• Startseite
  • Panorama
  • Anschlag: Kunstwerke auf Berliner Museumsinsel beschädigt - Das ist bekannt

Anschlag auf Kunstwerke der Berliner Museumsinsel: Das ist bekannt über den Fall

  • Unbekannte beschädigen am 3. Oktober auf der Berliner Museumsinsel mindestens 63 Kunstwerke.
  • Mehr als zwei Wochen lang hält die Polizei die Vorfälle geheim, nun werden Details bekannt.
  • Was wir wissen und was noch unbekannt ist.
Anzeige
Anzeige

Steinskulpturen, ägyptische Sarkophage und jahrhundertealte Gemälde: Unbekannte haben circa 63 Kunstwerke auf der Berliner Museumsinsel beschädigt. Wie „ZEIT“ und „Deutschlandfunk“ berichteten, sei es einer „der umfangreichsten Angriffe auf Kunstwerke und Antiken in der Geschichte Nachkriegsdeutschlands“ gewesen. Das ist bisher bekannt:

Wie wurden die Artefakte beschädigt?

Unbekannte sollen die Kunstwerke mit einer öligen Flüssigkeit beschmiert haben. Dies habe sichtbare Flecken auf den Artefakten hinterlassen. Die Direktorin des Ägyptischen Museums, Friederike Seyfried, erklärte am Mittwoch, dass es sich um eine ölige Flüssigkeit handele, die allerdings nicht ätzend sei. Mehr wolle man dazu nicht sagen, weil dies Täterwissen sei. Wie der Sicherheitsleiter der Staatlichen Museen, Hans-Jürgen Harras, auf einer Pressekonferenz am Mittwoch berichtete, seien die Verschmutzungen von einer Aufsicht entdeckt worden. Ob alle Objekte repariert werden können, ist unklar. Wie Harras sagte, konnten allerdings „erste Erfolge bei der Restaurierung“ erzielt werden.

Anzeige

Wie viele Kunstwerke wurden beschädigt?

Generaldirektorin Christina Haak sprach am Mittwoch von 63 Objekten. Laut „ZEIT“ und DLF hätten die sich im Pergamonmuseum, dem Neuen Museum, der Alten Nationalgalerie und an anderen Standorten befunden. Darunter seien ägyptische Sarkophage, Steinskulpturen und Gemälde aus dem 19. Jahrhundert. Wie hoch der Schaden ist, ist noch nicht bekannt. In einer Pressemitteilung der Polizei heißt es: „Die Unbekannten […] verursachten damit einen noch nicht abschließend zu beziffernden Schaden.“ Die Täter seien laut der Direktorin des Ägyptischen Museums, Friedericke Seyfried, „relativ ziellos durch das Haus gegangen“.

Wer steckt hinter dem Anschlag?

Anzeige

Bisher ist unklar, wer für die Beschmutzungen verantwortlich ist. Am 3. Oktober waren mehr als 3000 Besucher auf der Museumsinsel, hieß es auf der Pressekonferenz. Einige davon kauften ihre Tickets an der Kasse, dort werden trotz der Corona-Pandemie keine Daten abgefragt. Das geschehe laut Sicherheitsleiter Harras nur bei Onlinetickets. Wie der Polizeisprecher am Mittwoch auf der Pressekonferenz erzählte, würden die Ermittler von einem Einzeltäter ausgehen. So schließe man mehrere Täter aber nicht grundsätzlich aus. An den Spekulationen, dass der Verschwörungsideologe Attila Hildmann etwas mit den Vorfällen zu tun haben könnte, beteiligten sich die Sprecherinnen und Sprecher des Museums und der Polizei nicht.

Allerdings ist das Pergamonmuseum schon seit längerer Zeit Gegenstand von kruden Verschwörungstheorien: Zum Beispiel hatte Hildmann in den vergangenen Monaten mehrfach Falschbehauptungen über den Pergamonaltar und sogar Aufrufe zu dessen Zerstörung verbreitet. Der Altar sei der „Thron Satans“ und das Pergamonmuseum das „Zentrum der globalen Satanistenszene und Corona-Verbrecher“ schrieb Hildmann in einer Nachricht in seinem Telegram-Kanal, die auch von dem Sänger und Verschwörungsideologen Xavier Naidoo weiterverbreitet wurde. Auch in weiteren Chatgruppen der rechtsextremen und verschwörungsideologischen Szene wurden in den vergangenen Monaten solche Botschaften verbreitet. „Es wird in alle Richtungen ermittelt“, sagte ein Sprecher am Mittwoch zu Berichten, dass ein Verschwörungstheoretiker eine Rolle spielen könnte. Die Spekulationen seien der Polizei bekannt.

Anzeige

Wieso konnten die Kunstwerke nicht geschützt werden?

Wie Generaldirektorin Haak am Mittwoch erklärte, gebe es ein Sicherheitskonzept, das immer wieder an aktuelle Bedingungen angepasst werde. Der Polizeisprecher berichtete von Überwachungskameras im Museum, die aber keine Beschmierungen aufnahm. Sicherheitsleiter Harras erzählte von vorhergehenden Vandalismusvorfällen seit Lockerungen der Corona-Maßnahmen, von Zusammenhängen ist nichts bekannt. Laut Harras seien die Sicherheitsmaßnahmen der Museen mittlerweile verschärft worden.

Die Sicherheitsvorkehrungen auf der Museumsinsel stehen schon seit vielen Jahren im Fokus. Vor dreieinhalb Jahren war die Museumsinsel ebenfalls Schauplatz eines Verbrechens: Die Münze „Big Maple Leaf“ im Wert von 3,75 Millionen Euro wurde in der Nacht zum 27. März 2017 aus einer Vitrine gestohlen und mit Schubkarre und Rollbrett abtransportiert. Die Diebe waren durch ein Fenster eingestiegen. Die Beute ist bis heute verschwunden und wurde vermutlich zerstückelt und verkauft.

Anzeige

Warum wurde die Öffentlichkeit erst so spät informiert?

Wie die Polizei Berlin ebenfalls in einer Pressemitteilung erklärte, ereigneten sich die Vorfälle am 3. Oktober zwischen 10 Uhr und 18 Uhr. Allerdings erfuhr die Öffentlichkeit davon erst am 20. Oktober durch die Berichte der „ZEIT“ und DLF. So hieß es auf der Pressekonferenz unter anderem, man habe zunächst die privaten Leihgeber der Kunstwerke informieren wollen. Außerdem wurde aus „ermittlungstechnischen Gründen“ keine Information herausgegeben. Wie Generaldirektorin Haak erklärte, habe man lediglich Kolleginnen und Kollegen anderen Museen „sensibilisiert“. Nun ermittelt das zuständige Fachkommissariat für Kunstdelikte im Landeskriminalamt Berlin.

RND/am/dpa


  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen