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Nach Tod am Filmset: Welche Regeln gelten für Requisitenwaffen beim Dreh?

  • Bei den Dreharbeiten für einen Westernfilm wurde eine Kamerafrau mit einer Requisitenwaffe erschossen.
  • Doch für gewöhnlich unterliegen jegliche Filmwaffen strenger Kontrolle von amtlich zugelassenen Waffenmeistern.
  • Scharfe Munition ist zwar streng verboten, doch auch Platzpatronen können eine gefährliche Wirkung haben.
Viktoria Koenigs
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Der Schauspieler Alec Baldwin hat am Donnerstag am Set eines Western, den er in New Mexico drehte, eine Requisitenwaffe abgefeuert. Dabei starb eine Kamerafrau und der Regisseur des Films wurde verletzt. Wie es zu dem Vorfall kommen konnte, ist bisher unklar. Zumal die Regeln für die Verwendung von Waffen und Requisiten an Filmsets in Deutschland wie in den USA sehr streng sind.

Die „Los Angeles Times“ berichtet, dass in den USA normalerweise ein Requisiteur oder ein amtlich ausgezeichneter Waffenmeister für den Umgang mit Waffen sowie das Laden mit Platzpatronen am Set verantwortlich ist. „Diese Person kontrolliert die Verwendung der Waffe und erklärt dem Regieassistenten oder den Schauspielern ihre Handhabung. Bei Produktionen ist häufig auch die Verwendung von Schutzschilden während der Dreharbeiten vorgeschrieben, allerdings nicht während der Proben. Scharfe Munition ist am Set nicht erlaubt.“

Büchsenmacher für Waffen beim Dreh verantwortlich

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In Deutschland gelten sehr ähnliche Regeln. Zunächst lässt sich sagen, dass echte Waffen am Set für gewöhnlich nicht zum Einsatz kommen. In den meisten Fällen werden Schreckschusswaffen benutzt, erklärt Oliver Jürgen Rasch, Büchsenmacher und Waffenmeister im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Diese sind in ihrer Bauart darauf konzipiert, dass sie nur mit Platzpatronen geladen werden können. Manchmal kämen auch Waffen auf Spritzgussbasis zum Einsatz, die lediglich äußerlich wie eine Waffe aussehen, allerdings keine Funktion haben. „Es gibt manche Fälle, in denen eine echte Waffe gezeigt wird oder mit einer Platzpatrone geladen wird“, sagt Rasch. Streng verboten sei allerdings ein „scharfer Schuss“ und somit scharfe Munition.

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US-Schauspieler Alec Baldwin erschießt Kamerafrau bei Dreharbeiten
0:55 min
US-Schauspieler Alec Baldwin hat nach Angaben der Polizei bei einem Filmdreh eine Kamerafrau getötet sowie einen Regisseur verletzt.  © Reuters

Sicherheitsbriefing für Schauspieler

Da auch Schreckschusswaffen nicht ungefährlich sind, bedarf es vor der Verwendung am Set in Deutschland einer behördlichen Genehmigung in Form einer Waffenhandelserlaubnis. Am Filmset ist ein Waffenmeister, auch Büchsenmacher genannt, für den sicheren Umgang und die Verwendung von Filmwaffen, einschließlich des Ladens von Platzpatronen, verantwortlich. Diese Waffen dürfen nur unter Aufsicht von entsprechend geschultem Fachpersonal eingesetzt werden. „Ich muss den Schauspielern eine Einweisung in den Umgang mit Waffen geben. Es gibt sogar manche Produktionsfirmen, die einen ganzen Waffentag planen, bei dem die Schauspieler ein ausgiebiges Sicherheitsbriefing erhalten“, sagt Rasch dem RND.

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„Wenn geschossen wird, dann nur mit Platzpatronen“, so Rasch. „Sie kann genauso gefährlich werden wie eine echte“. Eine Platzpatrone sei zum einen sehr laut und erzeuge zum anderen einen heißen Feuerstrahl sowie starken Druck am Gasauslass. Um alle Umstehenden vor Hörschäden zu schützen, erhalten die Schauspieler und das gesamte Team einen Gehörschutz. Auch die Kameraleute müssten speziell geschützt werden, wenn beispielsweise Nahaufnahmen beim Abfeuern erstellt werden. „Dann muss der Kameramann vor dem Mündungsfeuer, das die Waffe verursacht, geschützt sein“, sagt Rasch und erklärte dies als Verantwortungsbereich des Waffenmeisters.

Allerdings habe auch schon Rasch miterlebt, wie sich Produktionsfirmen nicht an die Vorgaben halten und somit ihre Mitarbeiter am Set in Gefahr bringen. So berichtete er von einer Produktionsfirma, die illegal regelmäßig im großen Stil mit echten Waffen und scharfer Munition arbeite. „Dass den Menschen noch nichts passiert ist, ist ein Wunder“, sagt Rasch gegenüber dem RND. „Wenn die Sicherheitsvorschriften nicht beachtet werden, kann das zu folgeschweren Unfällen führen“.

Unfälle am Filmset

Der Unfall von Alec Baldwin stellt keinen Einzelfall in der Filmgeschichte dar. So kam im Jahr 1993 auch der Schauspieler Brandon Lee, der Sohn von Bruce Lee, während einer Szene ums Leben. In diesem Fall wurde während der Dreharbeiten ein echter Revolver mit Platzpatronen verwendet. Unbemerkt war jedoch bereits scharfe Munition in der Waffe. Diese wurde zusammen mit der Platzpatrone auf Lee geschossen.

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