Vollintegrierte: die Königsklasse der Reisemobile

  • Platz fast wie in den heimischen vier Wänden, Topwohnqualität und ein Ausblick wie in bester Wohnlage:
  • Der vierte Teil unseres Wohnmobilratgebers widmet sich der Königsklasse unter den rollenden Eigenheimen.
  • Die sogenannten vollintegrierten Modelle bieten jeden erdenklichen Luxus und Komfort.
Michael Lennartz
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Höchster Wohnkomfort, großzügige Raumverhältnisse, Panoramablick und ein extravagantes Outfit: Die vollintegrierten Modelle, mit denen sich der vierte Teil unseres Wohnmobilratgebers beschäftigt, bilden die Königsklasse der Reisemobile. Die großen Brüder der Teilintegrierten übernehmen vom Basisfahrzeug lediglich Fahrgestell, Motor und Armaturenbrett oder gar nur den Triebkopf, verzichten aber auf die Blechkarosse des Fahrerhauses. Das lässt den Caravaningherstellern Gestaltungsfreiheit für ein eigenständiges Außendesign und schafft gleichzeitig mehr Platz und ein großzügigeres Raumgefühl im Innenraum. Eine markentypische Bugmaske und die großformatige Panorama-Frontscheibe sind daher markantes Erkennungszeichen der I-Modelle.

Mit dem Wunsch nach höchstmöglichem Wohnkomfort im rollenden Eigenheim landet man zwangsläufig bei den Integrierten – und hat, ein gut gefülltes Bankkonto vorausgesetzt, dort die Qual der Wahl. Es dauerte zwar viele Jahre, bis das Hymermobil, das 1971 als erstes vollintegriertes Campingfahrzeug debütierte, auf breiter Basis Nachahmer fand. Mit dem vor der Jahrtausendwende einsetzenden Absatzboom wuchs aber das Angebot auf breiter Front. Der Zulassungsanteil der teuersten Reisemobilkategorie stieg auf über 15 Prozent an.

Vollintegrierte Wohnmobile lassen kaum Wünsche offen: Der Carthago Liner etwa bietet absenkbare Betten über dem Fahrerhaus. © Quelle: Manuel Berninger

Besonders beliebt waren und sind die Dickschiffe bei Rentnern oder Senioren, die zum Beispiel die ausbezahlte Lebensversicherung in die mobile Wohnung zum Überwintern im sonnigen Süden stecken oder im dritten Lebensabschnitt einfach nur die Reiseaktivitäten intensivieren wollen. In dieser Zielgruppe spielt die 3,5-Tonnen-Grenze für Wohnmobile allerdings auch keine Rolle, da Inhaber des vor 1999 erworbenen Führerscheins der alten Klasse 3 Bestandsschutz für „schweres Gerät“ bis zu 7,5 Tonnen haben.

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Vorsicht bei der Zuladung

Die meisten Hersteller geben sich dennoch große Mühe, für die neue Fahrerlaubnis Klasse B integrierte Fahrzeuge bis 3500 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht anzubieten. Doch selbst wenn dank Leichtbauchassis (Carthago) oder sonstiger Abspeckmaßnahmen mit Zuladungen von 500 kg und mehr geworben wird, ist Vorsicht geboten. Denn einmal beinhaltet die Leergewichtsangabe eine Toleranz von bis zu fünf Prozent – bei drei Tonnen also bis zu 150 Kilogramm, die zu Lasten der erlaubten Zuladung gehen können. Und zudem schlagen gern genommene Extras wie Markise, SAT-Anlage und andere Annehmlichkeiten gravierend ins Gewicht, ist mit ein paar Häkchen zu viel in der Sonderausstattungsliste die rote Linie schnell überschritten.

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Blick auf die komfortable Rundsitzgruppe im Heck des Carthago Liners. © Quelle: Manuel Berninger

Für die preisgünstigsten I-Modelle wie die Sieben-Meter-Exemplare Carado i339, Sunlight I67 oder Weinsberg Cara-Core, die den Basispreis auf 53.000 bis 58.000 Euro gedrückt haben, gilt dieses Risiko der Überladung natürlich auch. Zumal die Grundausstattung nicht sonderlich üppig ausfällt. Allerdings: Alle Integrierten mit dieser Problematik lassen sich aufpreispflichtig auflasten. Meist bis zu 4,25 Tonnen, sodass auch schwere E-Bikes, gewichtiges Sportgerät und alle möglichen Campingutensilien sorglos mit auf die Reise genommen werden können. Nachteile bei dieser Aktion: Reisemobilen über 3,5 Tonnen drohen in Österreich (Go-Box) und der Schweiz (Schwerverkehrsabgabe) aufwendigere Mautverfahren, auf deutschen Autobahnen gilt generell das Tempolimit 100 und Lkw-Überholverbote sind ebenfalls einzuhalten.

Der Komfort entschädigt für alles

Doch bei allen Mühen unterwegs und einem mit wachsendem Längenmaß unhandlicher werdenden I-Modell wird der Reisende, am Zielort angekommen, mit dem hohen Wohnkomfort mehr als entschädigt. Grundrisse mit vorderer Sitzgruppe samt drehbarer Frontsessel, Bad und Küche in der Wagenmitte sowie Einzel- oder Doppelbetten im Heck mit darunter liegender Garage, wie man sie von den Teilintegrierten kennt, entsprechen zwar auch hier dem Mainstream, mittlerweile gibt es aber auch innovative Alternativlösungen. Nur ein Beispiel: der Carthago Liner-for-two mit Rundumsitzgruppe hinten und Längshubbetten über dem Fahrerhaus.

Tolles Raumgefühl, aufwendige Lichtkonzepte, geräumige Bäder, üppige Küchen, viel Stauraum oft im doppelten Boden, beste Isolierung für eine hohe Wintertauglichkeit, groß dimensionierte, auch weit über 100 Liter fassende Frisch- und Abwassertanks, zusätzliche Aufbaubatterien und Solarpaneels für mehr Autarkie – all das trägt zum hohen Komfortlevel eines Oberklasseintegrierten bei. Allerdings: Je luxuriöser desto teurer. Da landet man schnell zwischen 120.000 und 200.000 Euro.

Porsche-Garage und Whirlpool an Bord

Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch lange nicht erreicht. Bei den großen Linern und Motorhomes, die teils auf ausgewachsenen Lkw-Chassis von Mercedes (Actros) oder MAN basieren und nur mit Lkw-Führerschein bewegt werden dürfen, geht das bis in den siebenstelligen Bereich. Spezialisten wie Vario Mobil und Volkner verbauen da nach individuellen Wünschen alles, was geht. Im Extremfall bis zu zwölf Meter lange 26-Tonner mit Slide-outs, Whirlpools und Autogaragen, in denen auch ein 911er-Porsche mit auf die Reise gehen kann. Das erfordert allerdings nicht nur eine umsichtige, erfahrene Person am Lenkrad, sondern auch eine ganz spezielle Urlaubsplanung. Kleine idyllische Campingplätze über enge, kurvige Zufahrtssträßchen wird man damit kaum ansteuern können.

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