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„Audianer_innen”: VW-Mitarbeiter klagt gegen Gender-Sprachregelung bei Audi

Logo des Automobilherstellers Audi.

Ingolstadt.„Audianer“ oder „Audianer_innen“? Diese Frage trägt ein Volkswagen-Mitarbeiter vor Gericht. Er möchte nicht, dass er in einigen gemeinsamen Gremien des Konzerns künftig mit geschlechtergerechter Sprache angesprochen wird. Audi hatte im März eine Richtlinie mit der neuen Vorgabe erlassen. Der Kläger verlangt nun, dass der Autobauer es unterlässt, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Nutzung der Gender-Regeln vorzuschreiben.

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Der Kläger beschwert sich in der Unterlassungsklage: Als Volkswagen-Mitarbeiter müsse er mit den Kolleginnen und Kollegen von Audi zusammenarbeiten und werde dort mit der Richtlinie konfrontiert, erklärt Rechtsanwalt Burkhard Benecken. So werde sein Mandant in gemeinsamen Gremien mit den gegenderten Begriffen angesprochen. Der Kläger verlange daher, dass es Audi unterlässt, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Nutzung der Gender-Regeln vorzuschreiben. Benecken findet, dass ein Arbeitgeber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern solche Vorgaben nicht machen könne. „Man darf die Sprache nicht konkret vorgeben.“

Die beim Autobauer eingeführte Unterstrich-Schreibweise wird auch von der „Charta der Vielfalt“ verwendet, eine Initiative mit dem Ziel, „die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Arbeitswelt in Deutschland voranzubringen“. Mitgliedsunternehmen sind unter anderem die Deutsche Post, Siemens, BASF, Adidas - und auch Audi. „Wir empfehlen eine gendergerechte Sprache zu nutzen, aber wie das umgesetzt wird, ist jedem selber überlassen“, sagt der Sprecher der Initiative, Stephan Dirschl. Eine offizielle Empfehlung, ob Unternehmen in ihrer Kommunikation Unterstrich oder Sternchen verwenden, gibt die Charta nicht heraus.

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„Gendersensible Sprache ist Ausdruck von Vielfalt und Chancengleichheit”

Audi selbst will sich zu der Klage nicht äußern. Sprecher Joachim Cordshagen verteidigt allerdings den Sprachleitfaden: „Gendersensible Sprache ist Ausdruck einer sichtbaren, positiven Haltung zu Vielfalt und Chancengleichheit.“ Auch der Wolfsburger Autobauer Volkswagen sieht das so und prüft deshalb, wie sich diversitysensible Sprache nachhaltig umsetzen lasse, wie die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung” berichtet. Man wolle entsprechende Regelungen und Standards erarbeiten, sagte ein Sprecher im Frühjahr. Daran wolle man allerdings die Belegschaft beteiligen, die Regelungen müssten eine hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitenden haben.

Finanziell unterstützt wird der Kläger von dem unter Experten umstrittenen Verein Deutsche Sprache in Dortmund, der vom „Gender-Unfug“ nichts hält. Der Vereinsvorsitzende Walter Krämer schreckt bei dem Kampf auch vor historischen Vergleichen nicht zurück: „Das Aufzwingen einer Sprache, die keine rechtliche Grundlage hat, erinnert doch stark an Unrechtssysteme wie das der DDR oder an Dystopien wie "1984" von Orwell.“

Wie lang es bis zu einem Urteil im Audi-Fall dauert, ist unklar. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht, und gerade Zivilprozesse können sich in die Länge ziehen. Nach Angaben des Gerichts wird zunächst ein schriftliches Vorverfahren geführt.

Immer wieder Diskussionen ums Gendern

Immer mehr Hochschulen, Behörden und auch Unternehmen verwenden geschlechtergerechte Sprache. Kürzlich kündigte etwa die Lufthansa an, im Flugzeug auf die Begrüßung „Sehr geehrte Damen und Herren“ verzichten zu wollen. Die Crews sollten die Gäste eher mit geschlechtsneutralen Formulierungen willkommen heißen. Die Deutsche Bahn zog nach. Es sollten alle angesprochen werden, weswegen gendergerechte Formulierungen wie „Liebe Gäste“ bevorzugt würden, sagte eine Sprecherin zur „Bild“-Zeitung. Änderungen wie diese stoßen nicht nur auf Begeisterung, sondern sorgen für viele Seitenhiebe in sozialen Netzwerken.

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Diskutiert wird dabei auch über die Einführung von sogenannten Gender-Schreibweisen, also Schreibweisen, die Männer und Frauen als auch Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, ansprechen. So gibt es das Gender-Sternchen („Student*innen“) oder den Unterstrich („Bürger_innen“).

Selbst der Supermarkt um die Ecke kann eine Gender-Diskussion auslösen. Dies erlebte kürzlich ein Edeka-Markt in Friedberg bei Augsburg, als er auf seiner Facebook-Seite bekannt gab, das Produkt „Student*innen Futter“ ins Sortiment genommen zu haben. Zahlreiche Kommentare zeigten, wie sehr das Thema polarisiert. „Der erste Schritt in die richtige Richtung“, schrieb ein Nutzer; „Sowas geht mir tierisch auf die Nüsse...“ ein anderer. Der Markt blieb bei der Kontroverse gelassen.

RND/dpa

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