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18 Corona-Tote in Altenheim: Radikale Maßnahmen gegen weitere Ausbreitung

  • Das Coronavirus trifft Wolfsburg besonders hart, in einem Pflegeheim sterben 18 Menschen.
  • Mit radikalen Maßnahmen stemmt sich die Diakonie als Betreiber gegen eine weitere Ausbreitung.
  • Doch in der Stadt gibt es noch ein weiteres Sorgenkind: das Klinikum.
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Wolfsburg. Schon 18 Todesfälle (Stand: Dienstag, 31. März) in einem Wolfsburger Pflegeheim und mindestens 32 mit Corona infizierte Beschäftigte im Klinikum Wolfsburg: In der niedersächsischen Stadt spitzt sich die Lage zu und konfrontiert Personal, Betreiber und Behörden mit neuen Extremsituationen. Im Hanns-Lilje-Heim, wo 74 Menschen infiziert sind (Stand Montagnachmittag), werde jetzt alles getan, um die Bewohner vor weiteren Infektionen zu schützen und ihre Versorgung sicherzustellen, betont die Diakonie als Betreiber des Heims.

Noch am Sonntagabend sei im Hanns-Lilje-Heim eine “entscheidende Maßnahme” zur Minimierung von Ansteckungsrisiken abgeschlossen worden, sagte Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke. So lebten infizierte und gesunde Bewohner nun in getrennten Stockwerken. Die Zimmer, aus denen Infizierte auszogen, wurden komplett gereinigt und desinfiziert – einschließlich Möbeln, Wäsche und Kleidung. In dem Heim sind 18 Menschen gestorben, knapp die Hälfte der 163 Bewohner ist mit dem Coronavirus infiziert.

Extrem belastende Situation für Mitarbeiter

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Für alle Mitarbeiter sei die Situation extrem belastend. “Wir statten unsere Teams bestmöglich mit Schutzmaterial aus, das wir derzeit noch zur Verfügung haben. Es zeichnen sich allerdings Engpässe für die kommenden Tage ab, wenn nicht alle Bestellungen zeitnah ausgeliefert werden”, sagte Bettina Enßlen, Leiterin der Kommunikation bei der Diakonie, der “Wolfsburger Allgemeinen Zeitung” (WAZ).

Zugesagt seien unter anderem 500 Schutzkittel aus dem Krisenstab der Stadt Wolfsburg, 100 Kittel und 75 Brillen von Diakovere Hannover. Eine große Lieferung von Masken (FFP 2) sollte die Mitarbeiter am Dienstag erreichen. Auch Desinfektionsmittel seien bestellt. “Wir benötigen pro Tag 20 Liter Handdesinfektionsmittel allein im Hanns-Lilje-Heim. Der Schutz der Mitarbeitenden und Bewohner ist unser dringendes Anliegen”, so Enßlen.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Heimbetreiber

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Unterdessen beschäftigen die Todesfälle im Hanns-Lilje-Heim auch die Justiz, bei der Staatsanwaltschaft ist eine Strafanzeige gegen die Verantwortlichen der Diakonie Wolfsburg eingegangen. Mehrere Mitarbeiter der Diakonie hätten ihm zuvor von katastrophalen Zuständen im Seniorenheim berichtet, sagte der Wolfsburger Rechtsanwalt Christian Richter, der Anzeige erstattet hat, der WAZ.

Die Diakonie Wolfsburg ist von dem Eingehen einer Anzeige “überrascht und auch betroffen”, heißt es in einer Stellungnahme von Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, aus der die WAZ zitiert. In der Begehung des Hauses am Sonntag (29. März) durch das Landesgesundheitsamt seien nach Informationen der Diakonie keine Mängel festgestellt worden.

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Die Angst vor dem Coronavirus steigt vielen zu Kopf. Fake News, irreführende Gerüchte und viel Panikmache helfen da nicht.  © Marc Mensing/RND

Ähnlich äußerte sich der operative Leiter des Krisenstabs der Stadt Wolfsburg, Lothar Laubert, am Montag. Der Krisenstab habe sich am Sonntag zusammen mit der Heimaufsicht und einem Vertreter des niedersächsischen Sozialministeriums zu einem Vor-Ort-Termin im Hanns-Lilje-Heim getroffen. “Die Vorwürfe haben wir dort nicht bestätigt gesehen. Alle erforderlichen Maßnahmen wurden vom Betreiber umgesetzt”, sagte Laubert laut WAZ. Der Betreiber habe die Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren. Alle Pflegekräfte arbeiteten mit Schutzkleidung.

Klinikumsmitarbeiter mit Coronavirus infiziert

Das Klinikum ist das zweite Sorgenkind der Stadt: Auch hier hat sich die Situation dramatisch zugespitzt, nachdem am Samstag eine Mitarbeiterin von einem Kontakt mit einem möglicherweise Infizierten berichtet hatte. Bis Dienstag wurden 32 Beschäftigte positiv auf das Virus getestet. Ebenso bei zwei Patienten, die nicht wegen Corona im Krankenhaus lagen. Seit Sonntagabend wurden 250 Patienten und 200 Mitarbeiter auf Corona untersucht.

Das Klinikum hatte nach ersten Positivtests einen Aufnahmestopp verhängt. Am Dienstag startete das Klinikum der WAZ zufolge aber wieder den Normalbetrieb. Nach wie vor gilt in vielen Bereichen weiterhin der Besuchsstopp.

RND/seb/epd

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