Wie gefährlich sind Brände bei Elektrofahrzeugen und was ist zu tun?

  • Wenn ein E-Fahrzeug brennt, sorgt das immer wieder für hitzige Diskussionen.
  • Geraten E-Fahrzeuge schneller in Brand? Und geht dann von ihnen eine besondere Gefahr aus?
  • Nein – sind sich die Experten vom Deutschen Automobilclub und dem Feuerwehrverband einig. Allerdings müssen beim Löschen von E-Fahrzeugen einige Besonderheiten beachtet werden.
Katrin Schreiter
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Hannover. Die Elektromobilität findet Schritt für Schritt mehr Nutzer. Doch Fahrzeugbrände, wie zuletzt der Großbrand in einem Busdepot in Hannover, bei dem auch mehrere E-Busse in Flammen aufgingen, sorgen für Verunsicherung. Geht von Elektroautos tatsächlich eine besondere Gefahr aus, wenn sie brennen?

„Grundsätzlich gilt, dass alle Fahrzeuge, die eine Zulassung bekommen, gesetzliche Anforderungen erfüllen müssen, die ein Höchstmaß an Sicherheit für die Fahrer garantieren sollen – ganz unabhängig, ob sie mit Benzin oder Diesel, Erd- oder Flüssiggas oder eben mit einer Batterie betrieben wird“, sagt Sprecherin des Allgemeiner Deutscher Automobil-Clubs (ADAC) Katharina Luca.

Stromfluss wird unterbrochen

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Das würde speziell für Elektrofahrzeuge bedeuten, dass die elektrischen Komponenten „eigensicher“ ausgelegt sein müssen. Im Klartext heißt das: „Wenn im System ein Defekt auftritt, wird so der Stromfluss der Batterie unterbunden“, erklärt Luca. „Kommt es zum Beispiel zu einem Unfall, wird die Batterie sofort automatisch von den anderen Hochvoltkomponenten und den Hochvoltkabeln getrennt, sodass dort keine Spannung mehr anliegt.“

Kritisch könnte es werden, wenn die Schutzmechanismen der Antriebsbatterie infolge eines schweren Unfalls verformt und damit beeinträchtigt worden sind. „Im schlimmsten Fall brennt die Antriebsbatterie und muss durch die Feuerwehr mit viel Wasser gelöscht werden“, sagt Luca. Die ADAC-Sprecherin betont: „Aber eine Selbstentzündung eines Elektroautos ohne externe Einwirkung währender der Fahrt, im Stand oder beim Laden aufgrund eines technischen Defektes ist extrem selten.“

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Auch der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) vertritt die Meinung, dass sich Elektrofahrzeuge hinsichtlich der Gefährdungsbeurteilung nicht von Verbrennern unterscheiden. „Einen Unterschied gibt es nur, wenn bei einem Unfall die Batterie betroffen sein sollte“, sagt Carsten-Michael Pix, Referent für Facharbeit/Specialist Fire Services beim DFV. „Aber dabei handelt es sich keinesfalls um ein unkontrollierbares Szenario!“

Viel Wasser, kein Löschschaum

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Während die Feuerwehr beim Brand eines herkömmlich angetriebenen Autos mit Diesel oder Benzin im Tank meist auf Löschschaum setzt, um so den notwendigen Sauerstoff zu entziehen, verhält es sich etwas anders, wenn ein E-Fahrzeug brennt. Bei Lithium-Ionen-Akkus ist laut dem Deutschen Feuerwehrverband Löschwasser das am besten geeignete Mittel. Dabei reiche es allerdings nicht, die sichtbaren Flammen des Feuers zu ersticken, erklärt DFV-Referent Pix. „Es muss der chemische Prozess unterbrochen werden.“

Hintergrund: Bei einem Brand wird vor allem im Inneren des Akkus Energie freigesetzt und der Brand könnte von Teilzelle zu Teilzelle überspringen. Nur durch eine möglichst frühzeitige und ausreichend lange Kühlung des Speichermediums kann dieses sogenannte thermische Durchgehen („thermal runaway“) verhindert werden. Löschmittel wie Metallbrandpulver, Sand oder ABC-Pulver würden aber keinen ausreichenden Kühleffekt erzielen. Deshalb ist in der Regel auch mehr Wasser zum Löschen nötig.

Kontrolle mit Wärmebildkamera

Außerdem sollte laut dem DFV die Temperaturentwicklung auch nach dem Ablöschen im Bereich der Batterie mittels Wärmebildkamera kontrolliert werden, um ein drohendes Wiederentzünden frühzeitig erkennen zu können. Demnach dauert es einfach länger, bis der Brand bei einem Elektroauto vollständig gelöscht ist. DFV-Referent Pix resümiert: „Es ist etwas aufwendiger, man braucht mehr Wasser, muss die Gefahrenquelle auch nach dem Löschen gut im Blick behalten – aber auch all das zusammen ist noch lange kein Weltuntergang.“

Zur Frage nach den giftigen Stoffen, die bei einem brennenden E-Auto freigesetzt werden können, meint DFV-Referent Pix: „Die Feuerwehr trägt bei jedem Fahrzeugbrand ihre volle Schutzausrüstung inklusive schwerem Atemschutz. Auch konventionelle Fahrzeuge produzieren hochgiftige Stoffe. So entsteht beim Verbrennen von Kühlmittel – egal welche Antriebsart – je nach verwendetem Kühlmittel beispielsweise Flusssäure. Auch hier gibt es keinen Unterschied zwischen elektrischem und nicht elektrischem Antrieb.“

Wohin mit der Batterie nach einem Brand?

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In der akuten Notfallsituation müsse die Feuerwehr oder die Polizei entsprechend anordnen, was mit dem E-Auto passiert, sagt Dr. Anita Schmidt von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (Bam). „Wenn die Batterie noch nicht vollständig verbrannt ist, aber im Fahrzeug verbleibt, darf es abgeschleppt werden“, erklärt die Chemikerin.

„Ist die Batterie jedoch vollständig verbrannt, muss sie in einer Gefahrgutverpackung mit Dämmmaterial und Innenverpackung transportiert werden.“ Die Entsorgung erfolgt dann in darauf spezialisierten Batterie-Recycling-Unternehmen oder durch Verbrennen im Hochofen.

Wie hoch ist das Risiko eines Brandes?

„Weil das Thema Sicherheit von E-Fahrzeugen in der Öffentlichkeit immer wieder und sehr unterschiedlich diskutiert wird, hat der ADAC zahlreiche entsprechende Tests durchgeführt“, sagt ADAC-Sprecherin Luca. Das Ergebnis: „Keines der aktuellen Elektroautos ist bislang bei einem Crashtest negativ aufgefallen. Im Vergleich mit herkömmlich angetriebenen Pkw ist die Sicherheit von Elektroautos wegen der optimierten Crashstruktur im Fahrzeug sogar oft besser.“

Ihr Fazit: „Ein brennendes E-Fahrzeug erregt viel Aufmerksamkeit, da die Technologie noch neu ist und die Menschen sowie Medien dementsprechend aufmerksam sind.“ Angst sei völlig unbegründet. ADAC-Sprecherin Luca: „Aktuell gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass Elektroautos mit oder ohne Unfalleinwirkung eher zum Brennen neigen als Autos mit Verbrennungsmotor.“

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