Neuer Mobilitätstrend: Das Wunschauto gibt es jetzt auch im Abo

  • Der Automarkt steht vor einem neuen Megatrend – und der hat nichts mit der Antriebsart zu tun.
  • Fahrzeuge im Abonnement sind gerade in Corona-Zeiten eine beliebte und gänzlich stressfreie Alternative zu Leasing oder Finanzierung.
  • Attraktivstes Argument dabei ist der All-inclusive-Festpreis.
Gerd Piper
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In der Automobilindustrie bahnt sich mit dem Autoabo ein neuer Megatrend an. Durch die coronabedingten Einschränkungen hat die Idee einer individuellen sorgenfreien Mobilität im vergangenen Jahr einen ersten deutlichen Anschub erlebt, doch Experten wie der Duisburger Hochschullehrer Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) sehen hier die künftige Art der Autonutzung. „In zehn Jahren wird es 500.000 bis eine Million Autoabos pro Jahr geben“, ist Dudenhöffer überzeugt. Denn die Abos mit den kurzen Laufzeiten versprechen dem Kunden eine risikolose All-inclusive-Mobilität zum Festpreis.

Volvo als Vorreiter

Die Idee hinter dem Abogedanken ist einfach: Sämtliche Kosten, die für Anschaffung und Betrieb eines Autos entstehen, werden in eine monatliche Rate gepackt, sodass der Nutzer nur noch das zahlen muss, was er an Sprit tankt. Dazu kommen kaum oder gar keine Lieferzeiten. Und alles wird online übers Internet abgewickelt. „2018 haben wir das Abo als Pilotprojekt gestartet, das auf 200 Verträge limitiert war“, erinnert sich Volvo-Pressesprecher Olaf Meidt. Die Schweden waren damals der erste Hersteller, der das Autoabo in ein Geschäftsmodell gegossen hat: hohe Flexibilität durch kurze bis mittelfristige Laufzeiten, maximale Transparenz bei der Finanzierung und keinerlei Verpflichtungen für den Kunden. 2019 schloss Volvo 2385 Aboverträge ab, im vergangenen Jahr waren es bereits 2900.

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Dabei hat man eine überraschende Entdeckung gemacht: „90 Prozent der Abonnenten hatten vorher noch nie etwas mit Volvo zu tun und von den 90 Prozent kamen rund 50 Prozent von den deutschen Premiummarken zu uns“, sagt Meidt. Die Erkenntnis daraus: Offensichtlich hatte man mit dem Abogedanken einen Nerv getroffen – individuelle Mobilität, die den Kunden nicht langfristig bindet und ihm mit kurzen Kündigungsfristen ein hohes Maß an Freiheit garantiert. Und noch etwas war anders als bei den klassischen Finanzierungsmodellen: „Unsere Kunden sind durchschnittlich 53, 54 Jahre alt, bei den Abonnenten sank das Durchschnittsalter auf 45 Jahre“, sagt Meidt.

Topmarken drängen auf den Markt

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Heute tummeln sich eine ganze Reihe von Anbietern auf dem Abomarkt: Bei den Herstellern sind inzwischen auch Toyota, Hyundai und Seat mit an Bord. Volkswagen will vom Sommer an in sechs deutschen Städten mit Autoabos den Onlinevertrieb des elektrischen VW ID 3 testen. Dazu kommen etwa klassische Mietwagenfirmen wie Sixt, ein Versicherer wie Huk Coburg mit seiner Autowelt, aber auch junge Unternehmen wie beispielsweise finn.auto, Vivelacar oder cluno. Die Philosophie des finn.auto-Firmengründers Max-Josef lautet: Die Nutzung eines Autos muss so einfach sein wie ein Schuhkauf im Internet.

Im vergangenen Jahr sind die abgeschlossenen Verträge nach Recherchen von CAR auf 42.000 gestiegen – angefangen bei einmonatigen Abos bis hin zu Laufzeiten über viele Monate. Finn.auto gibt die Durchschnittslaufzeit mit zwölf Monaten an. „Unsere Kunden sehen das Abo nicht als temporäre Übergangslösung, sondern als langfristige Mobilitätslösung“, heißt es von dem Münchner Unternehmen. Laut Dudenhöffer beträgt die durchschnittliche Laufzeit für ein Autoabo sogar 18 Monate.

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Wer welches Auto bei welchem Unternehmen abonniert, hängt offensichtlich wesentlich von den persönlichen Präferenzen ab. Denn während CAR herausgefunden hat, dass beispielsweise der Anteil an Elektroautos mit unter 5 Prozent noch sehr gering ist, sprechen die Münchner von einer „starken Tendenz zu Elektroautos“ und beziffern deren Anteil auf knapp 30 Prozent.

Im Sommer ein Cabriolet, im Winter ein Geländewagen?

Dass die Altersstruktur ebenfalls schwankt, dürfte mit der größer werdenden Auswahl an Modellen zusammenhängen: Vom Kleinwagen über SUV bis hin zu sportlichen Oberklassenlimousinen ist inzwischen so ziemlich alles im Angebot. Im Sommer ein Cabriolet, im Winter ein Geländewagen? Das ist kein Problem mehr. „Zuerst waren die Abos auf die Autoeinsteigergeneration zugeschnitten“, sagt Jonas Wagner, ein Partner der Automobilberatung Berylls Strategy Advisors, „das ändert sich aber mit den wachsenden Modellpaletten. Das Abo wird auch für ein breiteres Publikum interessant.“ Nach CAR-Studien ist die überwiegende Zahl der Kunden gegenwärtig allerdings mit 25 bis 35 Jahren noch ziemlich jung, besteht zu 80 Prozent aus gut ausgebildeten Männern, lebt in den Städten und hat ganz offensichtlich ein relativ emotionsloses Verhältnis zum Thema Auto.

Der häufig geäußerte Gedanke, ein Autoabo sei am Ende des Tages teurer als eine klassische Finanzierung wie beispielsweise das Leasing und mache deshalb das Modell für die Hersteller auf Dauer nicht interessant, trifft nicht immer zu. In der Märzausgabe des CAR-Autoreports rechnen die Verfasser vor, dass beispielsweise ein BMW 5er Touring zum Listenpreis von 72.060 Euro beim Anbieter Cluno für eine Monatsrate von 674 zu haben ist – all-inclusive, versteht sich. Würde man das Fahrzeug kaufen und die Unterhaltskosten dazu addieren, käme man bei einer Vollkaskoversicherung und Schadenfreiheitklasse 30 auf monatlich 936 Euro. Dudenhöffer: „In vielen Fällen ist das Autoabo günstiger als eine selbst zusammengestellte Finanzierung.“ Werden die Autos am Ende der Abolaufzeit zurückgegeben, wechseln sie in den Gebrauchtwagenmarkt.

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