2000er-Inzidenz im Erzgebirgskreis: zwischen Unverständnis und Resignation

  • Als erster Landkreis hat der sächsische Erzgebirgskreis eine Sieben-Tage-Inzidenz von über 2000 erreicht.
  • Doch wie geht es den Menschen vor Ort, wo bereits ein Teillockdown herrscht?
  • Das RND hat sich umgehört.
Leonie Rothe
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Bundesweit steigen die Inzidenzen schon seit einigen Wochen besorgniserregend. Besonders rasant ist der Anstieg im sächsischen Erzgebirgskreis: Der hat als erster Landkreis in Deutschland nun die 2000er-Marke überschritten. Lag die Sieben-Tage-Inzidenz dort laut Robert Koch-Institut vor vier Tagen noch bei 1306,7, liegt sie an diesem Freitag bei 2006,2. Ein Ende des Inzidenzanstiegs ist aktuell nicht abzusehen.

Deshalb wiederholen sich doch jetzt die uns schon so bekannten Maßnahmen: Es kommt zum Teil-Lockdown. Seit wenigen Tagen gilt im Erzgebirgskreis unter anderem ein allgemeines Alkoholverbot in der Öffentlichkeit sowie eine Ausgangssperre für Ungeimpfte von 22 bis 6 Uhr.

Hinzu kommt die 2G-Regelung in den Bereichen Gastronomie und Einzelhandel sowie für Friseure und andere körpernahe Dienstleistungen. Kultur- und Freizeiteinrichtungen müssen geschlossen bleiben. Die Sächsische Corona-Notfall-Verordnung gilt vorerst bis zum 12. Dezember, eine Verlängerung der Maßnahmen ist angesichts der weiter steigenden Inzidenz wahrscheinlich.

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Wie geht es den Menschen, die im Corona-Hotspot leben?

Doch wie geht es den Menschen vor Ort, die im plötzlichen Corona-Hotspot leben? Antje Rickart, die ein eigenes Kosmetikstudio dort hat, muss wegen den neuen Verordnungen nun einigen Kundinnen und Kunden absagen. „Es ist okay, weil es die Regierung so vorgibt. Ganz egal wie ich das finde“, sagt sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) leicht resigniert. „Viele sagen auch, das ist Humbug, weil hygienischer arbeiten als im Kosmetikbereich gar nicht geht. Da ist man ja nur zu zweit.“ Die Reaktionen ihrer Kunden auf die neuen Verordnungen fielen „sehr gemischt“ aus.

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Auch Reinert Ungers Buchhandlung ist von der 2G-Regelung betroffen. „Unsere Kunden kennen die Regel. Die Mehrzahl zeigt unaufgefordert den Nachweis, aber ich habe auch schon welche weggeschickt, die dann ohne großen Protest gegangen sind“, erzählt er dem RND. Doch das sei eine Minderheit.

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Sachsen hat die bundesweit niedrigste Impfquote

Ein Grund für die hohe Inzidenz, die nun zu den Maßnahmen führte, ist auch die Tatsache, dass Sachsen bundesweit die niedrigste Impfquote hat. Während Bremen mit einer Impfquote von fast 80 Prozent Spitzenreiter ist, hat Sachsen gerade einmal 58 Prozent vollständig Geimpfte. „Ich verstehe nicht, warum die Erzgebirger sich nicht impfen lassen. Sie sollten sich mal an die Wissenschaft halten“, sagt Peggy Schierig dem RND genervt. Sie ist Inhaberin des Ladens „Jeans Corner“ in der Stadt Annaberg-Buchholz, die im Erzgebirgskreis liegt. „Ich komme mit der 2G-Regelung gut zurecht. Viele meiner Kunden sind geimpft.“

Währenddessen sinkt in Sachsen die Zahl der freien Intensivbetten besorgniserregend schnell. Auch der Buchhändler Reinert Unger und seine Frau haben bereits an Covid-19 Verstorbene in ihrem Bekanntenkreis zu beklagen. Für sie ist Corona ein „allesbeherrschendes Thema“, wie er erzählt. Klar ist für ihn aber: „Wir lassen uns nicht runterziehen. Das Leben hält viel Schönes bereit. Auch wenn das Erzgebirge für die Weihnachtszeit bekannt ist und es jetzt keinen Weihnachtsmarkt gibt. Wir machen das Beste draus.“

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