Lastenhelfer fürs Auto: Was man beim Anhänger-Kauf beachten sollte

  • Wer weder einen großen SUV noch einen Transporter besitzt, weiß sie zu schätzen – kleine Pkw-Anhänger.
  • Sie sind wirklich praktische Alltagshelfer.
  • Wer mit dem Gedanken spielt, einen zu kaufen, sollte allerdings nicht das vermeintlich günstigste Modell wählen.
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München. Mal eben den Gartenschnitt entsorgen oder sperrige Möbel wegbringen – mit einem Anhänger ist das schnell erledigt. Schon für wenige Euro können Kleinanhänger stundenweise gemietet werden. Wer regelmäßig einen braucht, für den lohnt sich möglicherweise aber auch der Kauf. Angeboten werden sie etwa von Baumärkten oder von Fachhändlern. Auf ist zu achten?

In der Klasse bis 750 Kilo Gesamtgewicht werden neue Anhänger bereits ab 400 Euro verkauft, sagt Burkhard Böttcher vom ADAC. „Allerdings haben wir bei einem Test feststellen müssen, dass bei sehr günstigen Anhängern sowohl Ausstattung als auch Verarbeitung nicht die beste sind“, sagt er. Bei zwei Anhängern hätten sich sogar die Achsen verschoben, was während der Fahrt zu gefährlichen Situationen führen könne. Wer sich für einen Kauf entscheidet, sollte in jedem Fall vorher prüfen, welcher Anhänger überhaupt der richtige ist.

Welcher Hänger taugt für wen?

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„Wer nur gelegentlich Grünschnitt wegbringen will, transportiert wenig Gewicht, entsprechend wird da ein kleiner Anhänger mit einer Achse ausreichend sein“, sagt Böttcher. Zudem müsse immer auch in den Fahrzeugpapieren nachgeschaut werden, wie viel Gewicht das Zugfahrzeug ziehen dürfe. „Hier wird zwischen gebremsten und ungebremsten Anhängern unterschieden“, so Böttcher.

Anhänger ab einem zulässigen Gesamtgewicht über 750 Kilo müssen über eine zusätzliche Bremse verfügen. „Das Zugfahrzeug wird hierbei durch eine Auflaufbremse entlastet, der Bremsweg verkürzt sich und die Fahrstabilität ist bei einer Vollbremsung höher“, sagt Unfallforscherin Stefanie Ritter von Dekra. „Ein weiterer Vorteil dieser Anhänger ist, dass sie durch die eigene Feststellbremse beim Abstellen gegen Wegrollen gesichert sind.“

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Die Auflaufbremse eines gebremsten Anhängers funktioniert mechanisch: „Bremst das Zugfahrzeug, betätigt die an der Anhängerkupplung befestigte Schubstange über ein Umlenklager Zuggestänge und Bremsseile, die die Trommelbremsen des Anhängers anziehen“, sagt die Ritter. Bei Pkw-Anhängern bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht kommen diese Auflaufbremsen zum Einsatz.

Doppelachse hält besser

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Wer regelmäßig schwere Sachen transportiert, für den kann auch ein Anhänger mit einer Doppelachse sinnvoll sein. Hier verteilt sich das Gewicht besser. „Der Nachteil dieser Anhänger ist aber, dass sie abgekoppelt auch in leerem Zustand nur schwer von Hand zu rangieren sind“, sagt Böttcher. Der Vorteil aber sei die höhere Zuladung.

Insgesamt ist das Angebot an Anhängern groß, wie auch die Spannbreite bei den Preisen. „Es gibt ganz einfache Einsteiger-Modelle für den kleinen Geldbeutel, wie sie viele Baumärkte anbieten“, sagt Michael Jursch vom Trailer Industrie Verband (TIV). „Wer mehr will, wird bei Fachhändlern fündig, die den Anhänger dann auch nach den persönlichen Bedürfnissen ausstatten können.“

Das Gewicht der Ladung entscheidet

Wichtig ist in jedem Fall, den Anhänger nicht zu überladen. „Hierzu sollte man vorher nach dem Leergewicht und der Nutzlast des Anhängers schauen, daraus ergibt sich die maximal erlaubte Zuladung“, sagt Stefanie Ritter. Wer sich hierbei unsicher sei, der könne auch vor dem Beladen auf eine öffentliche Waage fahren, um das Leergewicht zu ermitteln.

