130 Millionen Euro zugesagt

Australien erhöht Rettungspaket für das Great Barrier Reef

Eine Luftaufnahme des Great Barrier Riffs vor der Küste Australiens (Archivbild).

Eine Luftaufnahme des Great Barrier Riffs vor der Küste Australiens (Archivbild).

Canberra. Australiens Regierung hat die Ausgaben für das Great Barrier Reef erhöht: Weitere 204 Millionen australische Dollar, umgerechnet über 130 Millionen Euro, sollen in den Erhalt des größten Riffs der Erde fließen, das die Heimat von 1500 Fischspezies und 400 Korallenarten bildet und ein wichtiger Magnet für den Tourismus ist. Über 60.000 Menschen sind in Jobs beschäftigt, die mit dem Riff in Verbindung stehen.

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Bis 2030 hat Canberra damit nun insgesamt 1,2 Milliarden Dollar, umgerechnet fast 770 Millionen Euro, für das Weltnaturerbe zugesagt, das seit Jahren kränkelt. Neben den höheren Wassertemperaturen, die der Klimawandel verursacht, machen Stürme, Abwässer aus der Landwirtschaft, der Ausbau von Kohlehäfen und die invasive Art des Dornenkronenseesterns den Korallen zu schaffen. Im Oktober 2020 war eine Studie zu dem Schluss gekommen, dass die Anzahl der kleinen, mittleren und großen Korallen am Great Barrier Reef seit den 1990er-Jahren um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist.

„Kritische Lücken schließen“

Am Freitag skizzierte Umweltministerin Tanya Plibersek nun die Vision der derzeitigen Labor-Regierung für das Riff: So sollen „kritische Lücken im langfristigen Nachhaltigkeitsplan für das Riff bis 2050″ geschlossen und die Aktivitäten zum Schutz der Riffe beschleunigt werden, wie es hieß. Die neuen Gelder sollen beispielsweise dafür verwendet werden, Bäche und Flussbänke zu sanieren, um den Sedimentabfluss in das Riff zu reduzieren und damit die Wasserqualität zu verbessern.

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Außerdem sollen Ökosysteme wiederhergestellt werden, die bekannte Kohlenstoffsenken sind, wie Mangroven, Gezeitensümpfe und Seegraswiesen. Diese schützen das Riff vor Abschwemmungen und stellen wichtige Brut- und Nahrungshabitate für Meereslebewesen dar. Gelder sollen auch in die Wiederherstellung beschädigter und degradierter Riffe fließen sowie in ein verbessertes Fischereimanagement. An der Central Queensland University in Gladstone soll zudem ein neues Forschungszentrum eingerichtet werden.

„Wann wird dieser Irrsinn aufhören?“

Paradox ist dabei jedoch, dass in der gleichen Woche in Queensland – dem australischen Bundesstaat, vor dessen Küste sich das Great Barrier Reef befindet – der Ausbau einer Kohlemine ermöglicht wurde. Auch ein umstrittenes Gasprojekt in Darwin im Norden des Landes hat die Unterstützung der Regierung. Kirsty Howey, Direktorin des lokalen Umweltzentrums, nannte das Projekt im Interview mit dem australischen Sender ABC „eine Klima- und Gesundheitskatastrophe“. Es sei „schlicht und einfach eine öffentliche Subvention für die fossile Brennstoffindustrie“. Australiens führender Korallenexperte Terry Hughes merkte auf Twitter zudem an, dass im vergangenen Geschäftsjahr, das in Australien Ende Juni endete, Kohleexporte erstmals die 100-Millarden-Dollar-Marke (64 Milliarden Euro) überstiegen. „Wann wird dieser Irrsinn aufhören?“, kommentierte er. Ein Großteil der globalen CO₂-Emissionen, die die Erderwärmung anfeuern, wird durch die Nutzung fossiler Brennstoffe verursacht.

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Dabei gab es im September eigentlich noch einen Hoffnungsschimmer. Denn nachdem das Land trotz spürbarer Klimakonsequenzen lange Jahre mit sich gehadert hatte, ehrgeizigere Emissionsziele zu verfolgen, brachten die regierenden Sozialdemokraten ein historisches Klimagesetz in die Gänge. Unter Premierminister Anthony Albanese verankerten sie eine Senkung der CO₂-Emissionen um 43 Prozent bis 2030. Doch selbst damals machte Albanese deutlich, dass er – ähnlich wie die Vorgängerregierung – der Kohleindustrie nicht den Rücken zuwenden wolle. Ein Stopp von fossilen Brennstoffprojekten hätte „verheerende Auswirkungen auf die australische Wirtschaft“, hatte er im Juli erst noch gesagt.

Sechste Massenbleiche seit 1998

Wie gefährdet das Great Barrier Reef ist, zeigte auch das Jahr 2022 auf erschreckende Art und Weise. So erlebte das Riff die sechste Massenbleiche seit 1998 und die vierte seit 2016. Ein Bericht im Mai dokumentierte das Ausmaß der Verwüstung: Von den insgesamt 719 Riffen, die zwischen der Torres-Straße und der Capricorn Bunker Group am südlichen Ende des Riffsystems untersucht worden waren, zeigten 654 Riffe Zeichen einer Bleiche. Bleichen werden von zu hohen Wassertemperaturen ausgelöst. Sie schwächen die Korallen und können – wenn sie zu intensiv sind und zu lang andauern – die Nesseltiere sogar töten.

Drohne hilft Forschenden bei Schildkrötenzählung im Great Barrier Reef

64.000 Grüne Meeresschildkröten kommen in einer Saison nach Raine Island, um ihre Eier zu legen – fast doppelt so viele wie bislang angenommen.

Anfang August meldete das Australian Institute of Marine Science (AIMS) dann zwar, dass seine Forscher und Forscherinnen im Norden und im Zentrum des Great Barrier Reef die höchste Korallenbedeckung seit über drei Jahrzehnten gemessen hätten, doch leider bedeutet auch diese auf den ersten Blick positive Nachricht nicht, dass das Riff wieder gesund ist. Eine hohe Korallenbedeckung sei oftmals „trügerisch“, erklärte Zoe Richards, eine Forscherin der Curtin University, im akademischen Fachmagazin „The Conversation“. Sie stamme oft nur von wenigen dominanten Arten, die nach einer Störung wie beispielsweise einer Massenbleiche schnell wachsen würden. In diesem Fall handelt es sich um die schnell wachsenden Acropora-Korallen, die bekannt für ihren sogenannten Boom-and-Bust-Lebenszyklus sind. Diese Korallen wachsen schnell, sind jedoch anfällig für Schäden, die Wellen, Krankheiten oder neue Korallenbleichen verursachen. Oftmals gehen sie innerhalb weniger Jahre wieder ein.

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Zudem würde eine gute Nachricht in einem Jahr auch nicht den Schaden wettmachen, der über Jahre hinweg angerichtet worden sei, meinte Ana Vila-Concejo, eine Meeresbiologin der University of Sydney, die sich darauf spezialisiert hat, die Gesundheit von Korallen mithilfe von Satellitenbildern zu untersuchen. „Es ist ganz eindeutig, dass das Riff unter dem Klimawandel leidet“, bestätigte die Forscherin.

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