Als Schulkinder einen riesigen Urpinguin fanden

  • 2006 stießen neuseeländische Kinder auf die Fossilien eines fast menschengroßen Vogels.
  • Nun haben Forscher mehr über das Tier herausgefunden.
  • Bei dem 30 Millionen alten Ungetüm handelt es sich um eine bisher unbekannte Art Riesenpinguin.
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15 Jahre ist es her, dass der Neuseeländer Mike Safey mit einer Gruppe Kinder auf Fossilienjagd im Kawhia Harbour an der Westküste der neuseeländischen Nordinsel ging. Sie seien gerade noch am Paddeln gewesen, als mehrere Kinder „dieses Ding“ an der Küste entdeckten, wie Safey im Interview mit dem australischen Sender ABC berichtete. „Es war gerade unterhalb der Flutmarke in den Lehmstein eingelassen.“ Kawhia Harbour, wo das Fossil gefunden wurde, ist heute ein Hafen, der von den Gezeiten geprägt wird und für seine grauen Lehmsteinfelsen bekannt ist. Vor 30 Millionen Jahren jedoch lag die gesamte Region hier unter Wasser.

Schon damals vermutete die Gruppe, die Teil eines Jugendclubs für Naturforscher war, dass es sich bei dem Fund um etwas ganz Besonderes handelte. Und der Verdacht sollte sich nun 15 Jahre später bestätigen. Denn das sehr gut erhaltene Fossil stammt von einer bisher unbekannten prähistorischen Pinguinart.

Fast so groß wie ein Mensch

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Insgesamt haben Pinguine einen Fossilienbestand, der fast bis in die Zeit der Dinosaurier zurückreicht. In früheren Jahren wurden bereits einige der ältesten Pinguinarten in Neuseeland entdeckt. Die neue Art ist dabei jedoch ein ganz besonderer Fund, wie Forscher der Massey Universität in Neuseeland in einer Studie bestätigen konnten, die nun im „Journal of Vertebrate Paleontology“ veröffentlicht wurde. Der Riesenpinguin war etwa 1,40 Meter groß und lebte vor rund 30 Millionen Jahren. Im Vergleich: Die größte, heute lebende Pinguinart, der Kaiserpinguin, wird bis zu 1,20 Meter groß und bis zu 45 Kilogramm schwer.

Bei ihren Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass Kairuku waewaeroa, wie die Wissenschaftler den Urpinguin nannten, ein enger Verwandter anderer ausgestorbener Riesenpinguine ist, die in Neuseeland entdeckt wurden. „Die Riesenpinguine wie Kairuku waewaeroa waren viel größer als jeder tauchende Seevogel, und wir wissen, dass die Körpergröße ein wichtiger Faktor sein kann, wenn man über Ökologie spricht“, schrieb der Ornithologe Daniel Thomas, ein Mitautor der Studie von der Massey University, in einer E-Mail.

Deutlich längere Beine

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Bei ihren Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass Kairuku waewaeroa deutlich längere Beine hatte als seine Verwandten, die in etwa zur selben Zeit im südlicheren Teil von Zealandia lebten. Zealandia ist eine große Landmasse, zu der die zwei Hauptinseln Neuseelands gehören, deren größter Teil (94 Prozent) jedoch unter Wasser liegt. Die unterschiedliche Form und Größe des Pinguins ist laut der Forscher Beweis dafür, dass Riesenpinguine möglicherweise eine größere Bandbreite von Meereslebensräumen erforschten als zuvor angenommen. Dies würde lebenden Pinguinarten ähneln, die heutzutage ebenfalls in verschiedenen Tiefen jagen und sich von verschiedenen Nahrungsmitteln ernähren, heißt es in der Studie.

Die längeren Beine verliehen dem Pinguin letztendlich auch seinen Namen, denn waewaeroa heißt in der Sprache der Maori, der neuseeländischen Ureinwohner, so viel wie lange Beine. Dadurch ragte der Pinguin beim aufrechten Gehen an Land auch stattliche 1,40 Meter hoch. Dies wiederum konnte „beeinflusst haben, wie schnell er schwimmen oder wie tief er tauchen konnte“, sagte Thomas.

Ein „surreales“ Erlebnis

Eines der Kinder, das sowohl bei der Entdeckung als auch bei der Mission dabei war, als das Fossil aus dem Sandstein ausgeschnitten wurde, ist Steffan Safey. Safey ist inzwischen erwachsen, kann sich aber noch gut an das Erlebte erinnern. „Es ist irgendwie surreal zu wissen, dass eine Entdeckung, die wir als Kinder vor so vielen Jahren gemacht haben, heute zur akademischen Welt beiträgt“, sagte er. „Und es ist sogar eine neue Art!“ Die Existenz von Riesenpinguinen in Neuseeland sei kaum bekannt, und es sei „großartig“, dass die Wissenschaftler die Tiere weiter erforschen würden.

Laut dem Ornithologen Thomas zeigt die Entdeckung des Pinguinfossils zudem, welch unglaubliche Vielfalt in der Vogelwelt Zealandias herrschte und wie wichtig die Region bis heute für die Vogelvielfalt ist. „Wir sollten als Kaitiaki, also als Wächter, für diese Nachkommen fungieren“, so der Forscher. Nur so könne sichergestellt werden, dass viele Tierarten auch in Zukunft noch existieren.

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