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100-jähriger Veteran sammelt Millionenspenden – Queen schlägt ihn zum Ritter

  • Sir Thomas Moore aus Großbritannien sammelte mit einer ungewöhnlichen Idee mehrere Millionen Pfund Spenden für den nationalen Gesundheitsdienst.
  • Er wurde zum Vorbild für viele Briten – und landete sogar im Guinnessbuch der Rekorde.
  • Nun hat ihn die Queen zum Ritter geschlagen.
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Die Geschichte beginnt Anfang April mit dem Ziel, bis zu seinem runden Geburtstag einhundertmal den 25 Meter langen Garten hinter dem Haus abzuschreiten und die täglich zurückgelegten zehn Bahnen auf einer Spendenplattform zu dokumentieren, um 1000 Pfund, umgerechnet etwa 1100 Euro, zu sammeln. Das Geld soll an den chronisch unterfinanzierten nationalen Gesundheitsdienst NHS fließen, der in der Pandemie mehr denn je unter Druck gerät. Tom Moore will sich so erkenntlich zeigen gegenüber jenen Ärzten, Schwestern und Pflegern, die dem 99-jährigen Weltkriegsveteran während seiner Krebserkrankung sowie seiner Hüftbruchbehandlung geholfen hatten.

Die Queen mit Sir Thomas Moore und seiner Familie. © Quelle: Getty Images

Die Geschichte geht kurz darauf an die Öffentlichkeit – und als Inspiration für Millionen von Menschen um die Welt. Über die Plattform JustGiving läuft immer mehr Geld ein. Insgesamt kommen fast 33 Millionen Pfund, umgerechnet rund 36 Millionen Euro, zusammen. Derweil spaziert Moore mithilfe seines Rollators und angefeuert vom Beifall des Volks immer weiter, auf und ab. In seinem Heimatdorf Marston Moretaine in der englischen Grafschaft Bedfordshire reisen nun täglich Reporter aus allen Ecken des Landes an. Die Bilder von Moore dienen als Balsam für die geschundene Seele der Nation. Großbritannien ist eines der am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Länder. Und “Captain Tom” wird zum Corona-Helden, der in der Krise Hoffnung gibt, Trost spendet, Zuversicht ausstrahlt. “Morgen ist ein guter Tag”, sagt der Brite mit den wachen Augen – und die Menschen nehmen die Botschaft dankbar auf. Ein Hochgeschwindigkeitszug wird auf seinen Namen getauft,

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Nachahmer versuchen sich zu Ehren der “Legende Tom” an sportlichen Herausforderungen. Er schafft es ins Guinnessbuch der Rekorde und in den Zeitungen widmen sich Kommentatoren seiner Vergangenheit, seinem stets tadellosen Kleidungsstil oder seinem Schnurrbart, den er bereits als Soldat in Uniform trug, wie Fotos dokumentieren. Während des Zweiten Weltkriegs war der Hauptmann in Indien und Burma, dem heutigen Myanmar, stationiert. Am 30. April feiert Tom Moore als sehr glücklicher Mann, Vater und Großvater seinen 100. Geburtstag.

Queen Elizabeth und Sir Thomas Moore halten zunächst Abstand. © Quelle: Getty Images

Nun fand die Geschichte für den Senior ihren Höhepunkt in Windsor Castle. Dort wurde Moore am Freitag von Königin Elizabeth II. für seine Aktion in den Ritterstand erhoben. Die Monarchin zeigte ihre besondere Wertschätzung damit, dass sie zum ersten Mal seit Beginn des Lockdowns Mitte März einen Besucher höchstpersönlich empfing. In einem mintgrünen Kostüm mit passendem Hut erschien die Queen für die beispiellos private Zeremonie im Garten des Schlossgeländes. Sie trug weiße Handschuhe, aber – wie Moore – keinen Mundschutz. Vor den Augen seiner mitgereisten Familie schlug Ihre Majestät Moore mit einem Schwert zum Ritter, das ihrem Vater, König George VI., gehörte. Außerdem überreichte sie dem gerührten Briten, der sich auf seinen Rollator stützte, die Insignien von Knight Bachelor. Es handelt sich um den niedrigsten Rang des britischen Titularadels. Fortan darf der 100-Jährige den Titel “Sir” tragen. “Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass mir das passieren würde”, sagte Sir Moore. Es sei solch eine große Ehre und schlichtweg “fantastisch”, die 94 Jahre alte Königin, die beinahe die gesamte Nachkriegszeit auf dem Thron erlebt hat, persönlich zu treffen.

Premierminister Boris Johnson hatte den charmanten Rentner für den Ehrentitel vorgeschlagen, da dieser dem Volk als “Leuchtfeuer im Nebel des Coronavirus” gedient habe, wie es Johnson nannte. Während die Ritterwürde formell von der Queen verliehen wird, hat der Regierungschef ein Vorschlagsrecht.

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