Wohnmobile: Kompaktklasse, der beliebte Kompromiss

  • Die Corona-Pandemie hat den Run auf die seit Jahren boomenden Wohnmobile weiter verstärkt.
  • Viele Menschen denken zum ersten Mal über Campingurlaub im eigenen oder in einem gemieteten Fahrzeug nach. Die unterschiedlichen Aus- und Aufbau­konzepte machen die Wahl allerdings zur Qual. Als Entscheidungshilfe – nicht nur für Einsteiger – gibt unsere vierteilige Serie einen Überblick vom kompakten Campingbus bis zum luxuriösen Motorhome.
  • Der heutige erste Teil beschäftigt sich mit den Campingbussen.
Michael Lennartz
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Der Wohnmobilmarkt erlebt während der Pandemie einen zusätzlichen Schub. In Zeiten von Social Distancing kann das Konzept des rollenden Eigenheims erst recht überzeugen. Doch die Vielfalt der angebotenen Fahrzeuge ist groß und kann Neulinge leicht überfordern. Unserer vierteilige Serie gibt einen Überblick über die verschiedenen Kategorien der Camper.

Auf der Suche nach dem passenden Wohnmobil träumt jeder von seiner Ideallösung. Nur: Wie sieht die aus? Die schlechte Nachricht vorab: Die Eier legende Wollmilchsau gibt es nicht. Jedes Wohnmobil ist ein Kompromiss. Je kleiner und handlicher das Fahrzeug ist, desto mehr müssen die Ansprüche an den Wohnkomfort und den Stauraum zurückgeschraubt werden. Die gute Nachricht: Bei der großen Vielfalt in den fünf wichtigsten Fahrzeugkategorien (Campingbus, Kastenwagen, Alkoven, teil- und vollintegrierte Reisemobile) kann jeder sein ganz individuelles Glück finden.

Auch im Kompaktsegment gibt’s gewaltige Unterschiede

Bei der Suche nach dem Wunschfahrzeug hat sich in jüngster Zeit ein eindeutiger Trend herauskristallisiert: Ein kompaktes Fahrzeug soll es sein. Jeder zweite Käufer entscheidet sich aktuell entweder für einen Camper im Format des Klassenprimus VW California oder für die etwas größere, von Fiat-Ducato-Ausbauten dominierte Kastenwagen­dimension. Doch schon zwischen diesen beiden Kompaktsegmenten existieren gewaltige Unterschiede. Und die kleinere Gattung ist in diesem Fall sogar der stärkere Wachstumstreiber.

Größtes Plus der Campingbusse: die Alltagstauglichkeit. Mit rund fünf Metern Länge oder knapp darüber positionieren sie sich nah am Pkw. Selbst Wohnmobil­novizen fühlen sich im Cockpit schnell heimisch. Vertraute Armaturen, gewohnte Annehmlichkeiten in puncto Fahrkomfort und bei Bedarf eine ganze Armada optionaler Assistenz­systeme vermitteln Pkw-Feeling, und im Handling bereitet die kleinste Wohnmobil­gattung sowieso die geringsten Probleme. Da ist auch Großstadt­verkehr kein Tabu, zumal die meisten Camper mit knapp unter zwei Metern Höhe in beinahe jede Tiefgarage passen. Nur der Ford Nugget liegt mit 2,07 Metern knapp darüber.

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Abtrennbarer Sanitärbereich als Alleinstellungs­merkmal

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Dafür besitzt der Kölner Camper auf Basis des Ford Transit Custom in der Plus-Variante mit längerem Radstand einen abtrennbaren Sanitärbereich mit Kassettentoilette im Heck. Eine Seltenheit in dieser Klasse. Das liegt auch daran, dass der Nugget mit seiner Heckküche und einem nach hinten öffnenden Aufstelldach einen anderen Grundriss aufweist als seine Dauerrivalen Mercedes Marco Polo und VW California 6.1.

Der bewohnbare Bulli, der in diesem Jahr 70-jähriges Jubiläum feiert und gerade erst neue Absatzrekorde aufstellte, vertraut weiter seiner bewährten, ausgereiften Innenarchitektur: Sitzgruppe mit drehbaren Vordersitzen und Mittelbank, links der Küchenblock mit Kompressor­kühlbox und Stauschrank dahinter, Doppelbett im auf Wunsch elektrohydraulisch öffnenden Aufstelldach, zwei weitere Schlafmöglichkeiten im Parterre auf der umgebauten Sitzbank.

Klingt einfach, erfordert vor dem Schlafengehen aber oft Umräumarbeiten, und Doppelbett­breiten von 1,15 Meter (unten) und 1,20 Meter (oben) verdeutlichen die räumliche Enge in einem Camper. Die Perfektion in der Raumnutzung zeigt sich andererseits in Details wie dem platzsparend in der Schiebetür­verkleidung untergebrachten Klapptisch sowie den in der Hecklappe verstauten Campingstühlen.

Die gleiche Raumaufteilung findet sich im Mercedes Marco Polo, alles nur einen Tick edler, oder im 2016 eingeführten Pössl Campster auf Basis eines Citroën Spacetourer. Dessen Absatzerfolg war auch die Initialzündung für die Erwin-Hymer-Gruppe (EHG) zur Gründung der neue Submarke Crosscamp – zumal der Campster ohnehin beim EHG-Ableger Dethleffs gebaut wird.

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Vom Campingmobil zum Siebensitzer

Nach dem Vorbild der großen Autokonzerne bietet Crosscamp auf den baugleichen Citroën-Brüdern Toyota Proace Verso und Opel Zafira Life den identischen Innenausbau wie beim Pössl-Campingbus an. Ihr großes Plus: günstigerer Preis, mehr Flexibilität. Der Clou: Mit wenigen Handgriffen lässt sich der Küchenblock komplett ausbauen, um ihn entweder im Freien zu verwenden oder um Platz für weitere Personen zu schaffen. Im Extremfall verwandelt sich das Campingmobil in einen Siebensitzer.

Auch Bürstner, eine weitere Marke der Hymer-Gruppe, drängt als neuer Player mit dem Copa auf den Markt der Camper. Grundlage ist hier der Ford Transit Custom, der sich im Gegensatz zum Nugget aber ebenfalls des klassischen Grundrisses mit seitlichem Küchenblock bedient, aber mit optionalen Sitzen immerhin zum Sechssitzer umgebaut werden kann. Der Basispreis von 40.000 Euro taugt allerdings nur als grobe Orientierung. Mit ein paar sinnvollen und nützlichen Extras ohne Sperenzien ist die 50.000er-Marke schnell geknackt.

Sinnvolle Extras summieren sich schnell

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Das gilt allerdings für die Wettbewerber gleichermaßen. Egal ob Pössl Campster (ab 41.750 Euro), Ford Nugget (ab 54.360 Euro), Mercedes Marco Polo (ab 67.000 Euro) oder die Ocean-Variante des VW California (ab 68.400 Euro), 10.000 bis 15.000 Euro lassen sich überall locker draufpacken.

Fazit: Vorteilen wie handlichen Abmessungen, Fahrdynamik, Alltagstauglichkeit und sparsamem Verbrauch (zwischen acht und zehn Litern Diesel auf 100 Kilometer) stehen ein begrenztes Platz- und Stauraumangebot gegenüber. Und vor allem: Es gibt selten einen Wasch-/Toilettenraum.

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