• Startseite
  • Panorama
  • Ausgangssperre umgehen? Lieferando-Jacken werden als "Lockdown-Trick" bei Ebay Kleinanzeigen verkauft

Um Ausgangssperre zu umgehen: Verkauf von Lieferando-Jacken bei Ebay Kleinanzeigen

  • Immer wieder verkaufen Anbieter Jacken und Rucksäcke von Lieferando über Ebay Kleinanzeigen.
  • Dabei wird die Kleidung mit dem Logo des Lieferdienstes als „Lockdown-Trick“ beworben, mit dem Käufer angeblich die nächtliche Ausgangssperre umgehen können.
  • Der Lieferdienst distanziert sich gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland von den Verkäufen der Arbeitskleidung.
Anzeige
Anzeige

Hannover. Lieferdienste sind vor allem in der Corona-Pandemie eine beliebte Alternative zum Besuch im Restaurant. Aktuell verkaufen jedoch viele Anbieter ihre Arbeitskleidung über Onlineportale wie Ebay Kleinanzeigen, und das zu einem ganz bestimmten Zweck. Viele Käufer erhoffen sich offenbar, mit einer Jacke oder einem Lieferrucksack des Unternehmens die coronabedingten Ausgangssperren in ihrer Stadt umgehen zu können.

Angebote bei Ebay werben mit „Ticket in die Freiheit“

Bei dem Onlineverkaufsportal Ebay Kleinanzeigen bewirbt ein Verkäufer seine Lieferando-Jacke beispielsweise eindeutig als Möglichkeit, „die Ausgangssperre zu umgehen“. „Für ein faires Angebot erhalten sie hier ihr Ticket in die Freiheit! Kein 15-Kilometer-Radius, kein einzelner Haushalt, die pure Unabhängigkeit. Jetzt zuschlagen!“, heißt es in der Anzeige.

Anzeige

In anderen Annoncen wird die eigentliche Intention des Angebots eher in einem Nebensatz versteckt. So wird zum Beispiel eine Lieferando-Sommerjacke der Größe L beworben, und obwohl die Anzeige in der kalten Jahreszeit Anfang Januar eingestellt wurde, heißt es in der Beschreibung: „Derzeit sehr beliebt.“

Die Preise für eine solche Jacke sind dabei allerdings bereits stark gesunken. Wie die „tz“ berichtete, sei die Lieferando-Kleidung zu Beginn der lokalen Ausgangssperren im November und Dezember teilweise für bis zu 300 Euro gehandelt worden. Mittlerweile liegen die meisten Angebote zwischen 20 und 70 Euro.

Verkaufsportal Ebay kann Inserate nicht beeinflussen

In einem Twitter-Verlauf, bei dem ein Nutzer eine Anzeige für eine Lieferando-Jacke teilte, äußerten sich viele verärgert über die Angebote. Als ein Nutzer sich in dem Thread mit der Frage „Da kann man doch sicher mehr machen oder?“ direkt an Ebay Kleinanzeigen wandte, erklärte das Unternehmen: „Leider nur kontrollieren und wenn nötig löschen.“ Schließlich sei es nicht verboten, die eigene Arbeitskleidung über das Internet zu verkaufen.

Anzeige

Lieferdienst distanziert sich von Ebay-Verkäufen

Anzeige

Lieferando selbst distanziert sich in einer Stellungnahme von den Verkäufen der Mitarbeiterkleidung. „Wir raten von dem Kauf solcher Angebote ab und gehen davon aus, dass diese nur sehr vereinzelt gekauft werden, in der Regel für eine vernünftige Verwendung“, so Oliver Klug, Sprecher der Lieferando/Takeaway-Gruppe gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Außerdem sei für die Arbeit der Lieferanten während der Ausgangssperren eine entsprechende Bescheinigung des Arbeitgebers nötig, die die Fahrer bei sich tragen müssen.

Gegenüber dem RND betonte Klug zudem, dass die Jacken lediglich als Arbeitskleidung vorgesehen seien und nicht in der Freizeit getragen werden sollten. „Selbst ökonomisch lohnt sich der Verkauf für unsere Fahrer nicht, denn sie hinterlegen bis zur Rückgabe der Jacken eine Kaution oberhalb der auf Ebay gängigen Angebotspreise“, erklärte Klug. Diese Kaution liege bei 70 Euro. Allerdings werde diese nicht bei den Restaurantpartnern fällig, die ihr eigenes Lieferpersonal mit der passenden Kleidung ausstatten und dementsprechend eine Kaution verlangen. Welche Bestände das jeweilige Restaurant dort an seine Mitarbeiter austeilt, werde nicht von Lieferando kontrolliert.

Münchner Polizei hat Kenntnis

Anzeige

Die Polizei in München hat zumindest Kenntnis von den Angeboten. Sollte jemand versuchen, die Ausgangssperre mithilfe einer Jacke des Lieferdienstes zu umgehen, werde eine Strafe fällig und die Jacke könnte eingezogen werden, heißt es dort. Dass dies aber vor allem eine theoretische Überlegung sei, betonte Polizeisprecher Sven Müller gegenüber dem RND: Es seien bei der Polizei bislang keine Fälle bekannt, dass Menschen durch Arbeitsbekleidung versucht hätten, gegen die Ausgangssperren zu verstoßen. „Wir kontrollieren tatsächlich auch keine Lieferando-Fahrer“, so Müller.

RND/al

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen