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Küche, Bad und Zimmer auf engstem Raum: Kompakte Kastenwagen bei jungen Familien beliebt

  • Wohnmobile sind angesagt.
  • Gerade in Zeiten von Corona bieten sie die perfekte Mischung aus Urlaubs­gefühl, Mobilität und Social Distancing.
  • Im zweiten Teil unserer Camperserie stellen wir die Gattung der Kasten­wagen vor.
Michael Lennartz
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Auch wenn sie hier als Campervans, dort als Wohnvans und bei Knaus-Tabbert mit einer eigenwilligen Schöpfung als CUV (Caravaning Utility Vehicle) bezeichnet werden: Der nüchtern sachliche Ausdruck Kasten­wagen für die kompakten Wohn­mobile im Lieferwagen­look hält sich hartnäckig. Ungeachtet der verwirrenden Begrifflichkeit hat sich diese Gattung, mit der sich der zweite Teil unseres Wohnmobil­ratgebers befasst, zum treibenden Motor des anhaltenden Reisemobil­booms entwickelt – gerade in Corona-Zeiten.

Fast jeder zweite Käufer entscheidet sich aktuell für die kompakte Wagenklasse, zu der mit einem Anteil von 28 Prozent auch die Camping­busse zählen. Doch die Unterschiede zu VW California und Co. sind groß. Denn wirkliches Wohnen im Fahrzeug beginnt erst in Kastenwagen­dimensionen. Nach dem Motto „Raum ist in der kleinsten Hütte“ verbirgt sich hinter der Blechhaut eines Liefer­wagens praktisch eine Zweizimmer­wohnung mit Küche und Bad.

Kompakte Kastenwagen: Ein Tiny House auf Rädern

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Hier ist alles vorhanden, was für einen autarken Aufenthalt in freier Wildbahn notwendig ist: Vorn eine Sitzgruppe, meist für vier Personen mit drehbaren Frontsitzen und Zweierbank. Seitlich ein Küchenblock mit Zweiflammen­kocher, sodass nicht nur Eintöpfe oder Suppen auf der Speise­karte stehen müssen. Dazu große Frisch- und Abwasser­tanks, je nach Fahrzeug­größe mit 70 bis 100 Litern Fassungsvermögen. Das reicht für längere Intervalle zwischen den Entsorgungs­aktionen. Vor allem aber ist stets ein abgetrennter Sanitär­raum an Bord, der, und mag er noch so klein sein, über Dusche, Waschbecken und Kassettentoilette verfügt.

Nachteil: Aufgrund der größeren Abmessungen reduziert sich zwangsläufig die Handlichkeit, kann von Alltags­tauglichkeit keine Rede mehr sein. Bei über zwei Metern Höhe sind Tiefgaragen weitgehend tabu und mit einem sechs Meter langen 3,5-Tonner wird das Einparken am Straßenrand zur Herausforderung – sofern man überhaupt eine passende Parklücke findet.

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Wohnmobile im Lieferwagen­look: Die Details sind entscheidend

Der Fiat Ducato beherrscht mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent der Reisemobil-Neuzulassungen die Szenerie bei den Basis­fahrzeugen. Weil er mit seinen drei unterschiedlichen Radständen bei zahlreichen Herstellern, egal ob Vollsortimenter wie Hymer, Bürstner und Hobby oder Kastenwagen­spezialisten wie Marktführer Pössl, zum Einsatz kommt, wirken die Grundrisse auf den ersten Blick stereotyp, differenzieren sich aber über wichtige Details (Stauraum, Kühl­schrank, Heizung, flexible Bad­lösungen), Verarbeitungs­qualität und die Polster- und Möbel­auswahl.

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Die kürzeste Aufbau­länge mit 5,40 Metern ist mit einem quer eingebauten Doppel­bett im Heck ausgestattet. Die rund 6,40 Meter lange Alternative mit dem größten Radstand wartet mit Längs­einzelbetten auf, gewiss die komfortabelste Schlaflösung. Die dazwischen liegende, gängigste Sechsmeter­version des Ducato wird zwar überwiegend mit Querbett und entsprechend mehr Platz im Wohnraum angeboten, Knaus-Tabbert und Malibu offerieren die hierzulande beliebteste Konfiguration mit zwei Einzelkojen aber auch bei mittlerem Radstand. Kompensiert wird das mit kürzeren Betten und anderen platzsparenden Lösungen. Ob quer oder längs, die Betten lassen sich in der Regel immer hochklappen. Das schafft Stauraum, eventuell sogar für den Fahrrad­transport im Innern.

Aufstelldächer liegen im Trend

Auf die verstärkte Nachfrage nach Aufstell­dächern haben viele Wohnmobil­hersteller reagiert und die zusätzliche Schlaf­möglichkeit für zwei Personen im Dach als Option ins Modell­programm aufgenommen. Dieser Trend, der unter anderem auf das vermehrte Interesse bei jungen Familien mit Kindern zurückzuführen ist, treibt den Preis um jeweils 4000 bis 5000 Euro in die Höhe.

Bei aller Dominanz ist der Fiat Ducato aber kein Allein­herrscher, sondern kriegt durch neue Wettbewerber sogar vermehrt Gegenwind. Auf Augenhöhe etwa mit dem nahezu baugleichen, aber etwas günstigeren Citroën Jumper, auf den in starkem Maße Pössl und Hobby setzen, in einer Preisklasse darüber durch den VW Crafter und seinen Zwilling MAN TGE sowie vor allem durch den Mercedes Sprinter. Der Stuttgarter Transporter macht sich nicht nur in der Erwin-Hymer-Gruppe breit, sondern hält auch den Westfalia-Klassiker James Cook mit einem ungewöhnlichen Heck-slide-out am Leben und animiert sogar Premium­hersteller wie Frankia und die schwedische Marke Kabe zum Einstieg ins Kastenwagen­geschäft – mit bis zu sieben Meter langen Modellen nahe an der 100.000-Euro-Marke oder gar darüber.

Doch keine Angst: Kasten­wagen gelten eher als relativ preisgünstige Wohnmobil­klasse. Die Preis­skala beginnt für die 5,40-Meter-Versionen von Ducato oder Jumper schon bei rund 35.000 bis 40.000 Euro, wenn man bei Einsteiger­marken wie Carado, Sunlight, Etrusco, Challenger, Forster, Sun Living oder Weinsberg fündig wird. Qualitativ höher einzuordnende Marken wie Hymer, Malibu oder gar die hessische Manufaktur La Strada steigen etliche Tausender höher ein. Aber hier wie dort sollten weitere 5000 bis 10.000 Euro und mehr für Technik-, Sicherheits-, Assistenten- und sonstige -pakete hinzu­gerechnet werden.

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