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Die verwirrende Vielfalt der Campervans: Wie kommen die großen Preisunterschiede zustande?

  • Die Caravaningbranche boomt. Das Angebot ist riesig, doch die Markenvielfalt verwirrt.
  • Fahrzeuge, die in allen Details gleich aufgebaut sind, werden zu teils stark unterschiedlichen Preisen verkauft.
  • Ein Vergleich des Forster V636 EB mit dem Eura-Van 635 EB zeigt, woran das liegt.
Michael Lennartz
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Die Caravaningbranche verzeichnet nicht erst in Corona-Zeiten ein kräftiges Wachstum. Sie boomt seit gut zehn Jahren. Die Pandemie war lediglich ein Beschleuniger, mit dem bereits im vergangenen Jahr die Rekordmarke von 100.000 neu zugelassenen Freizeitfahrzeugen in Deutschland geknackt wurde. Bis 2025 sagen alle Prognosen eine Verdopplung des aktuellen Rekordwerts voraus. Und immer mehr rücken die kompakten Kastenwagen oder Campervans in den Mittelpunkt.

Die vielen zu erwartenden Neueinsteiger haben es dabei nicht leicht. Das Angebot ist riesig, die Markenvielfalt verwirrend, und dass Fahrzeuge, die in allen Details vom Basisfahrzeug über Sitzgruppe, Küche und Bad bis zu Schlafmöglichkeiten gleich aufgebaut sind, hier für rund 40.000 Euro, dort aber für weit über 60.000 Euro angeboten werden, verunsichert Käufer. Was den durchaus berechtigten Preisunterschied ausmacht, worauf bei den aufpreispflichtigen Extras zu achten ist und welche Zusatzkosten man sich vielleicht sparen kann, zeigt ein Vergleich des Forster V636 EB mit dem Eura-Van 635 EB.

Eura-Van deutlich teurer als Forster-Van

Beide Campervans stammen aus dem Hause Eura-Mobil in Sprendlingen bei Bingen, basieren auf dem Fiat Ducato mit dem längsten Radstand und verfügen über eine nahezu identische Innenarchitektur, wie man sie auch bei fast allen Konkurrenten in dieser Wagenklasse vorfindet. Die drehbaren Sessel des Fahrerhauses bilden mit Zweierbank und Tisch eine Sitzgruppe für vier Personen. Hinter der Sitzbank befindet sich der mehr oder weniger große Sanitärraum mit Dusche und Toilette. Direkt gegenüber ragt bis in den Bereich der Schiebetür die Küche hinein. Und das Schlafzimmer im Heck besteht aus zwei Längseinzelbetten, die sich in den Kastenwagen zu einer breiten Liegewiese zusammenfügen. Aber warum beträgt der Endpreis bei dem Forster-Van lediglich 46.980 Euro, während für den Eura-Van satte 65.200 Euro hingeblättert werden müssen?

Es beginnt beim Basisfahrzeug Fiat Ducato, das bei beiden Modellen in der Serienausstattung lediglich die schwächste Ausbauform mit 89 kW/120 PS vorsieht. Für die nächsthöhere Leistungsstufe von 103 kW/140 PS fallen also zu den Grundpreisen von 40.800 Euro (Forster) und 55.950 Euro (Eura) schon mal 790 Euro Aufpreis an. Während Klimaanlage, Tempomat, die Traktionshilfe Plus, Captain-Chair-Sitze mit Armlehnen und sogar der Beifahrerairbag beim Forster summa summarum in zwei Komfortpaketen und weiteren Einzelposten mit 2800 Euro extra zu Buche schlagen, gehört das beim teureren Konzernbruder bereits zur Grundausstattung.

Serienausstattung des Eura-Vans wesentlich umfangreicher

Als weitere Sonderausstattung ist beim Forster-Van lediglich noch ein Aktivpaket mit elektrischer Einstiegsstufe, Mückengittertür und Fahrerhausverdunklung sowie ein Midi-Hebe-Kipp-Fenster im Frontbereich und eine Vier-Meter-Markise aufgelistet, was den Endpreis um weitere 2630 Euro auf insgesamt 46.980 Euro in die Höhe treibt.

Die Serienausstattung des Eura-Vans ist wesentlich umfangreicher. Von den Isofix-Gurtverankerungen für Kindersitze in der Zweierbank über eine geräusch- und wärmedämmende Isolierung in Dach, Boden und Seiten, Winterfestigkeit, den höherwertigen karosseriebündigen Rahmenfenstern und hinterlüfteten Oberschränken bis hin zu einem größeren 90-Liter-Kraftstofftank (75 Liter beim Forster). Und es bedarf keines besonderen Expertenblicks, um im Innenraum von der Materialanmutung her den Unterschied zwischen der Einsteigermarke Forster und dem Premiumanspruch von Eura Mobil zu erkennen.

Eura verwendet hochwertigen Mineralwerkstoff für Küchenarbeitsplatte

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Da wurde an der Materialauswahl nicht gespart. Das Mobiliar mit hellen Oberflächen wirkt einfach schicker und wird zur Stabilisierung mit Aluminiumprofilen verstärkt. Wer sich auf der Zweiersitzbank etwa gemütlich hinten anlehnt, drückt nicht gleich die dahinterliegende Wand zum Toilettenraum ein, dass sich die Tür von innen nicht mehr öffnen lässt – was zum Beispiel beim Forster der Fall ist.

Zudem verwendet Eura einen hochwertigen Mineralwerkstoff für die Küchenarbeitsplatte, in die auch das Spülbecken mit versenkbarem Wasserhahn integriert ist, und das Waschbecken im Bad. Auch die LED-Funktions- und Ambientebeleuchtung, die beheizten Frisch- und Abwassertanks oder die zwei Seitenfenster im Heck würden beim Forster den Preis weiter in die Höhe treiben. Und ein ganz dicker Posten wäre noch die Lithium-Bordbatterie mit 100 Amperestunden, die eine längere Autarkie vom Landstrom garantiert.

Fazit: Akribischer Vergleich lohnt sich, um so manchen Tausender zu sparen

Das alles macht es schon verständlicher, warum für einen Eura-Van 635 EB schon mal mindestens 56.000 Euro aufgerufen werden. Schließlich ist ein Audi A3 auch deutlich teurer als ein technisch eng verwandter Skoda Octavia. Dennoch ist damit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Gut, wenn weitere Optionen dann in preislich günstigeren Paketen zusammengefasst sind. Wie etwa das Mondiapaket für 3580 Euro, das neben Chassis- und Designdetails auch eine 120-Watt-Solaranlage, Faltverdunkelungen fürs Fahrerhaus und ein großes Panoramadachfenster beinhaltet. Zusammen mit der neuen Fiat-Neungangautomatik als dickstem Einzelposten in Höhe von 3790 Euro und der blauen Sonderlackierung (890 Euro) ergibt das den Endpreis von 65.200 Euro.

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Wenn die grundsätzlichen Vorgaben wie Basisfahrzeug, Leistung, Automatik oder Handschalter, 3,3 Tonnen Gesamtgewicht oder Auflastung auf 3,5 Tonnen und der Platzbedarf auf 5,40, 6,00 oder 6,36 Meter Länge erst einmal geklärt sind, geht es um die Materialauswahl, Verarbeitung und viele Ausstattungsdetails. Da kann ein akribischer Vergleich lohnend sein und so manchen Tausender sparen.

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