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Die Wohnmobilpioniere

Space-Camper – die Marke für die besonderen Bulli-Ausbauten

Kompaktes und vielseitiges Wohnmobil: der Space-Camper.

Kompaktes und vielseitiges Wohnmobil: der Space-Camper.

Darmstadt. Der mit der „Camping-Box“ von Westfalia ausgebaute VW Transporter T1 war vor mehr als 70 Jahren nicht nur der Urvater aller Reisemobile, mit seinen Nachfolgegenerationen bis hin zum T6.1 spielt er bis heute die erste Geige unter den kompakten Campern. Das zeigt sich in der Beliebtheit des hauseigenen VW California ebenso wie in dem breit gefächerten Angebot an Bulli-Ausbauten jenseits des Volkswagenerischen Eigengewächses.

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Zum größten externen Hersteller von VW-Campern hat sich längst die Darmstädter Manufaktur Space-Camper gemausert, die mit ihren rund 50 Mitarbeitenden jährlich mehr als 200 Campingbusse auf Basis des VW T6.1 produziert und seit ihrer Gründung im Jahr 2005 ihre ganz eigene Erfolgsstory geschrieben hat.

Dort, wo im Darmstädter Gewerbegebiet nämlich heute in Handarbeit die Space-Camper entstehen, war Mitte der 90er-Jahre der Geburtsort des Fahrradherstellers Riese und Müller. Mit hochwertigen, gefederten Klapprädern gestartet, wuchs die Firma in rasantem Tempo, entwickelte sich zur erfolgreichen Zweiradmarke sowie zum Technologieführer für Premium-E-Bikes und zog aus Expansionsgründen ins Darmstädter Umland nach Mühltal.

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Vom Fahrrad zum VW-Camper

Firmenmitbegründer und Maschinenbauingenieur Markus Riese, dessen Leidenschaft neben den Fahrrädern auch den VW-Bussen galt, beschloss nach einem Sabbatjahr in Australien – natürlich im selbst ausgebauten VW-Camper –, an der alten Wirkungsstätte ein weiteres Unternehmen zu gründen. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Ben Wawra sollten die Ideen zum Ausbau für VW-Busse mit der Marke Space-Camper professionell umgesetzt werden.

Ziel: ein Höchstmaß an Vielseitigkeit. Ein Allroundfahrzeug für Beruf, Alltag und Freizeit. Transporter, Camper, Familienbus und mobiles Büro in einem. In Fahrradsportler, Bauingenieur und Tüftler Wawra, der während des Studiums fünf Jahre lang in einem alten 68er Ford Transit gewohnt hatte und gleichfalls vom Campervirus infiziert war, hatte er den idealen Partner gefunden. Das Konzept ging auf.

Die erste und wichtigste Innovation, um sich von dem manifestierten California-Grundriss abzuheben, war eine spezielle Rückbankkonstruktion, die – längst patentiert – bis heute Herzstück jedes Space-Campers darstellt. Sie wiegt mit etwa 17 Kilogramm nur einen Bruchteil der California-Bank (ca. 90 Kilogramm), ist zweigeteilt, lässt sich in zwei Sekunden zum Bett und in knapp einer Minute ohne Werkzeug komplett ausbauen. Zudem hat sie eine breitere Liegefläche und kommt ohne Schienenführung im Unterboden aus. Das alles zusammen garantiert schnellen, unkomplizierten Umbau.

Das erste Aufstelldach mit Panoramafunktion

In den vergangenen 16 Jahren haben die Space-Camper aber auch noch mit vielen anderen Neuheiten auf sich aufmerksam gemacht. So waren sie die Ersten, die 2009 ein Aufstelldach mit einer Panoramafunktion auf den Markt gebracht haben. Dabei lässt sich die Vorderseite komplett öffnen, wird der Platz im Dachjuchhe zum idealen Aussichtspunkt. Außerdem entsteht auf Wunsch unter der geöffneten Heckklappe, aus der sich ein Zelt herausfalten lässt, wahlweise eine Duschkabine, ein Umkleidezimmer oder eine abgeschirmte Abstellfläche.

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Von Einfallsreichtum zeugen ebenfalls die Klapptoilette in der Schiebetür, die als Trockentoilette mit Einwegbeutelsystem zumindest für Notfälle geeignet ist, die Steckdose für den Außenstrom geschützt unter der Motorhaube oder ein Faltmülleimer, der sich ganz einfach am Vorderreifen befestigen lässt. Vor allem aber auch die Küchenkonstruktionen.

