Kosten, Typen, Regeln: Was Sie über Lastenräder wissen müssen

  • Mit einer Milliarde Euro soll der Bund zukünftig Lastenräder fördern, fordern die Grünen – pro Rad wären das 1000 Euro.
  • Damit treffen sie einen Nerv, denn die Transporträder entwickeln sich zum Trendobjekt.
  • Ein Überblick über die wichtigsten Fakten rund um Kauf und Handhabung.
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Es ist das Verkehrsmittel der Krise: das Fahrrad. Klimafreundlich, gesund, praktisch – und die Gefahr, sich radelnd mit Corona anzustecken, ist auch vergleichsweise gering. Aber nicht nur Fahrräder oder E-Bikes haben in der Corona-Zeit an Beliebtheit gewonnen, auch Lastenräder entwickeln sich immer mehr zum Trendobjekt. 2020 sind nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) erstmals mehr als 10.000 Modelle in Deutschland verkauft worden.

Dank des größeren Stauraums sollen Lastenräder vor allem Autofahrten ersetzen. Rund die Hälfte der Nutzer von Mietlastenrädern würde Transportwege sonst mit dem Auto zurücklegen, sagt der Fahrrad-Club ADFC. Gerade haben auch die Grünen verkündet, sich für die Förderung privater Transportfahrräder einzusetzen – mit bis zu 1000 Euro pro Rad. Bisher gab es für die Lastenträger – anders als bei E-Autos – nur im gewerblichen Kontext Subventionen.

Worauf sollten Menschen, die sich für den Kauf eines Lastenrades interessieren, achten? Und welche Regeln gelten? Ein Überblick.

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Welche Lastenräder gibt es?

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Grundsätzlich werden zwei Arten von Lastenrädern unterschieden: das Einspurige und das Zweispurige. Ersteres hat wie das klassische Fahrrad zwei Räder. Mit ihnen kann man laut Interessenverband ADFC auch Engstellen passieren und kommt zügig voran. Allerdings sind die Einspurer nicht ganz so standsicher, haben bei einer hohen Beladung eine geringere Fahrstabilität und relativ schmale Ladeflächen.

Eine Form des Einspurers ist der „Long John“, ein Tieflader. Die Ladefläche befindet sich zwischen Lenksäule und Vorderrad. Der „Backpacker“ hat dagegen einen langgezogenen Gepäckträger, auf dem man zum Beispiel zwei Kindersitze hintereinander montieren kann, aber auch übergroße Radtaschen oder lange Gegenstände wie Surfbretter.

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Eine Form des Einspurers ist der „Long John“, ein Tieflader.

Deutlich belastbarer sind dagegen die Zweispurer, sogenannte „Trikes“. Sie haben drei Räder und sind stabiler als die Einspurer. Die Fahrgeschwindigkeit wird allerdings trotzdem begrenzt, denn die beiden Vorderreifen verhindern ein „in die Kurve legen“. Kurven können so also nur sehr gemächlich gefahren werden. Auch schnelles Ausweichen ist schwierig.

„Trikes“ sind deutlich stabiler als die Einspurer. © Quelle: Annette Riedl/dpa

Egal welche Art von Lastrad – gerade bei schwererer Beladung kann eine Unterstützung durch einen Elektromotor sinnvoll sein. Das höhere Gewicht und die Ladung erhöhen – im Vergleich zu herkömmlichen E-Bikes – den Energieverbrauch. Der ADFC empfiehlt deshalb für die Picknicktour am Wochenende oder Vielfahrer einen Zusatzakku.

Wo kann man sich ein Lastenrad leihen?

Zu der Popularität der Lastenräder tragen besonders lokale, kostenfreie Leihalternativen bei. Es gibt zahlreiche Initiativen in ganz Deutschland, die Lastenräder verleihen. Einen guten Überblick gibt es auf Cargobike.jetzt. Die Agentur und Projektschmiede zur Förderung von Lastenrädern listet mehr als 120 Kommunen und 150 Sharingangebote auf, bei denen eine digitale Buchung oder die vollautomatisierte Ausleihe von Lastenrädern möglich ist.

