VW Taigo: Ein Ausrufezeichen im Kleinwagensegment – ganz ohne E-Antrieb

  • Bei Volkswagen tut sich Erstaunliches.
  • Trotz der Elektrooffensive bringt der VW-Konzern mit dem Taigo einen Kleinwagen auf den Markt, den es nur mit Verbrennungsmotoren gibt.
  • Das „Kleinwagen Crossover Coupé“, das ursprünglich von VW do Brasil stammt, soll demnächst auch den europäischen Markt erobern.
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Glaubt man Marco Pavone, Chef des Exterieur-Designs bei Volkswagen, handelt es sich um eine Produktidee für etwas noch nie Dagewesenes. Weil sein Zwillingsbruder José Carlos in Brasilien schon mal vorgearbeitet hat und das noch nie Dagewesene dort bereits seit einiger Zeit herumfährt, kommt es hierzulande „schwupps“ auch demnächst auf den Markt. Die Rede ist vom VW Taigo, einem „Kleinwagen Crossover SUV Coupé“, den es – aufgepasst – nur mit Verbrennungsmotoren gibt. Denn so gestaltet sich Zukunft: Die alte Welt muss die neue vorerst noch mitfinanzieren. Bei einem Kleinwagen, bei dem die Handelsspannen erfahrungsgemäß eher gering sind, liegt die Vermutung nahe, dass man bei der Entwicklung des Fahrzeugs ganz tief ins Regal gegriffen hat.

Dass bei Volkswagen die Vorzeichen ganz auf Strom gestellt sind, ist bekannt. Trotzdem dauert es noch bis zum Turnaround, also jenem Zeitpunkt, an dem der E-Antrieb für den Konzern mehr Geld verdient als der Verbrennungsmotor. Weil sich Letztere mit einem zunehmend schlechten Image plagen müssen, ist die Devise: klein und sparsam. Hubraum, jahrzehntelang das Maß vieler Dinge, ist inzwischen verfemt. Also kommen im Taigo die beiden Ein-Liter-TSI-Motörchen zum Zuge, die nach oben von dem 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner abgerundet werden und an Handschalt- und Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt sind. Die Leistung reicht von 95 bis 150 PS. Etwas anderes ist vorerst nicht geplant.

Das Cockpit: VW-Fahrer, die hier Platz nehmen, finden sich sofort zurecht. © Quelle: Volkswagen
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Es scheint in Wolfsburg auch niemanden zu stören, dass sich viele Hersteller aus dem Geschäft mit den Kleinwagen zurückziehen. Zu hohe Entwicklungskosten für neue Technologien, zu kleine Margen im Segment – da lohnt es sich nicht mehr. Doch VW darf man niemals unterschätzen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sie bei der Modellauswahl eher selten danebenliegen. Weil nun ein Kleinwagen aus besagten Gründen doppelt attraktiv sein sollte, hat man ihm an Attributen mitgegeben, was gerade en vogue ist: SUV, Crossover, Coupé. Viel mehr geht nicht. Der Schlüsselreiz ist aber ganz klar das SUV, da werden gegenwärtig viele Autofans schwach.

In einer von Äußerlichkeiten geprägten Welt ist die hübsche Hülle eines Autos für viele Menschen Kaufgrund Nummer eins. Deshalb stehen heute häufig die Designer bei der Präsentation neuer Modelle in der ersten Reihe. Und die finden schnell die passenden Worte, um ihr Produkt schön zu machen. Pavone spricht von der „extrem schnellen C-Säule“ und der „stolzen Front“. Wo bei dem Taigo allerdings das SUV herkommt, kann man nur raten. Vermutlich sollen die großen Räder den Wagen etwas in die Höhe stemmen und so den Einstieg erleichtern. Also SUV. Crossover ist da schon einfacher, weil gerade alle Autos außer Limousinen und Kombis irgendwie Crossover sind. Und Coupé? Na ja, da ist ja die die schnelle C-Säule.

Fairerweise sollte man sagen, dass der Taigo in der Tat ein hübsches Auto mit jugendlichem Charme ist, irgendwo zwischen Polo und T-Cross. Selbst Zeitgenossen, die nicht so sehr auf Sicken und Kanten stehen, müssen zugeben, dass VW da einen Lauf hat. Um die Attraktivität noch zu steigern, haben die Entwickler in den Kleinen – er baut wie alle Verbrenner aus dem Hause VW auf dem modularen Querbaukasten auf – viel von dem hineingepackt, was das Regal liefert. Beispielsweise LED-Scheinwerfer, Klimaanlage, ein digitales Cockpit oder das Multifunktionslenkrad, alles bereits in der Serienausstattung. Wer mehr will, kann zwischen verschiedenen Design- und Ausstattungs-„Lines“ wählen, die laut Hersteller sorgfältig aufeinander abgestimmt worden sind. Höhepunkt ist die „R“-Line, die zumindest optisch Rasanz verspricht.

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Auch bei der Fahrzeugelektronik wurde nicht geknausert. Insassenschutz, Assistenzsysteme, teilautomatisiertes Fahren bis Tempo 210, bei dem der Wagen das Lenken, Bremsen und Beschleunigen übernimmt – das alles gibt es. Hier können die Wolfsburger ihre technologische Kompetenz ausspielen, die sie sich inzwischen erarbeitet haben. Da die Digitalisierung auch vor Verbrennern nicht Halt macht, werden Kartenupdates für das intelligente Navigationssystem „over the air“ aufgespielt. Das Infotainment kann selbstredend personalisiert werden.

Wer das Gesamtpaket betrachtet, das der Taigo bietet, muss eins anerkennen: Attraktive und gut ausgestattete Kleinwagen, die zu einem Einstiegspreis von unter 20.000 Euro angeboten werden, sind vielleicht doch ein Geschäftsmodell – jenseits aller alternativen Antriebe.

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