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Abschlussbericht zum Fall Wilke: Betrieb wurde zu wenig kontrolliert

  • Umweltministerin Priska Hinz hat den Abschlussbericht im Fleischskandal um die Firma Wilke vorgelegt.
  • Anfang Oktober hatten Behörden den Fleischhersteller geschlossen – zuvor waren wiederholt Listerien-Keime nachgewiesen worden.
  • Drei Todes- und 37 Krankheitsfälle werden mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht.
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Anfang Oktober wurde der Betrieb des Wurstherstellers Wilke geschlossen, nachdem mehrfach in Produkten Listerien nachgewiesen wurden. Drei Todesfälle und 37 Krankheitsfälle werden mit Waren des Unternehmens in Twistetal-Berndorf in Verbindung gebracht – die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

Bei einer Pressekonferenz kündigte Verbraucherschutzministerin Priska Hinz verschärfte Kontrollen an. Sie räumte zugleich erhebliche Versäumnisse bei dem für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Landkreis ein.

Laut dem Abschlussbericht hätte der nordhessische Wursthersteller planmäßig zwölfmal im Jahr vom Landkreis Waldeck-Frankenberg kontrolliert werden müssen. „Aufgrund eines Fehlers des Landkreises ist die Firma Wilke auf ein dreimonatiges Kontrollintervall herabgesetzt worden“, heißt es in dem Bericht.

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Mangelhafte Kontrolle

Das war laut Ministerium aber nicht der einzige Fehler: So sei bei einer Betriebsgröße wie bei Wilke eine regelmäßige Überprüfung aller Betriebsräume nötig. „Die vorgelegten Kontrollberichte aus dem Jahr 2018 sagen aus, dass Kontrollen jeweils nur in verschiedenen Bereichen des Betriebes stattgefunden haben, schwerwiegende Mängel werden in diesen Berichten nicht erwähnt.“

Hinz kündigte an, dass die unangemeldeten Überprüfungen der Betriebe, in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt, verstärkt werden. Zudem sei das Eigenkontrollsystem der Firma Wilke in den letzten Jahren nicht überprüft werden. Das soll sich laut Hinz künftig ändern.

Für die Taskforce Lebensmittelsicherheit werden an drei Standorten zusätzliche Stellen geschaffen. Im Falle der Kontrolle eines Betriebes, der als Risiko eingestuft ist, sollen die Taskforces der unterschiedlichen Städte zusammengezogen werden.

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Zentrale Keim-Datenbank

Als weiteren Punkt nannte Hinz die Einrichtung einer zentralen Datenbank für die Keime, die entdeckt und identifiziert wurden. Die bundesweite Datenbank solle dabei helfen, dass alle Bundesländer über den Fund von Keimen informiert werden, „damit wir uns gegenseitig in den Ländern unterstützen können“.

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Anfang Oktober war der Fleischhersteller Wilke geschlossen worden, nachdem wiederholt Listerien-Keime in seinen Produkten entdeckt worden waren. Sie können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Drei Todes- und 37 Krankheitsfälle werden mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

RND/mat/dpa