„Audianer_innen“: Audi-Mitarbeiter sollen jetzt gendern

  • Der Automobilkonzern Audi gendert seit März in der internen und externen Kommunikation, und auch Mitarbeiter sollen künftig gendersensibel kommunizieren.
  • Das Diversitätsmanagement gibt ihnen dafür eine Broschüre an die Hand, die den Titel „Vorsprung beginnt im Kopf“ trägt.
  • In sozialen Medien sorgen die neuen Richtlinien für Diskussionen.
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Der Autobauer Audi setzt ab sofort auf geschlechtergerechte Sprache. So sollen Mitarbeiter künftig gendersensibel kommunizieren, wie die „Augsburger Allgemeine“ berichtete. Der Ingolstädter Konzern entschied sich dabei für den sogenannten Gendergap mit einem Unterstrich und empfiehlt nun zum Beispiel die Schreibweise „Audianer_innen“.

„Frage des Respekts“

„Der Gendergap schafft Raum für alle nicht binären Geschlechtsidentitäten“, erklärte Antonia Wadé aus der Audi-Projektgruppe „Gendersensible Sprache“ der Zeitung. Außerdem sei er noch nicht besetzt wie das Gendersternchen, das vor allem bei IT-Anwendungen zu Problemen führen könne. Personalchefin Sabine Maaßen vom Audi-Vorstand sagte, gendersensibel zu kommunizieren sei eine „Frage des Respekts und Ausdruck einer Haltung gegen Diskriminierung und für Vielfalt“.

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In einer 13-seitigen Broschüre mit dem Titel „Vorsprung beginnt im Kopf“ zeigt der Autobauer seinen Mitarbeitern dazu mehrere Möglichkeiten auf: So können sowohl Begriffe verwendet werden, die das Geschlecht unsichtbar machen, wie neutrale Bezeichnungen, Partizipformen oder Passivkonstruktionen, als auch eine Variante, die alle Geschlechter bewusst sichtbar macht.

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Hashtag „Gendergaga“ trendet

Die Nachricht rief in sozialen Medien zahlreiche Reaktionen hervor: Unter dem Hashtag „Gendergaga“ diskutierten Befürworter und Kritiker über die neuen Richtlinien bei Audi. Eine Nutzerin kommentierte: „Was sich Gendergagaist*Inninnen so einreden. Ich kenne keine Frau, die findet, dass ihr diese Sprachverhunzung etwas bringt.“

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Doch andere kritisierten die Wortwahl der Gegner von gendergerechter Sprache: „Ich habe nichts gegen Leute, die nicht gendern. Jede:r wie er:sie will. Aber das ständige Dagegen-schießen und Benutzen von Kampfbegriffen wie Gendergaga oder Sprachdiktatur nervt wirklich nur noch.“

Besonders die Lesbarkeit des Gendergaps ist auf Twitter ein Thema. So schrieb eine Nutzerin zum Beispiel: „Als Frau finde ich Inklusion gut – für alle genders. Doch als Hobbyautorin finde ich die momentanen Vorschläge sehr sperrig.“

Online-Duden überarbeitet generisches Maskulinum

Zuletzt sorgte auch der Online-Duden für Schlagzeilen und für Kritik: Seit Ende letzten Jahres überarbeitet die Redaktion Begriffe wie „Arzt, der“ und „Bäcker, der“. Es gibt nun auch eine „Ärztin, die“ oder eine „Bäckerin, die“, welche zuvor nur als Anhängsel neben der männlichen Form behandelt wurden. Auf die Verwendung der männlichen Form als generisches Maskulinum – etwa „Ich gehe zum Bäcker“ – verweist der Duden nunmehr in den Beispielen.

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Die Duden-Chefredakteurin Kathrin Razum-Kunkel erklärte in einem Interview mit „Die Zeit“: „Wir bilden nur eine veränderte sprachliche Realität ab. Wir konstatieren dabei, dass es eine deutliche Entwicklung dahin gibt, die geschlechterübergreifende Form zu ersetzen.“

RND/epd/dpa/am

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