39 Leichen in Lkw-Container: Was wir wissen – und was nicht

  • Nach dem grausigen Fund von fast 40 Leichen in einem Lastwagen gehen die Ermittlungen wegen Mordes weiter.
  • Die Polizei versucht, die letzten Stunden der Opfer nachzuvollziehen.
  • Was wir bislang über den Fall wissen und was nicht.
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Grays. In einem der schlimmsten Fälle von Menschenschmuggel in der britischen Geschichte geht die Suche nach den Hintergründen am Donnerstag weiter. Am Mittwoch hatte die Polizei nach dem Fund von 39 Leichen in einem Lastwagen in Südengland Mordermittlungen eingeleitet. Sie versuchte, die letzten Stunden der Reise der Opfer zu rekonstruieren.

Was ist über den Fahrer bekannt?

Bei dem Fahrer handelt es sich um den 25 Jahre alten Mo Robinson aus dem britischen Nordirland. In den sozialen Medien verwies er auf den Lkw regelmäßig als „Polar-Express“ und „skandinavischen Express“. Robinson wurde festgenommen und steht unter Mordverdacht. Unklar ist allerdings, ob der Lkw-Fahrer tatsächlich wusste, dass sich die Menschen in dem weißen Container befanden.

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Wer sind die Toten?

Bei den 39 Toten handelt es sich um Chinesen. Das bestätigten am Donnerstag das chinesische Außenministerium in Peking und die britische Polizei. Bei den Toten handelt es sich der Polizei zufolge um 31 Männer und acht Frauen. Kinder seien nicht darunter. Eine junge Frau sei zuvor irrtümlich für einen Teenager gehalten worden. Die Umstände deuteten auch am Donnerstag stark darauf hin, dass es sich bei den Opfern um ins Land geschleuste Migranten handelt.

Woran starben die 39 Menschen?

Die Menschen könnten im Laderaum erfroren sein, da es sich bei dem großen Lkw-Sattelauflieger um einen Kühlcontainer handelte. Bestätigt ist die Todesursache bisher nicht.

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Großbritannien: Tote im Lkw-Anhänger kommen aus China
0:59 min
Die 39 Toten, die östlich von London in einem Anhänger entdeckt wurden, kommen aus China. Doch was war die Todesursache?  © dpa

Wer verständigte die Polizei?

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Die Sanitäter hatten die Polizei gegen 1.40 Uhr (Ortszeit) in der Nacht zu Mittwoch informiert. Sie konnten aber niemandem mehr helfen. Die Polizei sprach von einer „Tragödie“. Wer die Rettungskräfte alarmiert hatte, war zunächst nicht bekannt.

Woher stammt der Lkw?

Gemeldet war der Lkw seit 2007 in der bulgarischen Hafenstadt Warna am Schwarzen Meer, wie Bulgariens Ministerpräsident Boiko Borissow sagte. Seitdem sei das Fahrzeug nicht mehr im Land gewesen. Nach Angaben eines bulgarischen Frachtverbandes ist dies aus Steuergründen nicht unüblich.

Welche Route nahm der Container?

Es sei klar, dass der Container durch die Hafenstadt Zeebrugge gekommen sei, teilte die belgische Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Er habe sich dort aber nur kurz befunden, bevor er weiter über die Nordsee nach Purfleet gelangt sei. Er sei am 22. Oktober um 14.49 Uhr in Zeebrugge angekommen und am gleichen Nachmittag habe er den Hafen wieder verlassen. Kühlcontainer werden oftmals schnell mit einer Sichtkontrolle in Zeebrugge abgefertigt, bevor es weiter nach England geht.

Wie laufen die Ermittlungen ab?

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Britischen Medienberichten zufolge wurden in der Nacht zu Donnerstag zwei Wohnungen in Nordirland durchsucht – dem Herkunftsland des Lastwagenfahrers. Von einem Zusammenhang mit dem Fall sei stark auszugehen, hieß es. Außerdem wurde der Fahrer verhört, wie die britische Polizei am Donnerstag mitteilte.

Gab es in der Vergangenheit ähnliche Fälle?

Der Fund erinnert an andere grausige Fälle von Schlepperkriminalität mit dem Ziel Europa: Im Februar 2017 waren 69 Migranten in Libyen vier Tage lang in einem Container eingepfercht. 13 von ihnen kamen ums Leben, unter ihnen ein 13 Jahre altes Mädchen und ein 14-jähriger Junge. Für internationales Aufsehen sorgte auch ein Fall im August 2015 in Österreich. 71 tote Flüchtlinge, darunter vier Kinder, wurden in einem Kühllaster aus Ungarn südlich von Wien gefunden. Vor 19 Jahren fand die Polizei 58 tote Chinesen in einem Lastwagenanhänger im englischen Hafen von Dover am Ärmelkanal.

RND/dpa/mat