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Das ist aber nicht immer so unkompliziert, wie es klingt. Denn die Nachfrage ist groß: Wer sich etwa über „fLotte“ in Berlin eines der 150 Fahrräder mit Transportfläche leihen möchte, muss auch mal zwei Wochen warten, wenn er oder sie zur Abholung nicht ans andere Ende der Stadt fahren will.

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Mit einem Cargobike unterwegs sein und das Gefühl haben, im Kleinlaster zu sitzen. Wie schlägt sich der Brummi des Radweges im Alltagstest?  © RND/Sebastian Hoff

Wie viel kostet ein Lastenrad?

Wer sich selbst ein Lastenrad anschaffen möchte, muss mindestens 1000 bis 1500 Euro in die Hand nehmen. Für Menschen, die einen E-Antrieb oder ein hochwertigeres Rad haben möchten, wird es nochmal deutlich teurer. Die günstigsten Modelle gibt es ab 3000 Euro. Das ist deutlich weniger als die meisten Autos kosten, leisten kann sich das trotzdem aber nicht jeder oder jede.

Förderprogramme gibt es bisher bundesweit nicht für Privatleute, einige Bundesländer und Kommunen haben aber eigene Programme für den privaten Bedarf aufgelegt. Für einen Überblick empfiehlt der ADFC das Portal „cargobike.jetzt“. Je nach Wohnort kann die Förderung mehrere hundert Euro extra bringen.

Was muss man beim Fahren mit dem Lastenrad beachten?

Ein Lastenrad ist zwar kleiner als ein Auto, aber unhandlicher als ein klassisches Fahrrad. Die Räder sind lang, breit und brauchen Platz – und gerade den gibt es in vielen Städten nicht. Bei engen Fahrradwegen kann es schwer sein, im Verkehr voranzukommen. Hat das Lastenrad keinen E-Antrieb, kann das Fahren bei längeren Strecken zudem schnell anstrengend werden. Besitzerinnen und Besitzer müssen auch dafür sorgen, dass das Fahrrad sicher abgestellt ist – gerade in der Innenstadt kann das zum Problem werden.

Außerdem ist die städtisches Infrastruktur häufig nicht für Fahrradverkehr ausgelegt. Der ADFC fordert daher den schnellen Ausbau von Fahrradwegen. „Noch mehr werden umsteigen, wenn die Infrastruktur nicht mehr in erster Linie fürs Auto gemacht ist, sondern den umweltfreundlichen Verkehr ins Zentrum rückt“, sagt Geschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider.

Wem die Energie trotz Motorisierung ausgeht, kann zumindest sein E-Lastenrad auch wieder aufladen. Der Autoclub ADAC verweist dazu auf die Liste der E-Bike-Ladestationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz von fahrrad.de.

Welche Regeln für Lastenräder gelten im Straßenverkehr?

Wer mit dem Lastenrad unterwegs ist, muss sich an dieselben Regeln halten wie andere Radfahrer. Das gilt laut ADAC auch für die E-Modelle, solange der Motor keine Geschwindigkeiten von mehr als 25 km/h unterstützt.

Wenn ein Fahrradstreifen vorhanden ist, muss dieser genutzt werden. Lastenräder dürfen nur auf die Fahrbahn ausweichen, wenn es unzumutbar ist, auf dem Radweg zu fahren – sonst droht ein Bußgeld ab 20 Euro.

Allerdings dürfen Lastenräder auch am Fahrbahnrand geparkt werden. Einzige Voraussetzung: Der Gehweg muss weiterhin nutzbar sein. Ladung, Tiere und Kinder müssen bei der Fahrt ordnungsgemäß gesichert werden.

kb/RND/dpa

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