E-Bikes und Pedelecs: Wie umweltfreundlich sind Elektroräder wirklich?

  • Die Produktion von Akkus belastet zwar die Umwelt, trotzdem können Elektroräder einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
  • E-Bikes und Pedelecs sind Expertinnen und Experten zufolge deutlich umweltschonender als Autos und öffentliche Verkehrsmittel.
  • Doch ein Umstieg vom Standardfahrrad auf ein E-Rad hat keinen Umweltnutzen, betont Miriam Dross vom Umweltbundesamt (UBA).
Sebastian Hoff
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Berlin/ Heidelber. Für den englischen Autor Mike Berners-Lee ist die Sache ganz klar: Es gibt kein umweltfreundlicheres Verkehrsmittel als das E-Bike. Selbst herkömmliche Fahrräder halten damit nicht mit. Denn die Energie, die fürs Treten benötigt werde, stamme aus Lebensmitteln, für deren Produktion und Transport viel CO₂ anfalle, erklärt er in seinem Buch „Wie schlimm sind Bananen – der CO₂-Abdruck von allem“: „Außerdem sind Elektromotoren bei der Umwandlung von chemischer Energie in Bewegung etwa viermal effizienter als die Beine des Menschen“, erläutert er.

„Steigt man vom Standardfahrrad auf ein E-Rad um, hat das keinen Umweltnutzen“

Andere Expertinnen und Experten kommen beim Vergleich von E-Bikes und Pedelecs mit Fahrrädern ohne Elektroantrieb zu anderen Erkenntnissen: „Pro gefahrenen Kilometer verursachen sie etwas höhere Umweltwirkungen als nicht motorisierte Fahrräder“, sagt Fabienne Wolf vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu). Das liege vor allem daran, dass für die Produktion der Akkus viel Energie verbraucht und CO₂ verursacht werde.

Lithium-Ionen-Akkus enthielten zudem unter anderem Kobalt, Nickel, Kupfer und Aluminium, sagt Miriam Dross vom Umweltbundesamt (UBA): „Deren Abbau geht häufig mit Belastungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt einher.“ Hinzu kommt, dass E-Bikes und Pedelecs in der Regel vergleichsweise schnell verschleißen, weil sie stärker beansprucht werden und die Elektronik anfällig ist. Dross gelangt deshalb zum Fazit: „Steigt man vom Standardfahrrad auf ein E-Rad um, hat das keinen Umweltnutzen.“

Nutzung von Pedelec anstelle von Auto spart etwa 90 Prozent der CO₂-Emissionen ein

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Ganz anders sieht es aus, sobald der Vergleich zum Auto gezogen wird: Unter Umweltgesichtspunkten liegen E-Bikes und Pedelecs in diesem Fall meilenweit vorn. „Die Nutzung eines Pedelecs anstelle eines Pkw mit Verbrennungsmotor spart etwa 90 Prozent der CO₂-Emissionen ein“, erläutert Wolf. Bereits nach 165 Kilometern, die mit dem E-Bike oder Pedelec statt mit einem Auto zurückgelegt werden, werde der CO₂-Ausstoß, der bei der Produktion des Akkus anfalle, kompensiert, ergänzt Dross. Noch besser sei die Bilanz, wenn Strom aus regenerativen Quellen verwendet werde.

Auch im Hinblick auf andere Schadstoffe schneiden E-Bikes und Pedelecs vergleichsweise gut ab: Lediglich 0,5 Gramm Stickoxide und 0,2 Gramm Feinstaub fallen bei einer Ladung des Akkus für eine Strecke von 100 Kilometern an. Auf derselben Strecke stößt ein durchschnittlicher Pkw das Zigfache aus, nämlich gut 30 Gramm Stickoxide und 0,36 Gramm Feinstaub.

E-Bikes und Pedelecs auch deutlich umweltschonender als öffentliche Verkehrsmittel

Der Umwelteffekt kommt vor allem dann zum Tragen, wenn E-Bikes und Pedelecs statt Auto, Bus oder Bahn benutzt werden. Einer Studie zufolge ist das bei etwa der Hälfte aller Fahrten der Fall. Weitere Vorteile des Radfahrens: Wer regelmäßig in die Pedale tritt, tut etwas für seine Gesundheit. Auf Kurzstrecken ist das Rad dem Auto zeitlich oft überlegen, allein schon weil die Parkplatzsuche entfällt. Die Kosten für die Anschaffung und den Unterhalt sind zudem um ein Vielfaches geringer. Dross‘ Fazit lautet deshalb: „Im Vergleich zum Auto sind E-Räder günstiger und zugleich ökologischer, gesünder, häufig schneller und definitiv platzsparender.“

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Aber wie sieht es im Vergleich zum E-Auto aus? Auch da haben Elektroräder beim Thema Nachhaltigkeit die Nase weit vorn: Einer Studie zufolge stößt ein E-Auto 15-mal so viel CO₂ aus. Ein E-Bike oder Pedelec zu fahren, ist auch deutlich umweltschonender, als öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. „Gegenüber dem ÖPNV können durch Verlagerung aufs Pedelec etwa 70 bis 80 Prozent der CO₂-Emissionen eingespart werden“, sagt Wolf.

Expertin: E-Bikes und Pedelecs können wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten

Fahrräder mit Elektroantrieb verbrauchen durchschnittlich eine Kilowattstunde Strom pro 100 Personenkilometer. Mittlerweile besitzt jedes dritte verkaufte Fahrrad einen Motor – Tendenz steigend. Ein Problem für die Stromversorgung bedeutet das aber nicht. Schätzungen gehen davon aus, dass künftig jährlich insgesamt 0,2 bis 0,3 Terrawattstunden Strom für die Nutzung von E-Bikes und Pedelecs verbraucht werden. Das entspricht aktuell weniger als einem Tausendstel des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland.

Für Dross können E-Bikes und Pedelecs einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn sie Pkw-Fahrten ersetzen: „Ein Potential besteht vor allem auf längeren Strecken, die aus Zeitgründen nicht mit dem Fahrrad gefahren werden“, sagt sie. Außerdem werden Elektroräder von Menschen genutzt, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen kein normales Fahrrad fahren können. E-Bikes und Pedelecs erweiterten den Aktionsradius von Zweirädern, ergänzt Wolf: „Gleichzeitig brauchen sie für jede transportierte Person deutlich weniger Platz als Pkw, was vor allem im städtischen Bereich wichtig ist.“

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So können Radfahrende ihre CO₂-Bilanz verbessern

Fahrerinnen und Fahrer von E-Bikes und Pedelecs können die Ökobilanz des Rades optimieren. Das fängt schon beim Kauf an: Das Umweltbundesamt rät dazu, möglichst langlebige Produkte mit langer Garantiezeit zu erwerben. Besonders gering ist die CO₂-Belastung bei Rädern, die in Deutschland hergestellt werden. Vergleichsweise umweltschonend ist auch die Nachrüstung eines herkömmlichen Fahrrades. Um die Leistungsfähigkeit des Akkus zu erhalten, sollten die Herstellerangaben beachtet werden. Muss er ausgetauscht werden, sollte der alte Akku sachgerecht entsorgt oder im besten Fall wieder aufbereitet werden. Der Strom fürs E-Bike oder Pedelec stammt möglichst aus regenerativen Quellen.

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