Mustang Mach-E: Vom Rennpferd zum Zugpferd

  • Der Mustang Mach-E galoppiert los, bis 2030 will Ford dann seine gesamte Flotte elektrifiziert haben.
  • Dafür wird künftig auf die Zusammenarbeit mit VW gesetzt.
  • Auch selbstfahrende Autos sind bei den beiden Megaunternehmen Thema.
Gerd Piper
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Wie wird aus einem legendären Sportwagen ein SUV? Ford hat die Antwort darauf: Die Amerikaner haben ihr erstes personentaugliches Elektrofahrzeug entwickelt, vorne das berühmte galoppierende Pferd draufgeklebt, hinten die dreigeteilten Heckleuchten eingebaut und das Ganze Mustang Mach-E genannt. Neue Zeiten erfordern forsche Lösungen.

Der alte Mustang darf mit seinen acht Zylindern auch weiterhin rumblubbern und sich spätestens 2030 in Europa auf den Weg ins Museum machen, denn dann will der Hersteller seine gesamte Flotte auf dem alten Kontinent elektrifiziert haben. Damit haben die Amerikaner eine erstaunliche Kehrtwende hingelegt.

Exotenstatus soll abgelegt werden

Dass der neue und der alte Mustang aus zwei völlig unterschiedliche Fahrzeugwelten kommen, stört in der Kölner Deutschlandzentrale von Ford niemanden. Der Neue habe doch Power genug und sei sportlich ausgelegt, heißt es von dort. Und SUVs seien nun mal der gegenwärtige Megatrend.

Tatsächlich war das berühmte Ponycar die meiste Zeit US-Importware und wird erst seit einigen Jahren regulär von Ford Deutschland vertrieben. Den Exotenstatus konnte der Mustang hierzulande deshalb nie ganz ablegen. Das soll sich mit dem Mustang Mach-E ändern.

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Ford wurde „eingedeutscht“

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Ford zählt in Deutschland zu den alteingesessenen Marken. Kaum eine Familie, in der nicht irgendwann einmal ein Modell mit der Pflaume im Kühlergrill gefahren wurde. Schon 1926 wurden hierzulande die ersten Model-T zusammengeschraubt. Selbst im Zweiten Weltkrieg produzierte Ford Lkw für die Wehrmacht, was zu ziemlichen Verwerfungen mit der amerikanischen Mutter führte. Auch in der jungen Bundesrepublik war man schnell wieder so präsent, dass viele Ford als deutsche Marke ansahen – nachvollziehbar bei diversen Modellen mit dem Namen „Taunus“.

Erste E-Auto-Pläne liefen nicht ganz rund

Doch zuletzt tat man sich mit der Geschmeidigkeit vergangener Zeiten etwas schwer. Hybridfahrzeuge mit aufladbaren Batterien und Steckeranschluß sollten die Lösungen für die Zukunft sein, womit man klar gegen den Hauptstrom schwamm, der in Richtung rein elektrischer Modelle fließt. Für diese Strategie sprach die lückenhafte Infrastruktur an Lademöglichkeiten und die Tatsache, dass Verbrenner nach wie vor wie geschnitten Brot weggingen. In Kombination mit der attraktiven staatlichen Förderung beim Kauf eines Plug-in-Hybriden ein durchaus nachvollziehbarer Plan.

Kooperation von Volkswagen und Ford

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Doch dann machten sich die Konzernchefs von Volkswagen und Ford schöne Augen. Die am Markt konkurrierenden Unternehmen vereinbarten Zusammenarbeit, man schloss Verträge, seitdem stehen rein elektrische Modelle auch beim Ford ganz oben auf der Agenda. 2023 soll nun ein neuer elektrischer Kleinwagen von Ford auf den Marktkommen kommen – auf Basis des modularen Elektrobaukastens (MEB) von VW.

Von einem elektrischen Nachfolger des Fiesta ist die Rede. Auch auf dem Gebiet der leichten Nutzfahrzeuge arbeite man künftig zusammen. Entwickelt sich die Zusammenarbeit gedeihlich, wovon beide Seiten ausgehen, könnten noch mehrere Modelle mit Wolfsburger Hilfe aus der Pipeline purzeln. Denn der MEB ist bekanntlich flexibel.

Die Zeichen der Zeit wurden richtig gelesen

Mit der Elektrifizierung nimmt man es jedenfalls ernst. Ford-Sprecher Isfried Hennen: „Mit einer Investition von einer Milliarde Dollar in den Standort Köln werden wir dort das Schlüsselwerk in Sachen Elektromobilität für Europa bauen“.

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Welche Rolle der Mustang Mach-E im Portfolio dabei spielen wird, muss man abwarten. Mit 269, 294 und 351 PS und Reichweiten (je nach Batteriegröße) bis zu 610 Kilometern ist das Auto jedenfalls gut aufgestellt. Dass sich Ford Deutschland für die Präsentation ihrer zum SUV mutierten Legende Fahrzeuge von den Kollegen von Ford Europa mangels eigener Testwagen ausleihen musste, zeigt aber, dass es nach wie vor schwierig ist, ins Elektrozeitalter zu starten.

Andererseits ist die Zusammenarbeit mit VW ein deutliches Zeichen, dass man zumindest hier die Zeichen der Zeit richtig liest und dort zusammenarbeitet, wo es der Kunde nicht sieht: In den Elektro- und Elektronikbaukästen unterm Blech.

Selbstfahrende Autos als große Chance für die Zukunft

Denn auch VW profitiert von Ford: Die Amerikaner haben mit Argo AI einem Start-up ins Leben geholfen, dass sich auf autonomes Fahrsysteme spezialisiert hat. An dem sind die Niedersachsen inzwischen ebenfalls beteiligt. Erste selbstfahrende Autos sind bereits auf der Straße. Hier sehen beide Partner große Chancen für künftige Geschäftsmodelle. Der Zusammenschluss der beiden Konzernriesen auf den zwei wichtigsten Technologiefeldern der Branche dürfte bei manch einem Konkurrenten die Zukunftssorgen mächtig gesteigert haben.

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