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  • Ahrweiler: Behörden schließen „Familienzentrum“ wegen obskurem Hilfsangebot

Nähe zu „Querdenkern“: Behörden schließen Familienzentrum in Schule in Ahrweiler

  • Behörden haben in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) ein sogenanntes Familienzentrum geschlossen.
  • Es wurde nach der Hochwasserkatastrophe von einem Verein Initiative Eltern stehen auf gegründet, die Initiatoren sollen der „Querdenker“-Szene nahestehen.
  • Das Familienministerium spricht von „Trittbrettfahrerversuchen aus der ‚Querdenker‘-Szene, die ihre Ideologie unter dem Deckmantel von ‚Hilfsangeboten‘ verbreiten“.

Mainz. Das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung hat am Mittwochabend ein sogenanntes Familienzentrum in einer Schule in Bad Neuenahr-Ahrweiler schließen lassen. Es wurde von dem Verein Initiative Eltern stehen auf betrieben, deren Website Nähe zur „Querdenker“-Szene vermuten lasse. Eine Sprecherin des Landesamtes sagte am Donnerstag, es sei um die Frage des Kindeswohls gegangen. Zuvor hatte der SWR darüber berichtet.

Detlef Placzek, der Präsident des Landesamtes, zeigte sich besorgt über die schlechten Bedingungen, unter denen dort Kinder mit Alter ab drei Jahren betreut worden seien. Es gebe in dem Gebäude keinen Strom, kein Wasser, in den Fluren sei öliger Schlamm. „Zur Vermeidung einer im Raum stehenden Kindeswohlgefährdung ist daher das Angebot durch den Verein Initiative Eltern stehen auf e. V. ab sofort zu unterbinden“, sagte er. „Grund ist neben der Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung die Tatsache, dass Kinder ohne Erlaubnis in der Grundschule in Ahrweiler betreut werden.“

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Gegenüber dem SWR hatte sich das rheinland-pfälzische Familienministerium zuvor ebenfalls mit deutlichen Worten gegen das Familienzentrum ausgesprochen: „Trittbrettfahrerversuche aus der ‚Querdenker‘-Szene, die ihre Ideologie unter dem Deckmantel von ‚Hilfsangeboten‘ verbreiten, sind in der Krise nicht weiterführend“, heißt es in einer Stellungnahme. Man gehe davon aus, dass Kinder im Angebot eines solchen Vereins nicht gut aufgehoben seien.

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Diskussionsrunde mit bekannten Akteuren der „Querdenker“-Szene

Der Verein Eltern stehen auf wird laut SWR von Beobachtern mit der „Querdenker“-Szene in Verbindung gebracht wird. Auf seiner Homepage spricht er laut dem Sender in Zusammenhang mit Impfungen vom „Corona-Schuss“ und machte bereits in der Vergangenheit gegen Corona-Masken mobil. Nach der Entscheidung, das Familienzentrum zu schließen, habe der Verein im Internet eine Diskussionsrunde mit bekannten Akteuren der „Querdenker“-Szene organisiert.

Vom SWR auf die Zusammenarbeit mit „Querdenkern“ angesprochen, teilte Eltern stehen auf mit, es sei eine „Schamlosigkeit, eine etwaige politische Gesinnung der unbürokratisch und ad hoc Helfenden zum Thema“ zu machen. Die Politik habe versagt und gehe „buchstäblich über Leichen“. Das vom Verein geplante Hilfsangebot sei dringend nötig.

RND/dpa/seb

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