Vom Nutzfahrzeug zum Privatvan: Das ist Volkswagens neuer T7

  • Komfortables Interieur und bewährte Golf-Elektronik – mit dem T7 nimmt Volkswagen nur noch Privatkundinnen und -kunden ins Visier.
  • Das Modell soll damit den Spagat zwischen Gewerbe- und Privatkunden beenden.
  • Ab dem 15. November kommt Volkswagens neuer Multivan auf den Markt. Wir haben vorab eine Probefahrt gemacht.
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Es ist immer wieder die Hinterachse. Wer über ihr in einem der schmalen Sitze hockt, bekommt so ziemlich jede Unebenheit auf den nicht besser werdenden deutschen Landstraßen durchgereicht. Macht aber nichts, das Ding kann ja noch justiert werden. VW Nutzfahrzeuge, jener kleine, inzwischen auch feine Wolfsburger Ableger für Freizeitkapitäne und Gewerbetreibende, hat jetzt eine Handvoll Journalistinnen und Journalisten zu einer ersten Probefahrt eingeladen, um das Fahrzeug vorab in Aktion zu erleben, dass der nächste Big Point werden soll, gestatten: T7 Multivan, Vorserienmodell.

Dass sie selbst im Vorstand nicht so genau wissen, ob der Einstiegspreis von 44.839 Euro nun brutto oder netto ist, macht auch nichts. Denn spätestens ab KW 46, also in der Woche vom 15. November an, werden sie es genau wissen. Denn dann kommt der neue Multivan auf den Markt.

Selbstbewusstsein bei Volkswagen

Die Nutzfahrzeugler aus Hannover strotzen momentan vor Selbstbewusstsein. „Wir sind so groß und erfolgreich, dass es sich lohnt, verschiedene Modelle zu bauen“, sagt VWN-Chef Carsten Intra. Er meint damit den neuen Multivan, der zum ersten Mal eine Sonderstellung hat: Losgelöst vom T6.1, der weiterhin fürs Gewerbe und für Campingfreunde und -freundinnen in verschiedenen Versionen angeboten wird, gibt es künftig den T7, und damit laut Intra „keinen Spagat mehr zwischen Gewerbe- und Privatkunden“.

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Letztere litten darunter, dass sie für die Familienversion unter den Bullis viel Geld hinblättern sollten, um dann doch nur ein oberflächlich kaschiertes Nutzfahrzeug geliefert zu bekommen.

Wie der Golf – nur besser

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Also musste ein neues Konzept her. Ein Glück, dass Wolfsburg und damit der Golf nicht weit sind. Ein Glück auch, dass der Golf inzwischen seine Kinderkrankheiten abgelegt hat. Ein Glück deshalb, weil man nun mit gutem Gewissen in den gesamten Baukasten greifen konnte. Oder anders ausgedrückt: Alles, was der Golf an Elektronik, an digitalisiertem Cockpit, den 24 Fahrerassistenzsystemen und an Infotainment besitzt, hat der neue Multivan auch.

Der baut wie das Verbrenner-Pkw-Programm von VW auf dem Modularen Querbaukasten MQB auf und wird deshalb auch nur in einer Pkw-Version angeboten inklusive Head-up-Display, das in die Frontscheibe projiziert – den Entwicklerinnen und Entwicklern dürfte es bei so vielen Synergien die Freudentränen in die Augen getrieben haben. Und weil das alles so schön ist, gibt es noch eine neue aufwendigere Hinterachse, auch wenn an der noch ein bisschen justiert werden muss.

Komfortables Interieur

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Das Interieur ist der Riesensprung, den der neue Multivan macht: Fünf oder sieben Sitze, ein Panoramaglasdach (optional), das in seiner Größe einmalig im gesamten Konzern ist und ein elektrisches Schienensystem, damit die Sitze beheizt werden können und die Insassen im Winter keinen kalten Hintern bekommen. Die Sitze lassen sich drehen und in wenigen Sekunden rausheben ohne dass Mann oder Frau vorher Kraftsport betrieben haben muss, ein multifunktionales Tischchen kann zwischen den vorderen und hinteren Sitzen hin- und hergeschoben werden.

Der Fahrzeughimmel ist hell, ab der Hüfte wird’s dann dunkel. Sowohl vorne als auch hinten können Handys aufgeladen werden – vorausgesetzt der Besitzer verfügt über ein USB-C-Kabel oder einen passenden Adapter. Diesen Anschluss hielt man seinerzeit im Konzern zukunftsfähig und lag damit daneben. Denn nach wie vor ist der USB-A-Stecker das Maß der Dinge. Dafür stehen mit 4,98 und 5,18 Metern zwei Fahrzeuglängen, drei Ausstattungslinien, Sondermodelle und Ausstattungspakete zur Wahl.

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Diesel, Benziner oder mit Plug-in-Hybrid

Der neue Multivan ist etwas breiter und niedriger als der Vorgänger und er soll es nach Auskunft eines Entwicklers in schöner Nutzfahrzeugeart die nächsten fünfzehn Jahre machen – solange eben Benziner und Diesel nachgefragt werden. Denn vor allem den Diesel schätzen sie bei VWN. Was in der Zwischenzeit noch kommt, weiß keiner so genau – am ehesten wird es eine Kooperation mit Ford sein. Schon heute gibt es für den T7 auch einen Plug-in-Hybriden, einen reinen E-Antrieb bietet aber erst der ID.Buzz, der nächstes Jahr auf den Markt kommt.

Außer der teilelektrifizierten Version – sie fährt rein elektrisch etwa 50 Kilometer weit – mit einer Systemleistung von 218 PS, werden noch ein Diesel (204 PS) und ein Benziner mit 136 PS angeboten. Letzterer war schon im T6.1 Mulitivan das meist verkaufte Aggregat. Erstaunlich, denn der Motor ist etwas schwach auf der Brust und im Anzug eher zäh.

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Ohne „Nutzfahrzeugeisen“ 200 Kilo leichter

Und das, obwohl der T7 „das ganze Nutzfahrzeugeisen, das der Privatkunde bisher mitschleppen musste“ verloren hat, wie es Fahrzeugentwickler Volker Böhnig ausdrückt. Das sind in der Summe immerhin rund 200 Kilo, was sich in einem reduzierten Spritverbrauch von etwa einem Liter niederschlagen soll.

Natürlich fährt sich der T7 nicht wie ein lupenreiner Pkw, sondern wie ein Van – was angesichts der deutlich erhöhten Sitzposition aber angenehm ist. Genauso wie das ganze Drumherum. Na ja, und die Hinterachse war ja schon beim T6.1 ein bisschen ruppig und damit ein kleines Problem. Aber beim Neuen bekommen sie das sicher in den Griff. Zumal mit DCC verschiedene Fahrprogramm angeboten werden. Da kann man ja auf Comfort stellen.

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