Geht es um die Qualität eines Anhängers, sollten Kunden genau hinschauen und dabei auch die Ausstattung im Auge behalten. „Gerade bei kleineren Anhängern wird gerne am Zubehör wie Befestigungs- oder Zurr-Ösen gespart. Es werden auch nach wie vor Anhänger mit 7-poligen Steckern verkauft“, sagt Böttcher. Im Unterschief zu den inzwischen meist üblichen 13-poligen wird hier beispielsweise das Rückfahrlicht nicht am Anhänger angezeigt. Ein Sicherheitsaspekt, der nicht zu unterschätzen sei.

Es muss nicht immer ein neuer Hänger sein

Wer einen gebrauchten Anhänger kaufen will, sollte sich die Technik genau anschauen: „Prüfen sollte man beispielsweise die Achse, die Reifen, die Elektrik und natürliche eventuelle Rostschäden. Ist der Hänger gebremst, sollte auch die Bremsanlage gecheckt werden“, rät Dekra-Expertin Ritter. Auch Scheuerstellen am Kabel seien relativ häufige Mängel. Ein Blick in die Papiere oder auf die Plakette auf dem Kennzeichen zeigt zudem, wann der Anhänger die letzte Hauptuntersuchung hatte.

„Alle Anhänger, die ein eigenes amtliches Kennzeichen haben, müssen alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung vorgeführt werden“, sagt Ritter. Dies gelte also auch für Kleinstanhänger, die im Straßenverkehr unterwegs seien.

Ohne Übung und gutes Packen wird‘s schnell brenzlig

Wer nur gelegentlich mit einem Anhänger unterwegs, sollte bedenken, dass sich das Fahrverhalten eines Autos durch die Last deutlich verändert. „Speziell wenn der Anhänger beladen ist, erhöht sich der Bremsweg deutlich und man muss entsprechen früher bremsen“, sagt Ritter.

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Sei die Ladung nicht gut verteilt, werde ein Gespann schnell instabil und es drohe Kippgefahr. „Schwere Teile beispielsweise sollten immer unten beziehungsweise eher weiter vorne positioniert werden, um die Stützlast voll auszunutzen, das verbessert die Fahrstabilität“, sagt Ritter. Mit der Stützlast ist das Gewicht gemeint, das maximal auf der Anhängerkupplung aufliegen darf.

Insgesamt nimmt die Zahl der Anhänger auf deutschen Straßen deutlich zu. Laut dem TIV steigt sie seit Jahren: „Allein 2020 sind rund 245 000 neue Anhänger zugelassen worden“, sagt Michael Jursch. Besonders beliebt seien nach wie vor die kleinen Anhänger bis 750 Kilo. „Daneben aber verzeichnen wir auch eine steigende Nachfrage nach Anhängern für Freizeit und Hobby, diesen Trend hat die Corona-Krise noch einmal verstärkt.“

Immer mehr Autofahrer würden die vielfältigen Möglichkeiten von Pkw-Anhängern für sich entdecken. Insgesamt schätzt der TIV die Zahl der in Deutschland zugelassenen Anhänger auf sieben bis acht Millionen.

Auch ein Blick in den Führerschein ist wichtig

Wer mit einem Führerschein der Klasse B fährt, darf mit dem Auto Anhänger bis 750 Kilo zulässiger Gesamtmasse ziehen. Anhänger darüber sind nur erlaubt, wenn die Summe der Gesamtmasse von Zugfahrzeug und Anhänger 3,5 Tonnen nicht übersteigt. Für größere Trailer mit einem höheren Gesamtgewicht ist der Anhängerführerschein BE erforderlich.

Für den müssen mindestens fünf zusätzliche Fahrstunden absolviert werden. Übrigens, egal wie groß oder klein ein Anhänger ist, er muss immer auch versichert werden: „Ein Anhänger ist ein eigenständiges Fahrzeug, das auch entsprechend versichert werden muss. Die bestehende Pkw-Versicherung deckt Schäden, die durch einen Anhänger verursacht werden, nicht ab“, sagt Jursch.

RND/dpa

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