„Aggromobil“ wie aus dem Marvel-Universum: Warum der BMW XM so aussieht, wie er aussieht

  • Der neue BMW Concept XM sieht aus, als sei er Teil des Marvel-Universiums.
  • Ist er ein „Aggromobil“ oder zukunftsweisend?
  • Ein Autodesignexperte erklärt, wieso sich BMW für dieses Aussehen entschieden hat.
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Für Aufregung unter Autofans hat BMW gesorgt: Die Bayern präsentierten im Rahmen der Art Basel in Miami Beach ihr BMW Concept XM – ein mächtiges SUV, das direkt aus dem Marvel-Universum entstiegen zu sein scheint: ein riesiger Kühlergrill, scharfe Ecken und Kanten, an vielen Stellen aggressiv überzeichnet.

Das furchterregende Design wird von ebenso beängstigenden Leistungsdaten flankiert: 750 PS und ein Drehmoment von 1000 Newtonmetern dürften Angst und Schrecken auf der Straße verbreiten. Das mehr als fünf Meter lange, bereits als „Aggromobil“ bezeichnete Ungetüm markiert die vorläufige Spitze einer Formensprache in der Automobilindustrie, die für den Designprofessor Lutz Fügener „die Grenze des Grotesken“ erreicht hat.

„Die Hersteller folgen da einfach dem Marktdruck“

Fügener, der an der Hochschule Hof lehrt und in Deutschland als einer der führenden Experten in Sachen Autodesign gilt, sieht in dem BMW-SUV ein Produkt, wie es von den asiatischen und amerikanischen Märkten seit Jahren gefordert wird: „Das Auto wird so oder so ähnlich kommen“, sagt Fügener zum RedaktionsNetzwerk Deutschland, „die Hersteller folgen da einfach dem Marktdruck.“

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Und wie der seine eigenen Gesetze schafft, sei beispielhaft an der G-Klasse von Mercedes-Benz zu beobachten: 1979 als reiner Geländewagen konzipiert, hat sich die G-Klasse im Laufe ihres Lebens zum zeitweise teuersten Serienmodell der Stuttgarter entwickelt, mit zwölf Zylindern, bis zu 630 PS und Preisen jenseits der 200.000-Euro-Grenze.

Und das, obwohl die Fahrgastzelle bis auf die jüngste Generation beengt und unbequem und die Fahreigenschaften vergleichsweise eher mäßig waren. Fügener: „Die G-Klasse ist zum Lifestyleauto schlechthin geworden, die zeigt, dass sich nicht Schönheit, sondern Attraktivität verkauft.“ Alle Hersteller würden sich die Finger nach einem solchen Produkt lecken.

So sieht der BMW Concept XM SUV im Inneren aus. © Quelle: BMW

Angelehnt an US-Rapper-Kult

Was als attraktiv gilt, bestimmt der Geldadel in den asiatischen Ländern und den USA. „Und das wiederum ist angelehnt an die US-Rapper-Kultur, in der prahlerisch und aggressiv zur Schau gestellt wird, was man besitzt und wie man die Welt sieht“, sagt Fügener. Zwar sei es in der extremen Ausprägung eine Nische, „aber in der sind Riesenmengen an Geld unterwegs. Da handelt es sich um eine Populärkultur, die ihre eigene Bildsprache entwickelt hat“.

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Die großen, übermotorisierten SUV wären nach Überzeugung der Designspezialisten und -spezialistinnen hierzulande niemals ohne den Druck aus Übersee auf den Markt gekommen: „Sie sind aus den USA, den asiatischen Märkten und den Märkten des Ostens zu uns zurückgeschwappt.“

80 Kilometer rein elektrisch

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Dass man hauptsächlich die Märkte in Übersee im Blick hat, geben die Münchener ganz offen zu, wenn sie die Formensprache des Concept XM selbst als „das neue, progressive Frontdesign für die BMW-Modelle der Luxusklasse“ apostrophieren und von einer eigenständigen „Interpretation des Designs der BMW X Modelle sowie einer vollkommen neuen Form von Luxus“ sprechen und ankündigen: „Das Serienfahrzeug wird ab Ende 2022 im BMW Group Werk Spartanburg in den USA, dem wichtigsten Absatzmarkt für das neue High-Performance-Modell, produziert.“

Der BMW Concept XM SUV. © Quelle: BMW

Dass der riesige Bayer als Plug-in-Hybrid ausgelegt ist und tatsächlich 80 Kilometer rein elektrisch schaffen soll, dürfte lediglich ein wenig Kosmetik für den Klimaschutz sein. Warum ein Designelement wie der Kühlergrill inzwischen das beherrschende Teil in der Formensprache so vieler Automarken geworden ist, liegt laut Fügener an den Marktstrategen der Hersteller: „Es war eine reine Modeerscheinung des Marketings, dort wird das Design bestimmt. Bei vielen Hersteller steht der Grill für die Markenidentität.“

Kühlergrill als Zierelement

Tatsächlich ist ein Kühlergrill ein Karosserieteil, das eigentlich kein Auto wirklich braucht. Schon gar nicht, um den Motor zu belüften. Der Lufteinlass der meisten Modelle befindet sich unterhalb des Grills, der damit zum reinen Zierelement im Fahrzeugdesign geworden ist. „Es gibt genug Beispiele für Modelle, die ohne Kühlergrill auskommen wie der Citroën Cactus oder der alte Alfa Romeo Spider. Aber am bekanntesten dürfte der Elfer von Porsche sein, eine Sportwagenikone, die nie einen Kühlergrill gehabt hat“, sagt Fügener. Der 911 habe im Übrigen nie aggressiv ausgesehen.

Der Hochschulprofessor geht davon aus, dass die Entwicklung im Automobildesign zu immer aggressiver gezeichneten Modellen nicht ewig so weitergeht: „Das kippt wieder. Es braucht nur eine stilprägende Marke, die den ersten Schritt in eine neue Richtung macht. Dann sehen die anderen buchstäblich alt aus.“

Allerdings glaubt Fügener nicht, dass sich ein Umschwung automatisch mit dem Hochlauf der Elektromobilität ergeben könnte: „Bislang hat sich wenig verändert, da wird nur ein wenig kaschiert. Selbst ein kleines E-Auto wie der Renault Zoe hat ein klares, strenges Gesicht. Und sogar das Model S von Tesla hat einen angedeuteten Kühlergrill.“

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