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Ungewöhnliche Maßnahme

Australische Schule: Wer zur Toilette will, muss seinen Fingerabdruck scannen

Ein Fingerabdruckscanner eines iPhones (Symbolbild).

Ein Fingerabdruckscanner eines iPhones (Symbolbild).

Sydney. In der Moorebank High School im Südwesten Sydneys zur Toilette zu gehen war bisher ein eher unangenehmes Erlebnis. Die Badezimmer waren häufig mit Fäkalien verschmiert und so mancher Schüler oder so manche Schülerin mochte die Toiletten deswegen schon gar nicht mehr benutzen. Ein Schüler der elften Klasse beispielsweise berichtete dem australischen Sender ABC, dass er meist versucht habe, es bis nach Hause zu schaffen, und es vermieden habe, in der Schule auf Toilette zu gehen.

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Manche Schülerinnen oder Schüler hätten ihre Fäkalien sogar an die Decke geworfen, sagte Daniel Scutella. „Das passiert mindestens mehrere Mal im Jahr“, meinte er. „Es ist ziemlich ekelhaft.“ Die Böden seien außerdem voller Urin gewesen und viele der Türen seien beschädigt gewesen. Um die Schäden zu beheben, musste die Schule nach eigenen Angaben häufig tief in die Tasche greifen.

Kontrolle im Badezimmer

Um diesem unhaltbaren Zustand ein Ende zu setzen, richtete die Schule im Juni ein biometrisches System ein. Seitdem müssen die Schülerinnen und Schüler entweder ihren Fingerabdruck scannen oder sich im Sekretariat eine Zugangskarte holen, wenn sie während der Unterrichtsstunden die Toiletten benutzen wollen. Auf diese Weise kann die Schule nachvollziehen, wer zu welcher Zeit im Badezimmer war.

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Die meisten der 1000 Schülerinnen und Schüler der Schule zeigten sich mit der Aktion einverstanden und ließen ihre Fingerabdrücke registrieren. Auch vonseiten der Eltern gab es wenig Kontroverse, als die Schule das neue System bekannt gab und die Eltern per E-Mail und Schulnewsletter informierte. Bei der ABC war von gerade mal zwei Beschwerden die Rede.

Verletzung der Privatsphäre

Experten dagegen sehen die Aktion der Schule nicht ebenso locker wie die Schulgemeinde. Alana Maurushat, Expertin für Cybersicherheit an der Western Sydney University, sagte, sie glaube nicht, dass junge Schülerinnen und Schüler die möglichen Konsequenzen einer Vergabe ihrer Fingerabdrücke verstehen würden. „Ich habe noch nie davon gehört, dass Schüler in Australien Finger scannen, um Zugang zu Toiletten zu erhalten“, sagte sie dem australischen Sender. Für sie sei dies „eine Verletzung der Privatsphäre“. Die Wissenschaftlerin führte zudem ein Cybersicherheitsrisiko an, da biometrische Daten gestohlen werden könnten. Sie würde die Schule deswegen bitten, „die Maßnahme zu überdenken“. Außerdem sollten alle Schülerinnen und Schüler, die Bedenken hätten, eine Beschwerde beim Datenschutzbeauftragten einreichen.

Eine weitere Expertin, Samantha Floreani, Programmleiterin bei Digital Rights Watch, sagte der australischen Ausgabe des „Guardian“, dass die Begründung, dass man Vandalismus verhindern wolle, keine ausreichende Rechtfertigung für solch eine Verletzung der Privatsphäre sei. „Schüler sollten das Recht haben, auf die Toilette zu gehen, ohne dass ihre biometrischen Daten erfasst werden und ihre Bewegungen ständig überwacht werden“, meinte sie. Floreani warnte davor, dass die Risiken des Systems die potenziellen Vorteile bei Weitem überwiegen würden.

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Als Beispiel nannte sie eine „Datenpanne“ – also wenn jemand, der nicht autorisiert ist, auf die Informationen zugreifen würde. Dies könnte im schlimmsten Fall dann zu Identitätsbetrug führen. Laut Floreani könnte der Schritt einen gefährlichen Präzedenzfall für andere Schulen darstellen und könnte „zur Normalisierung der Überwachung beitragen“.

Ein Passwort lässt sich ändern

Laut des AVG Signal-Blogs, ein Leitfaden in Sachen Onlinesicherheit, Datenschutz und Geräteleistung, ist die Erfassung von Fingerabdrücken alles andere als sicher. Als Beispiele führt der Blog mehrere Aktionen des sogenannten Chaos Computer Clubs an: Um gegen die Verwendung biometrischer Daten zu protestieren, bildete der Club 2008 beispielsweise den Fingerabdruck des damaligen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble nach. Dafür reichte gerade mal ein Foto. 2013 baute der Club dann einen gefälschten Finger, um damit eine iPhone-Sperre aufzuheben. In jüngerer Zeit wurde dies mit Knetmasse und Alleskleber wiederholt, um zu zeigen, wie einfach es ist, physische Fingerabdrücke nachzubilden.

Fingerabdrücke können zudem virtuell gehackt und damit gestohlen werden. Letzteres wurde auf der Black Hat Convention in Las Vegas im Jahr 2015 demonstriert. Zudem werde eine grundlegende Tatsache gerne übersehen, heißt es in dem Blog weiter. „Als mein E-Mail-Konto vor einigen Jahren gehackt wurde, habe ich das Passwort geändert und das Problem war behoben“, schrieb der Autor. „Doch wenn jemand meinen Fingerabdruck hacken würde, hätte er diese Information für immer.“

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