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Lady Diana wäre 60 geworden: Mythos um „Königin der Herzen“ ist aktueller denn je

  • Am 1. Juli wäre Prinzessin Diana 60 Jahre alt geworden.
  • In Großbritannien behalten sie viele Menschen aber lieber als die junge, bisweilen rebellische Prinzessin in Erinnerung, die sie war.
  • Nicht nur wegen ihrer Söhne Harry und William ist sie in diesen Tagen im Alltag präsenter als je zuvor.
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Die Erinnerungen sind deutlich im Café Diana im Londoner Stadtteil Notting Hill: Die Wände des von außen eher unauffälligen Lokals an den Kensington Gardens sind gepflastert mit Fotos von der einstigen Prinzessin von Wales, der Namensgeberin. Es gibt Dankschreiben für alles Mögliche aus dem nur 800 Meter entfernten Kensington Palace und jede Menge Geschichten rund um die frühere Ehefrau des britischen Thronfolgers Prinz Charles.

Mit ihren Kindern sei sie zu Lebzeiten immer mal hereingekommen, erinnert sich Gründer Abdul Basit gern gegenüber Gästen. Kaffee, Kuchen und Orangenlimonade hätten sie bestellt. Die Prinzessin selbst habe sich meist an Kaffee oder Mineralwasser gehalten. Sie habe selten gegessen.

Schon zu Lebzeiten eine Hommage an die Prinzessin: Das Café Diana in Notting Hill – die Namensgeberin soll einst zu den Stammgästen gehört haben. © Quelle: imago/ZUMA Press
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Am 1. Juli wäre Diana Spencer 60 Jahre alt geworden

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Am 1. Juli wäre Diana Spencer 60 Jahre alt geworden – wäre. Als ihr Wagen in der Nacht zum 31. August 1997 gegen den Pfeiler eines Pariser Autotunnels prallte, war die „Königin der Herzen“ gerade einmal 36 Jahre alt. Viele Briten behalten sie bis heute in Erinnerung als die junge, zurückhaltende, bisweilen dezent rebellische Dame, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement und der teilweise dramatischen Ehe das einst beschauliche Königshaus gehörig durcheinandergerüttelt hatte. Und solche Erinnerungen sind in diesen Tagen lebendiger denn je – nicht nur im Café Diana.

Preisgekrönt: Die Netflix-Serie „The Crown“, hier Emma Corrin als Prinzessin Diana und Josh O'Connor als Prinz Charles. © Quelle: Des Willie/Netflix
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Das Vermächtnis Dianas

„Die Monarchie lebt seit ihrem Tod im Jahr 1997 mit dem Vermächtnis von Diana“, sagt der Brite Ed Owens, Historiker und Autor eines Buches über die Royals. „Diana wurde in den 1990er-Jahren zu einem Symbol für die neue, dysfunktionale Qualität des königlichen Familienlebens.“

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Vielleicht liegt es am Erfolg der Netflix-Produktion „The Crown“, dass Diana seit dem vergangenen Jahr im Alltag der Briten präsenter ist als lange zuvor. Emma Corrin spielt in der preisgekrönten Serie die Rolle der jungen Prinzessin, und dies mit einem Maß an Sympathie, das bei vielen alte, längst verdrängte Erinnerungen geweckt hat. Prinz William soll einem Bericht der „Daily Mail“ zufolge gefordert haben, die Rolle seiner Mutter aus dem Drehbuch der nächsten Staffel zu streichen. Die soll von diesem Sommer an produziert werden und unter anderem Dianas berühmtes BBC-Interview sowie ihren Unfalltod behandeln.

