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Ärzte warnen vor Folgen der Corona-Maßnahmen: “So viele Suizidversuche wie sonst in einem Jahr”

  • In den USA werden Warnungen vor den psychischen Folgen des Corona-Lockdowns lauter.
  • In einer kalifornischen Stadt zählen Ärzte so viele Suizidversuche wie sonst in einem ganzen Jahr.
  • Sie fordern deshalb Konsequenzen.
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Fast 100.000 Menschen sind in den USA an den direkten Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben, doch die damit verbundenen Einschränkungen und Auswirkungen – rasant steigende Arbeitslosigkeit, Isolation und Zukunftsängste – könnten weitere Zehntausende Menschen das Leben kosten. Das legt eine Studie der amerikanischen Organisation “Well Being Trust” nahe, die sich mit psychischer Gesundheit beschäftigt. Demnach befürchtet die Organisation bis zu 75.000 Tote in den USA durch Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Suizide, ausgelöst durch die Corona-Maßnahmen.

In der kalifornischen Stadt Walnut Creek, nahe San Francisco, sind die psychischen Folgen des Lockdowns und der Isolation nach Angaben von Medizinern bereits unübersehbar: Ärzte des John Muir Medical Center berichteten, dass sie während der Bewegungseinschränkungen mehr Tote durch Suizid als durch das Coronavirus zählten.

Die Zahl der versuchten Selbsttötungen sei beispiellos, sagte der Leiter der Notaufnahme des Krankenhauses, Dr. Mike deBoisblanc, dem Sender KGO-TV: “Wir haben in vier Wochen so viele Suizidversuche wie sonst in einem ganzen Jahr.”

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“Soziale Isolation hat ihren Preis”

Die Krankenschwester Kacey Hansen betonte gegenüber dem Sender, man könne die Welle der Selbsttötungen nicht länger ignorieren: “Soziale Isolation hat ihren Preis”, so Hansen. “Ich habe noch nie so viele selbst zugefügte Verletzungen gesehen.” Deshalb hätten sich die Krankenhausmitarbeiter entschieden, an die Öffentlichkeit zu gehen.

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Dass mehr Menschen infolge einer Krise psychisch erkranken, legen auch Erfahrungen aus früheren Krisen zumindest nahe. So wies ein Autorenteam um Sando Galea von der Boston University im “Journal of the American Medical Association” vor Kurzem darauf hin, dass zum Beispiel nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York 10 Prozent aller Erwachsenen Symptome einer Depression entwickelten. Und sowohl nach der Spanischen Grippe in den USA als auch nach der Sars-Epidemie in Hongkong brachten sich mehr Menschen um als sonst, wie ein Beitrag britischer Psychiater in “Lancet Psychiatry” beschreibt.

Für Dr. deBoisblanc kann die Vielzahl an Fällen psychischer Erkrankungen nur eine Konsequenz nach sich ziehen: eine Lockerung der verhängten Ausgangssperre. “Ich persönlich denke, dass es an der Zeit ist.”

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Haben Sie Suizidgedanken? Dann wenden Sie sich bitte an folgende Rufnummern:

Telefonhotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste:

0800 - 111 0 111 (ev.)

0800 - 111 0 222 (rk.)

0800 - 111 0 333 (für Kinder/Jugendliche)

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Email: unter www.telefonseelsorge.de

RND/seb

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