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Klassische „bella macchina“

Maserati Ghibli: Diese Legende ist nicht zum Kuscheln da

Fürst der Finsternis: Der Maserati Ghibli. Es ist die Maschine unter der Motorhaube, die den Ghibli zur „bella macchina“ macht.

Fürst der Finsternis: Der Maserati Ghibli. Es ist die Maschine unter der Motorhaube, die den Ghibli zur „bella macchina“ macht.

Luxussportwagen oder Businesslimousine? Seitdem der Crossover-Gedanke die Grenzen zwischen den Segmenten verschwimmen lässt und den Herstellern viele Möglichkeiten eröffnet hat, ihre Modelle in die eine oder andere Richtung zu entwickeln, lässt sich diese Frage selbst im Fall eines Maserati Ghibli nicht mehr exakt beantworten. Vorne steht die heruntergezogene Motorhaube mit dem berühmten Haifischmaul ganz klar für den Sportwagen und hinten – nun ja, vielleicht doch eher Businesslimousine. Doch wenn der bei Ferrari gefertigte 3,0-Liter-Sechszylinder im Ghibli Modena S Q4 MY22 losfaucht, steht fest: Auch dieses Auto mit dem Dreizack-Logo gehört in die Krawumm-Liga.

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Bei Maserati tun sie sich mit dem Schritt in die elektrische Neuzeit schwer. Eine ellenlange Tradition im Motorsport und legendär blubbernde Achtzylinder in den diversen Supersportwagen haben eine Aura rund um diese Marke geschaffen, die so gar nicht ins Gesirre der Gegenwart passen will. Die Italiener, inzwischen unter dem Konzerndach von Stellantis beheimatet, gehen eher notgedrungen als überzeugt den Schritt ins Elektrozeitalter und wollen nächstes Jahr ihre ersten rein elektrischen Modelle präsentieren. Bis dahin müssen es noch die Sechs- und Achtzylinder richten, teilweise mit elektrischer Unterstützung. Fans der Marke können sich Schlimmeres vorstellen.

Klammer zwischen Sportwagen und Business Class

Dabei war schon der Ghibli eine gewisse Herausforderung, als er in der dritten Generation 2013 nicht nur als viertürige Limousine auf den Mark kam, sondern kurz darauf auch noch mit einem Diesel angetrieben wurde. Doch Seelenschmerz zählt wenig in der Autoindustrie, wenn der Markt nach Anderem verlangt. Der Dieselhype hat sich inzwischen erledigt, den Ghibli gibt es immer noch – er ist die Klammer zwischen den Sportwagen und der automobilen Business Class. Wobei die Leistung hier tatsächlich eine eher zweitrangige Rolle spielt. Denn die fällt beim Ghibli mit 430 PS zwar ordentlich aus, doch das bieten heute die meisten Modelle der bekannten Marken, zumindest in den oberen Fahrzeugklassen.

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Das Haifischmaul des Maserati Ghibli ist ebenso schön wie berühmt.

Das Haifischmaul des Maserati Ghibli ist ebenso schön wie berühmt.

Was macht den Maserati dann doch zum etwas Besonderem? Nun, da ist die aggressive Erscheinung. Schwarz wie die Nacht mit ebenso schwarzen 21-Zöllern an den Achsen signalisiert dieser Ghibli schon von Weitem: Ich bin nicht zum Kuscheln da. Das Haifischmaul ist ebenso schön wie berühmt, noch immer gibt es Menschen, die sich dort, wo es auftaucht, nach dem Fahrzeug umdrehen. Jeder, der sich für Autos interessiert und mal jung gewesen ist, kennt zumindest den Maserati GT. Für nicht wenige ist es der schönste Sportwagen, der jemals gezeichnet wurde.

Doch natürlich reduziert sich die Faszination Maserati nicht nur auf das Äußerliche. Mal abgesehen von dem üblichen elektronischen Schnickschnack, von dem auch jede Menge an Bord ist, gibt es ein paar sinnige Helfer wie beispielsweise ein mechanisches Hinterachsdifferential oder die kontinuierliche elektronische Dämpferanpassung, vor allem aber den intelligenten Allradantrieb. Im Fall der Fälle schaltet er die Vorderachse zu und sorgt im Zusammenspiel mit den anderen Komponenten dafür, dass der Fahrer in seinem ganzen Überschwang nicht unversehens dort landet, wo er eigentlich gar nicht hin will.

Wenn man ihn tritt, erledigt dieser Ghibli den Spurt in 4,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 285 km/h. Dann setzt der Ghibli zum Höhenflug an. Er rauscht wie wild drauflos, man spürt, wie seine Kraft vibriert, hört, wie sich die Leistung entfaltet. Es ist ein emotionaler Rundumschlag, wie ihn nur leistungsstarke Verbrenner bieten. Es ist die Maschine unter der Motorhaube, die den Ghibli zur „bella macchina“ macht, ihn aus dem Meer der Gewöhnlichen und Mittelmäßigen heraushebt.

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Maserati Modelle sind hierzulande Exoten. Unter den Modellen des italienischen Herstellers ist der Ghibli der meistverkaufte.

Maserati Modelle sind hierzulande Exoten. Unter den Modellen des italienischen Herstellers ist der Ghibli der meistverkaufte.

Die Wippe stärkt das Ego

Damit der Fahrer denkt, Herr über das Fahrzeug zu sein, kann er die Schaltzeitpunkte des Achtganggetriebes per Wippe bis zu einem gewissen Punkt selbst bestimmen. Das fördert das Fahrgefühl und stärkt das Ego, auch wenn die Automatik im Hintergrund nach wie vor Regie führt. Warum der Modena S Q4 MY22, der immerhin mit einem satten Grundpreis von 105.969 Euro (Testwagen: 128.341 Euro) in der Liste steht, nicht einmal über ein Head-up-Display verfügt, bleibt allerdings ein Rätsel.

Tatsächlich sind Maserati Modelle hierzulande Exoten, 2021 wurden ganze 716 Fahrzeuge der Marke zugelassen. Dass davon 30 Prozent auf den Ghibli entfallen, macht es für die Italiener auch nicht leichter. Und es gibt einen weiteren kritischen Punkt. Meine Frau, seit jeher eine versierte und manchmal viel zu schnelle Autofahrerin, sagt es so: „Für Mutti ist das nix.“ Ihr waren Ein- und Ausstieg für den Alltag einfach viel zu niedrig.

 

Maserati Ghibli Modena S Q4 MY22

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Motor: 3,0-Liter Sechszylinder Turbo

Leistung: 316 kW/430 PS

Max. Drehmoment: 580 Nm

Spitze: 285 km/h

0-100 km/h: 4,7 s

Verbrauch: 11,5 l Super

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CO₂: 261 g/km

Länge/Breite/Höhe: 4,97/1,95/1,46

Getriebe: Achtgang-Automatik

Kofferraum: 500 l

Preis: ab 105.969 Euro (Testwagen: 128.341 Euro)

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