Die Stiftung hatte bereits im Juli 2020 angekündigt, den betroffenen Geschäftsbereich aufzulösen.

RND/dpa

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