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Angriffe auf Busfahrer: „Verbale und physische Gewalt sind Dauerthemen“

  • Unbezahlte Tickets, fehlende Corona-Schutzmasken oder Streit unter Fahrgästen.
  • Busfahrerinnen und -fahrer müssen mit jeder Ausnahmesituation umgehen können.
  • Doch immer häufiger eskalieren Konflikte – besonders in den Großstädten.
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Hannover. Seien es Dispute mit Maskenverweigerern oder gar physische Angriffe – Busfahrerinnen und Busfahrer des öffentlichen Nahverkehrs sind immer wieder Konflikten ausgesetzt. Statistiken gibt es dazu kaum: Dennoch geraten brutale Vorfälle häufig in die Schlagzeilen, wie etwa der tödliche Angriff auf einen Busfahrer in Oberfranken.

Busfahrerinnen und Busfahrer werden für Konflikte geschult

Der tägliche Umgang mit Fahrgästen nimmt einen wesentlichen Teil im Alltag von Busfahrern und -fahrerinnen ein. Dieser werde daher auch entsprechend trainiert, erklärte Christian Wahl vom Omnibusverband dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). „Das gehört zum Berufsbild dazu.“

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In den letzten zehn Jahren habe man zusätzlich ein Deeskalationstraining für Fahrerinnen und Fahrer eingeführt, sagte Mira Ball, Sprecherin von Verdi, dem RND. Und das nicht ohne Grund: „Verbale und physische Gewalt sind vor allem im öffentlichen Nahverkehr Dauerthemen.“

Dabei handele es sich hauptsächlich um ein „Großstadtphänomen“. „Vor allem, wenn die Busse überfüllt und die Fahrgäste gestresst sind, kommt es schnell zu Auseinandersetzungen“, sagte Ball. Zwar gäbe es keine Statistiken dafür, dass die Zahl von Konfliktsituationen in den letzten Jahren gestiegen ist, dafür komme es jedoch mittlerweile schneller zu Eskalationen als noch vor ein paar Jahren. Dass Busfahrerinnen und Busfahrer in Konfliktsituationen eingreifen, gehört dabei eigentlich nicht zu ihren Aufgaben. „Aber in der Praxis wird das von den Unternehmen teilweise erwartet“, so Ball.

Corona-Pandemie hat verbale Auseinandersetzungen verstärkt

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Die Corona-Krise hat den Berufsalltag für Fahrerinnen und Fahrer zusätzlich verändert. „Gerade zu Anfang der Pandemie, als es um die Durchsetzung der Maskenpflicht ging, haben wir unheimlich viele Vorfälle von verbalen Auseinandersetzungen gehabt, einfach, weil es ein viel höheres Konfliktpotenzial gab“, sagte Mira Ball. „Außerdem wurden Fahrer und Fahrerinnen häufig bespuckt.“ Durch Trennwände und Glasscheiben, die vor allen Fahrerkabinen zum Schutz vor Corona-Infektionen angebracht wurden, habe man Eskalationen jedoch verringern können.

Die Pandemie hat aber auch für Entspannung gesorgt. „Der Verkehr ist durch Corona insgesamt deutlich ruhiger geworden, weil weniger Menschen unterwegs waren“, erklärte Lars Wagner, Sprecher des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dem RND. Vor allem nachts, wo die Gefahr von Konflikten durch zum Beispiel feiernde Fahrgäste tendenziell größer ist, sei die Personenzahl deutlich ausgedünnt gewesen. „Zusätzlich wurden viele Fahrer und Fahrerinnen in Kurzarbeit geschickt oder der Nachtverkehr generell sehr eingeschränkt“, ergänzte Christian Wahl vom Omnibusverband.

Busfahrer und Busfahrerinnen fordern mehr Schutz

Scheiben zum Schutz der Fahrer und Fahrerinnen habe es auf bestimmten Strecken auch schon vor Corona gegeben, sagte Mira Ball. Außerdem werde manchmal Sicherheitspersonal eingesetzt, um Konfliktsituationen zu umgehen. Eine dauerhafte Lösung, um verbale und gewalttätige Konflikte zu minimieren, gebe es jedoch nicht. „Busfahrer und Busfahrerinnen fordern deshalb mehr Schutz und Anerkennung. Weil sie eben auch in einer Situation sind, der sie sich nicht entziehen können“, so die Sprecherin.

Derzeit befinde man sich durch Corona immer noch in einer Ausnahmesituation, betonte Ball. „Wir können gespannt sein, ob sich die Situation in Zukunft als eine sehr viel weniger gefährliche festigt.“

RND/al

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