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Aufruhr in Frankreich: Haben Minister an illegalen Dinnern teilgenommen?

  • In Frankreich sorgen Berichte, dass Minister an illegalen Dinnern teilgenommen haben sollen, für Aufruhr.
  • Videoaufnahmen zeigen versteckte Restaurants in der Hauptstadt Paris.
  • Während die Regierung die Vorwürfe abstreitet, hat die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung eingeleitet.
Lisa Louis
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Paris. Seit ein paar Tagen gibt es in Frankreich einen neuen Twitter-Trend: Unter dem Hashtag #OnVeutLesNoms – Wir wollen Namen – posten Mitglieder des sozialen Netzwerks verärgerte Reaktionen auf die Nachricht, dass Minister an illegalen Abendessen in versteckten Pariser Restaurants teilgenommen haben sollen. Dort trage man weder Masken noch würden Abstandsregeln eingehalten.

„Raten Sie mit, wer bei Pierre-Jean gegessen hat“, postete ein Benutzer über einem Foto eines Brettspiels, auf dem die Köpfe verschiedener Minister zu sehen sind. Der Geschäftsmann Pierre-Jean Chalençon wurde zuvor als vermeintlicher Organisator solcher Dinner identifiziert.

Andere spekulierten, ob es sich um Wirtschaftsminister Bruno Le Maire oder Justizminister Eric Dupont-Moretti handeln könnte, nachdem ein Kellner, der sich Bruno nennt, in einem Fernsehinterview mit Maske, Sonnenbrille und Baseballkappe erzählt hat, ein Minister „mit grauen Haaren“ habe an einem Abendessen teilgenommen. Während die Regierung kategorisch abstreitet, dass Minister bei solchen Veranstaltungen anwesend waren, hat die Staatsanwaltschaft in Paris eine Untersuchung eröffnet.

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Videoaufnahmen aus illegalen Restaurants

„Sobald sie unsere Türschwelle überschreiten, gibt es kein Covid mehr“, sagte der Kellner mit gepixeltem Gesicht in dem Video des Senders M 6, während er Journalisten mit versteckter Kamera in ein Apartment ließ, und fügte hinzu, dass weder das Personal noch die Gäste Masken trügen – schließlich solle man sich wie zu Hause fühlen. Die Reportage zeigte mehrere Orte, an denen Besucher aus verschiedenen Menüs auswählen konnten – zu Preisen von bis zu 490 Euro.

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Einer dieser Orte soll der Palais Vivienne im zweiten Arrondissement im Zentrum von Paris gewesen sein, der dem Geschäftsmann Chalençon gehört. In dem Video liefen mehrere Personen durch die herrschaftlichen Räume des Palasts aus dem 19. Jahrhundert, manche gaben sich die „Bises“ – Küsschen links, Küsschen rechts – zur Begrüßung. Dann hörte man die Stimme des Organisators, der später schnell als Chalençon identifiziert werden wird: „Ich habe diese Woche zwei- oder dreimal mit Ministern in sogenannten illegalen Restaurants zu Abend gegessen, das bringt mich zum Lachen. Wir leben in einer Demokratie – da kann man machen, was man will.“

Diese Definition der Demokratie scheinen jedoch nicht alle zu teilen. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen eine Untersuchung wegen Gefährdung des Lebens anderer und Schwarzarbeit eingeleitet. Teilnehmer der Abendessen könnten mehrere Strafen in Höhe von 135 Euro für Nicht-Tragen von Masken und Nicht-Einhaltung der noch immer ab 19 Uhr geltenden Ausgangssperre zahlen müssen. Den Organisatoren droht ein Jahr Gefängnis und ein Bußgeld von 15.000 Euro.

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„Der größte Aprilscherz der vergangenen 15 Jahre“

Chalençon hat sich inzwischen verteidigt, das Ganze sei „der größte Aprilscherz der vergangenen zehn bis 15 Jahre“ – ein vermeintliches Dinner am 1. April sei ein Testlauf für spätere Events zum Thema Napoléon des Ersten gewesen. Marlène Schiappa, Staatssekretärin für bürgerliches Engagement, behauptete in einem Interview, Regierungssprecher Gabriel Attal sei zwar zu einem solchen Dinner eingeladen worden, habe diese Einladung jedoch „charakterfest“ abgelehnt. Gleichzeitig gab selbiger Attal an, er glaube „nicht eine Sekunde“ daran, dass ein Minister an solchen Dinnern teilgenommen habe. Außerdem, so Mitarbeiter des Sprechers, kenne Attal Chalençon gar nicht.

Dass angesichts solcher eher widersprüchlichen Aussagen sich der Aufruhr zunächst einmal nicht legen wird, scheint wahrscheinlich. „Bananenrepublik“, kommentierte ein Twitter-Benutzer und fügte hinzu: „Der Präsident der Reichen schützt immer die Seinigen.“ Ein anderer nimmt es wenigstens mit Humor und veröffentlichte einen Cartoon: „Glaubst du an diese illegalen Dinner der Minister für über 400 Euro?“, fragt darauf eine Person. „Bist du verrückt?“, antwortet ein anderer. „Oder hast du schon mal einen Minister für sein Essen zahlen sehen.“

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