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14-Jährige in Aschersleben von Gleichaltrigem getötet: mehrere ähnliche Fälle in Deutschland

Ein Absperrband der Polizei sperrt einen Teil des Garagenkomplexes ab, wo die Leiche einer 14-Jährigen gefunden wurde.

Ein Absperrband der Polizei sperrt einen Teil des Garagenkomplexes ab, wo die Leiche einer 14-Jährigen gefunden wurde.

Jugendliche weinen und umarmen sich, Männer und Frauen neigen ihre Köpfe: Auf dem Holzmarkt in Aschersleben im Salzlandkreis haben am Donnerstag Hunderte ihre Trauer über den Tod der zuvor vermissten 14-jährigen Josefine zum Ausdruck gebracht. Sie zündeten Kerzen an, legten Blumen und Stofftiere nieder.

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Polizei und Staatsanwaltschaft verkündeten wenige Stunden später einen Ermittlungserfolg. Gegen einen 14-Jährigen habe das Amtsgericht Magdeburg Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Totschlags erlassen, teilten die Ermittler mit. Der Teenager kam in eine Jugendanstalt. Er stammt aus dem „persönlichen Umfeld“ des Opfers, teilte die Polizei am Freitag mit. Dass es sich um den Ex-Freund des Mädchens handelt, wie unter anderem die „Bild“-Zeitung berichtet, wollte die Polizei nicht bestätigen.

Weitere Informationen zu den Ermittlungen und den Verfahren werde es laut Frank Baumgarten, Sprecher der Staatsanwaltschaft Magdeburg, nicht geben. „Ich verstehe das öffentliche Interesse an Informationen, jedoch darf aus ju­gend­schutz­recht­lich­en Gründen nichts weiter bekannt gemacht werden“, sagte er am Freitag auf Nachfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

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14-Jähriger ersticht 13-Jährigen in Sinsheim

Der Fall in Aschersleben ist nicht der erste in diesem Jahr, bei dem ein Teenager einen anderen getötet hat. Im Februar tötet ein 14-Jähriger einen 13-Jährigen mit mehreren Messerstichen in Sinsheim. Das Motiv sei laut Staatsanwaltschaft Eifersucht wegen eines Mädchens gewesen. Der Prozess gegen den Jugendlichen läuft seit dem 20. Oktober, das Urteil soll Anfang Dezember verkündet werden. Wegen des Alters des Angeklagten läuft die Verhandlung hinter verschlossenen Türen. Für die Tat droht ihm eine Jugendstrafe von bis zu zehn Jahren.

Der Tatort in einem Waldstück bei Sinsheim, wo ein 13-Jähriger mit einem Messer getötet wurde.

Der Tatort in einem Waldstück bei Sinsheim, wo ein 13-Jähriger mit einem Messer getötet wurde.

Der Junge war der Polizei vor der Tat bereits bekannt. Bereits Ende 2020 hatte er einen Mitschüler mit einem Messer schwer verletzt. Hintergrund soll damals ein monatelanger Streit der damaligen Siebtklässler gewesen sein. Zu diesem Zeitpunkt war der Angreifer noch nicht strafmündig. Es wurde wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt.

16-Jährige in Ostsachsen von Mitschüler getötet

In Großröhrsdorf (Landkreis Bautzen) erschüttert im September der Mord an einer 16-Jährigen die Menschen. Eine Woche nach der Tat wird ein Tatverdächtiger festgenommen – er ist zu dem Zeitpunkt erst 15 Jahre alt.

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Das Mädchen wird am 15. September nach einem Hinweis schwer verletzt in einem Garagenkomplex der Kleinstadt östlich von Dresden gefunden. Sanitäter und Notärzte reanimieren sie, aber sie stirbt im Krankenhaus – dem Obduktionsergebnis zufolge an Stichverletzungen.

Blumen und Kerzen liegen vor der Garage an der die 16-Jährige ermordet wurde.

Blumen und Kerzen liegen vor der Garage an der die 16-Jährige ermordet wurde.

Motiv und Hintergründe der brutalen Tat sind noch ungeklärt. Auch nach Unterbringung des Verdächtigen in der Psychiatrie wird weiter wegen Verdachts des Totschlags ermittelt. Der Teenager habe sich bisher nicht geäußert. Der 15-Jährige und das Mädchen, das in einem nahegelegenen Dorf lebte, kannten sich aus der Oberschule, wo er in die Parallelklasse ging. Sie sollen sich auch näher gekannt haben.

Aufgrund des dringenden Tatverdachts hat die Justizbehörde Haftantrag gestellt, ein Richter des Amtsgerichts Bautzen aber die Unterbringung in der geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses angeordnet. Die Hürden für eine Untersuchungshaft seien bei Beschuldigten diesen Alters „sehr hoch“, erklärt die Staatsanwaltschaft.

19-Jähriger von Gleichaltrigem durch Messer getötet

Bereits im Januar wird ein 19 Jahre alter Jugendlicher in Karlsruhe mit einem Messer tödlich verletzt. Wenige Stunden später nach der Tat nimmt die Polizei einen 19 Jahre alten Tatverdächtigen fest, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilen. Bei dem Verdächtigen finden die Beamten auch die mutmaßliche Tatwaffe.

