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Neue Verbrenner und Elektroautos: Volkswagen plant die kommenden Jahre „next to premium“

  • In den kommenden Jahren will Volkswagen mit seinen Elektromodellen zur weltweit begehrenswertesten Marke werden.
  • Technologien wie Augmented Reality und digitalisierte Cockpits will der Automobilhersteller schon in naher Zukunft bieten.
  • Den Preis will man trotzdem klein halten.
Gerd Piper
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Die geplanten Elektromodelle von Volkswagen haben mit Ausnahme des Logos nicht mehr viel mit den altbekannten Fahrzeugen aus Wolfsburg gemein. Elegant, sportlich, jung, das Spiel mit Licht und Farben – ein optischer Befreiungsschlag. So wollen sie von Wolfsburg aus die Autowelt verändern. Kühle Leisetreterei war noch nie die Sache der Wolfsburger.

Wenn es nach Volkswagen geht, wird man in den nächsten Jahren zur weltweit begehrenswertesten Marke, die in Großserie produziert: Technologie für alle, dem Klimawandel ein Schnippchen schlagen, und mit Vollgas über die Datenautobahn. Zwar räumt Markenchef Ralf Brandstätter ein, dass „die Anläufe von Golf 8 und ID.3 uns unwahrscheinlich viel Kraft gekostet haben“. Und auch um das eine Prozent des globalen CO₂-Ausstoßes, für das die Pkw-Modelle aus Wolfsburg verantwortlich sind, „müssen wir uns kümmern“. Doch für Sorgenfalten sorgt das in der VW-Chefetage nicht. Daran ändern auch die drohende Milliardenstrafe für das Verfehlen der Klimavorgaben oder das Schwarzbleiben von Bildschirmen in den neuen Modellen nicht viel. Denn der Blick in die Zukunft ist rosig.

Ullrich Hackenberg: der aussortierte ehemalige Entwicklungsguru und Chefstratege

Tatsächlich verfügen sie in Wolfsburg über so eine Art Nukleus, eine Wunderwaffe in der Entwicklung. Sie verdankt man einem Mann, der längst im Ruhestand lebt: Ullrich Hackenberg, einst Entwicklungsguru und Chefstratege, im Sog des Dieselskandals in Ungnade gefallen und aussortiert. Er erfand den Mobilen Querbaukasten (MQB), dessen Logik auch der neue Mobile Elektrobaukasten (MEB) folgt. Beide sind dehnbar wie Kautschuk und sorgen dafür, dass man bei der Entwicklung neuer Autos nicht immer wieder von vorne anfangen muss. Auf ihnen lassen sich viele Modelle von kurz bis lang ausrollen und das konzernübergreifend.

Der MEB sorgt dafür, dass bei den Elektroautos in kurzer Reihenfolge immer neue Modelle auf den Markt kommen: Nach dem ID.3 folgen ID.4 (2020) und ID.5 (2021), dann der ID.Buzz (2022) und vorerst schließlich der VW Aero (2023). Der letztgenannte bietet Platz wie ein Phaeton, schafft 700 Kilometer in einem Stück und beschleunigt wie ein Sportwagen. Denn das Potenzial, das der aktuelle VW-Entwicklungschef Frank Welsch im MEB sieht, lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: mehr Reichweite, mehr Beschleunigung, mehr Geschwindigkeit, die Plattform sei über viele Jahre skalierbar. Die Geschwindigkeit wird allerdings auf 180 km/h begrenzt bleiben, weil es sonst mit der Reichweite nichts wird. VW verspricht, dass man 2025 in zehn Minuten 300 Kilometer an Reichweite nachtanken kann. Fünf Jahre späten sollen mehr als 50 Prozent der Produktion auf rein elektrische Autos entfallen, 2050 schließlich will man klimaneutral sein.

VW will in naher Zukunft Augmented reality und digitalisierte Cockpits bieten

Auch wenn der ID.3 zum Produktionsstart mit erstaunlichen Qualitätsmängeln zu kämpfen hatte, verspricht VW zukünftig eine ganz neue Wertigkeit. Den Preis will man trotzdem klein halten. Das gehe durch große Volumina, reduzierte Ausstattungen und mehr Gleichteile. Was man da spare, werde in Qualität investiert, sagt Brandstätter und nennt das „next to premium“. Schon der Aero sei „wie eine Jacht“, meint Josef Kaban, der neue VW-Designchef als Nachfolger von Klaus Bischoff. Wie einst der Käfer und der Golf sei die ID-Familie die Antwort auf gesellschaftliche Fragen, sagt Kaban. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, an dem alles möglich ist.

Natürlich spielt da auch die Elektronik eine wichtige Rolle. Man müsse die Software zu einer eigenen Kompetenz machen, fordert der Chef und will mehr Unabhängigkeit von Lizenznehmern und Zulieferern. Was ganz nebenbei auch die Anfälligkeit der Elektronik vermindern würde. Augmented Reality, Updates over the air, digitalisierte Cockpits, verschwenderische Lichtprogramme und hochklassige Assistenzsysteme – das alles will VW schon in naher Zukunft bieten, in großen Stückzahlen für vergleichsweise schmales Geld.

Tiguan Generation 3 und Passat Nummer 9 sollen schon 2023 auf den Markt rollen

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Und da kommen die Verbrenner ins Spiel. Aus dem Schwanengesang auf die altehrwürdige Antriebstechnologie wird vorerst nichts, denn zum einen werden die Motoren künftig elektrisch unterstützt und zum anderen brummt das Geschäft. Fast jeder dritte Golf verfügt bereits über einen Plug-in-Hybridantrieb, jeder vierte ist ein Hybrid. Weltweit laufen Golf, Tiguan, Passat und Co. hunderttausendfach vom Band. Und deshalb wundert es niemanden, dass vom Tiguan Generation 3 bereits existiert ebenso wie vom Passat Nummer 9. Beide Fahrzeuge sollen 2023 auf den Markt rollen.

Die Fronten stammen schon aus dem Zeichenstift von Kaban. Zumindest der Tiguan fährt auffallend bullig mit einem ganz neuen Gesicht vor, dessen Motorhaube verblüffend der vom Porsche Macan ähnelt. In der stark nachgefragten R-Version kommen noch ein aggressiver Lufteinlass und ein angedeuteter Heckdiffusor dazu, sodass in der Summe von dem beliebten SUV bekannter Bauart nicht mehr viel bleibt. Das Interieur folgt der alten Designerregel „form follows function“, was den Einzug großformatiger Bildschirme und den Wegfall bekannter Schalter und Hebel bedeutet. Bilder gibt es zwar, doch hält VW sie aus gutem Grund unter Verschluss – gerade wurde Generation 2 generalüberholt. Ein VW-Sprecher: „Natürlich wollen wir zuerst diese Fahrzeuge verkaufen.“

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