Prinzessin Diana 1995 im Gespräch mit BBC-Reporter Martin Bashir. © Quelle: BBC/PA Media/dpa

In der BBC-Sendung „Panorama“ hatte die Prinzessin im November 1995 die anhaltende Affäre ihres Mannes Charles mit dessen heutiger Frau Camilla für das Scheitern ihrer Ehe verantwortlich gemacht. Erst kürzlich hatte ein Untersuchungsausschuss ermittelt, dass sich der Interviewer, der BBC-Journalist Martin Bashir, damals mit gefälschten Dokumenten Zugang zu Diana erschlichen haben soll. Der damalige BBC-Chef Lord Tony Hall trat im Zuge der Untersuchung von seinem aktuellen Posten als Vorsitzender der National Gallery in London zurück. Auf Williams Anweisung wird die BBC das Interview nun nicht mehr zeigen. Historiker Owen sieht diesen Schritt skeptisch: „Williams öffentliche Reaktion auf die BBC-Untersuchung zu den Methoden hinter dem Interview deutet darauf hin, dass er die Neunzigerjahre zum Schweigen bringen möchte, hauptsächlich weil es ein so katastrophales Jahrzehnt für die Monarchie war.“

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Prinzessin Diana: William und Harry enthüllen Statue ihrer Mutter
1:30 min
Prinz William und Prinz Harry haben in London eine Statue zum Andenken an ihre vor 24 Jahren gestorbene Mutter Diana enthüllt.  © Reuters

Eine Statue am Palast erinnert nun an Diana

Gemeinsam mit seinem Bruder Harry hatte William seit Jahren eine Statue in Gedenken an ihre Mutter geplant. Nun soll sie enthüllt werden, am 1. Juli im Sunken Garden direkt hinter dem Kensington Palace, dem einstigen Wohnhaus der Prinzessin. Schon jetzt ist klar: Sie wird neben dem Diana-Brunnen im Hyde Park eine der zentralen Gedenkstätten werden, nachdem bereits vor Jahren eine Ausstellung auf dem Althorp-Anwesen, auf dem Diana begraben liegt, geschlossen wurde, und das Edelkaufhaus Harrods 2018 eine andere Statue abbauen ließ.

Im Kensington Palace selbst ist seit einigen Wochen erstmals seit 25 Jahren das Brautkleid der Prinzessin ausgestellt. Kurator Matthew Storey bezeichnet es als eines der Highlights der Ausstellung „Royal Style in the Making“, in der auch zahlreiche weitere Kleidungsstücke der Windsors zu sehen sind. Und mehr noch erwartet London anlässlich des 60. Geburtstages: Dianas Apartment am Coleherne Court, in dem sie vor ihrer Heirat mit Charles zwei Jahre gewohnt hat, soll mit einer blauen Plakette gekennzeichnet werden. Die markieren in Großbritannien geschichtlich bedeutsame Gebäude.

Dianas Hochzeitskleid ist derzeit nach 25 Jahren erstmals öffentlich zu sehen in der Ausstellung „Royal Style in the Making“ im Londoner Kensington-Palast. © Quelle: Getty Images

Harrys Offenbarungen bei Oprah Winfrey

Harry, arg gescholten von der britischen Presse wegen seines entlarvenden Interviews, das er gemeinsam mit seiner Frau Meghan im März der US-Talklegende Oprah Winfrey gab, hat sich längst eine andere Form des Vermächtnisses überlegt – den Namen seiner kürzlich geborenen Tochter. Deren Rufname soll zwar in Erinnerung an Harrys Großmutter Queen Elizabeth II. Lilibet lauten – ihr zweiter Vorname aber ist Diana. Sollte ihr Großvater Charles irgendwann König werden, würde sie als Enkelin zur Prinzessin, in gewisser Weise eine neue Prinzessin Diana. Gemeinsam mit Winfrey hat Harry auch die Apple-TV-Serie „The Me You Can‘t See“ produziert, in der neben ihm auch andere Prominente Einblick in ihre tiefste Psyche geben – unter anderem Lady Gaga und Glenn Close.

„William und Harry waren der Schlüssel zur Verbreitung des Mythos von Diana“, ist sich Historiker Owens sicher. „Sie betonen ihre Heiligkeit und die Tatsache, dass sie Opfer von Presseeinbrüchen wurde.“ Dafür hätten sie ihre eigenen Gründe: „Sie rechtfertigen ihren eigenen medienfeindlichen Umgang mit ihrem Beispiel und neigen dazu, die kontroverseren Elemente ihres Lebens bewusst zu ignorieren.“

Im Café Diana überwiegen die positiven Erinnerungen. „Ich freue mich auf den 1. Juli“, sagt Gründer Basit. Dann hat er einmal mehr einen guten Grund, sich an seinen berühmten Stammgast zu erinnern – Diana.

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