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Nach ersten Ermittlungen haben sich in der Nacht zum 8. Januar mehrere junge Menschen in der Wohnung des 19-jährigen Opfers getroffen und dort Alkohol getrunken. Zeugenaussagen zufolge war der Beschuldigte ebenfalls in der Wohnung des Gleichaltrigen, wurde von diesem aber gebeten, die Feier zu verlassen. Es sei zum Streit gekommen und der Beschuldigte soll ein Messer gezogen und mehrfach auf den Oberkörper und die Arme seines Gegenübers eingestochen haben. Daraufhin soll der mutmaßliche Angreifer geflüchtet sein, der Verletzte starb noch vor Ort.

16-Jähriger in Flensburg bei Auseinandersetzung getötet

Bei einem Streit unter jungen Männern auf einer Aussichtsplattform in Flensburg wird im April ein 16 Jahre alter Jugendlicher getötet. Nach Angaben der Polizei ist es am Karfreitag dieses Jahres (2. April) zu der Auseinandersetzung gekommen, bei der der Jugendliche schwer verletzt wird. Ein 19-Jähriger soll auf ihn eingestochen haben. Der mutmaßliche Täter und weitere Beteiligte flüchten. Noch in der Nacht wird der 19-Jährige festgenommen.

Der verletzte 16-Jährige sei zunächst von Zeugen erstversorgt und von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht worden, stirbt dort aber kurze Zeit später. Die Obduktion habe bestätigt, dass der Messerstich im Kopfbereich des 16-Jährigen die Todesursache war.

14-Jährige in München im Schlaf getötet

Eine 14 Jahre alte Schülerin verschwindet am 23. Oktober mit ihrem drei Jahre älteren Freund in ihrem Zimmer. Er hat schon oft dort übernachtet. Doch am nächsten Morgen ist er verschwunden – und die Mutter der 14-Jährigen findet ihre Tochter tot in deren Bett. Um 7.40 Uhr geht der Notruf bei der Polizei ein. Die Erkenntnis der Ermittler: Mit einem einzigen Stich in die Brust wurde das Mädchen getötet.

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Ein Bestatter, Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes und Polizisten stehen vor dem Tatort im Münchner Stadtbezirk Bogenhausen. Hier ist das 14-jährige Mädchen tot aufgefunden worden.

Ein Bestatter, Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes und Polizisten stehen vor dem Tatort im Münchner Stadtbezirk Bogenhausen. Hier ist das 14-jährige Mädchen tot aufgefunden worden.

Rund 24 Stunden nach der Tat wird der 17-Jährige widerstandslos am Münchner S-Bahnhofs Pasing festgenommen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem vorsätzlichen Tötungsdelikt aus – von Mord. Das Mordmerkmal: Heimtücke. „Das Opfer war – so wie wir es jetzt wissen – zur Tatzeit arglos und wehrlos“, teilt die Staatsanwaltschaft München I mit und bestätigt, dass die 14-Jährige wohl schlief, als sie erstochen wurde.

Sollte es zum Prozess gegen den Jugendlichen kommen, wird dieser vor einem Jugendgericht verhandelt, bei einer Verurteilung wird Jugendstrafrecht angewandt. Die Höchststrafe: Zehn Jahre.

Wie sollten Eltern frühzeitig auf aggressives Verhalten reagieren?

Doch wieso kommt es immer wieder zu Gewalttaten unter Jugendlichen? Vorbilder in jeglicher Form seien hierbei ein wichtiger Faktor, wie die Psychiaterin Sibylle Winter von der Berliner Charité dem RND nach der Tat in Sinsheim erklärte. Das seien in den meisten Fällen Eltern, große Geschwister oder weitere Verwandte. „Ich denke aber auch, dass ein Aggressionspotenzial in jedem Kind angelegt ist, weswegen Eltern es in die richtigen Bahnen bringen müssen. Es ist wichtig, dass Eltern und Bezugspersonen früh in der Kindheit intervenieren“, sagte Winter dem RND im März.

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Sibylle Winter ist stellvertretende Klinikdirektorin und leitende Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes und Jugendalters an der Berliner Charité.

Sibylle Winter ist stellvertretende Klinikdirektorin und leitende Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes und Jugendalters an der Berliner Charité.

Psychiaterin: Eltern müssen schnell genug reagieren

Für Eltern ist es laut der Psychiaterin wichtig, auf Anzeichen von Gewalt zu achten und schnell genug zu reagieren. Beispielsweise mit dem Aufsuchen eines Experten oder einer Expertin für kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik. „Wenn aggressives Verhalten vorherrscht, nennt sich die Diagnose ‚Störung des Sozialverhaltens‘. Dann schaut der Psychiater oder die Psychiaterin, ob die Kriterien dafür zutreffen und ob noch andere Probleme im Spiel sind. Es werden auch Umgebungsfaktoren untersucht, zum Beispiel die Schule. Viele Bereiche werden abgeklopft: Mithilfe von Leitlinien wird dann die richtige Behandlung ausgewählt“, erklärt Winter die weiteren Schritte. Auch eine Gesprächstherapie könne frühzeitig helfen.

Am wichtigsten ist, betonte die Psychiaterin gegenüber dem RND, dass Eltern deutlich machen, dass aggressives Verhalten „nicht in Ordnung ist, gesellschaftlich nicht geduldet wird und anderen Menschen wehtut. Als Vorbildfunktion sollten sie klarmachen, dass sie selber verbale und körperliche Aggressionen nicht als Lösungsstrategie wählen.“

RND mit dpa

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