Die Marke Space-Camper bot als erste mit ihren „Open“-Modellen den Bulli auch mit einer zweiten Schiebetür auf der Fahrerseite an, was wiederum den Einbau eines nach außen schwenkbaren Küchenblocks ermöglichte. Zum neuen Modelljahrgang wurde dieses Küchenmodul, das sich auch komplett herausheben und als Freiküche verwenden lässt, für das Modell Classic-Open deutlich verbessert.

Vielfältige Küchenoptionen

Neben zwei Gaskochfeldern gibt es einen weiteren Trangia-Spiritus-Kocher, der optional ebenfalls mit Gas betrieben werden kann, zwei Waschbecken, zwei ausklappbare Tischplatten, herausziehbare Gewürzregale und integrierte Edelstahlfüße für einen sicheren Stand im Außenbereich.

Wer lieber unter der geöffneten Heckklappe kochen möchte, kann alternativ auch eine komplette Küche mit Kocher, Wasserversorgung und Kühlbox als Auszug im Heck bekommen. Heckauszüge sind in zwei unterschiedlichen Breiten von 40 und 60 Zentimetern sind allerdings auch maßgeschneidert auf häufig genutzte Transportkisten wie Euroboxen und Aluminiumkisten erhältlich.

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An diesen Beispielen kann man schon erahnen, dass es lange Sonderausstattungslisten gibt und aufgrund der zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten kaum zwei identische VW-Ausbauten die Darmstädter Produktionshallen verlassen. Die Basispreise für den Space-Camper Classic (67.255 Euro), den Classic Open (70.005 Euro), die 2300 bis 3000 Euro teureren Langversionen (plus 40 Zentimeter) und die 1000 bis 2000 Euro günstigeren Modelle der Baureihe Light und Light Open sind bestenfalls Orientierungspunkte. Markus Liebenau, bei Space-Camper für Vertrieb und Marketing zuständig, gibt auch unumwunden zu, dass mehr als zwei Drittel aller verkauften Space-Camper jenseits der 100.000-Euro-Marke liegen.

„Lieferfristen von zwölf bis 14 Monaten und mehr“

Corona hätte dem Unternehmen nicht geschadet, das Geschäft eher noch befeuert, sagt Liebenau: „Wir haben heute Lieferfristen von zwölf bis 14 Monaten und mehr.“ Lieferkettenprobleme würden das zudem negativ beeinflussen. „Doch unsere Kunden warten geduldig. Wer bei uns mit seinem Space-Camper vom Hof fährt, weiß, dass er nicht einfach ein Auto gekauft hat, sondern zur Familie gehört.“ Der Zuspruch beim „Tag der offenen Schiebetür“ in Darmstadt gibt ihm da recht. Wie die Belegschaft, die größtenteils mit eigenen Space-Campern unterwegs ist, beteiligt sich die Community mit ihrer Campingerfahrung aktiv an Entwicklungen.

Geschäftsführer Ben Wawra hat stets ein offenes Ohr für Anregungen, ist permanent am Tüfteln, lebt immer noch zeitweise im Bulli-Camper. Allerdings sieht er auch, dass mit dem absehbaren Auslaufen des T6.1 ein großer Einschnitt kommen wird. Den aktuellen T7 betrachtet er eher als weniger geeigneten Sharan-Nachfolger, und beim ID. Buzz sei noch Geduld angesagt.

„Der jetzige ID. Buzz ist noch zu kurz“

„Natürlich ist ein vollelektrischer Bus als Camper in diesen Zeiten sehr interessant, zumal etliche Kunden schon danach fragen“, erklärt Wawra. „Aber der jetzige ID. Buzz ist noch zu kurz.“ Für den Space-Camper müsse zwischen Frontsitzen und Bett immer noch genügend Stehraum zum Bettenbau vorhanden sein, und das sei wohl erst mit der später folgenden Langversion zu verwirklichen.

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Deshalb will Wawra auch gar nicht mehr ausschließen, dass die ausschließliche Konzentration auf den VW-Transporter als Basisfahrzeug bei Space-Camper bald ein Ende haben könnte. „Es muss allerdings mit unserem hochwertigen Ausbau zusammenpassen“, meint der Bauingenieur und will damit andeuten, dass er eher an Mercedes als beispielsweise an den Ford Transit denkt.

Demnächst auch Campen auf dem Rad

Aktuell ist der Tüftler allerdings mit einem anderen Projekt beschäftigt. „Seit drei Jahren arbeite ich an einer Übernachtungsmöglichkeit auf dem Fahrrad“, sagt er, will aber noch nicht verraten, was mit „AUF dem Fahrrad“ gemeint ist. „So habe ich jetzt drei Nächte im Wald übernachtet. Es war großartig“, berichtet er begeistert und vertröstet uns auf Januar: „Auf der CMT, denke ich, werde ich das fertige Produkt zeigen können.“

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