Fahren auf Eis und Schnee: Rallye-Weltmeister gibt Tipps

  • Bei Eis und Schnee lassen manche Menschen das Auto lieber stehen.
  • Wer dennoch mit dem Wagen fahren muss, sollte besonders aufmerksam sein.
  • Hier gibt Rallye-Weltmeister Walter Röhrl Tipps, wie das Fahren bei Winterwetter sicher gelingt.
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Sankt Englmar. Niki Lauda nannte ihn ein „Genie auf Rädern“, Experten wählten ihn zum „Rallye-Fahrer des Millenniums“ und zum „besten Rallye-Fahrer aller Zeiten“. Die Rede ist von Walter Röhrl. Der zweifache Rallye-Weltmeister und vierfache Sieger der Rallye Monte Carlo begann 1968 das Rallye-Fahren. Mehrere Jahrzehnte war er schnell und sicher auf allen Untergründen unterwegs. Hier gibt er Tipps, wie Autofahren sicher bei Eis und Schnee gelingt.

Auto winterfest machen

Schon ab Anfang November sollte das Auto winterfest sein. Dazu zählt der richtige Zusatz für Frostschutz und Scheibenwischwasser für den Winter. Die Scheibenwischer arbeiten schlierenfrei und das Licht leuchtet einwandfrei.

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Auf den längst montierten Winterreifen liegt noch eine Profiltiefe von 4 Millimeter Minimum. „Die gesetzliche Mindesttiefe von 1,6 Millimeter bringt im Winter auf Schnee absolut nichts“, sagt Walter Röhrl. Wer in den Bergen oder besonders schneereichen Regionen unterwegs ist, packt passende Schneeketten in den Kofferraum. „Lenk- und Fahrmanöver funktionieren nur, wenn die Räder ausreichend Grip haben.“

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Freie Sicht

Vor der Fahrt müssen alle Scheiben von Schnee und Eis befreit werden – und zwar vollständig. „Durch kleine Gucklöcher können Autofahrer den Verkehr nur unzureichend beobachten und reagieren zu langsam. Das ist gefährlich und unnötig“, sagt der Rallye-Profi.

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Schuhe abklopfen und Jacke ausziehen

Schnee auf Jacken, Mänteln oder Schuhen schütteln Autofahrer und Autofahrerinnen vor der Fahrt gründlich ab, damit der Schnee nicht im Auto auftaut. Ansonsten beschlagen die Scheiben schneller und die Lüftung muss stärker arbeiten. Dicke Wintermäntel schränken die Bewegungsfreiheit ein, zudem sitzen sie nicht optimal am Körper. „Dicke Handschuhe und Mützen haben im Auto am Fahrer nichts zu suchen. Das Lenkrad wird nicht griffig gehalten und die Mütze kann die Sicht behindern“, sagt Walter Röhrl.

Ex-Weltmeister und Fahr-Profi: Walter Röhrl gibt Tipps fürs Autofahren im Winter. Die dicke Jacke zieht er vor dem Losfahren aber immer aus. © Quelle: Timm Schamberger/dpa/dpa-tmn

Korrekte Sitzposition und Lenkrad einstellen

„Mit komplett durchgestreckten Armen am Lenkrad zu reißen, hilft nicht weiter. Die richtige Sitzposition ist immer wichtig“, sagt Walter Röhrl. Fahrer und Fahrerinnen müssen mit fast gestrecktem Bein die Bremse voll durchtreten können. Es darf nur ein Restbeugewinkel im Knie bleiben. Die Oberschenkel liegen dabei so weit wie möglich auf dem Sitz, ohne dass die Vorderkante der Polsterung drückt und die Blutzufuhr abschneidet.

Bei der idealen Lenkposition liegen die Hände auf drei und neun Uhr und die Ellenbogen sind leicht gebeugt. Das obere Ende des Lenkrads muss noch erreichbar sein, ohne dass man sich aus dem Sitz heben muss. Dabei liegt der Rücken so weit wie möglich an der Lehne. Damit der Kopf- und Nackenbereich bei einem Aufprall nicht verletzt werden, schließt die Kopfstütze am oberen Rand mit der Scheitelhöhe ab und ist so nah wie möglich am Hinterkopf platziert.

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Geschwindigkeit anpassen und vorausschauend fahren

Das Wichtigste bei Schnee und Eis ist die angepasste Geschwindigkeit. Nur wer langsam fährt, hat ausreichend Zeit zu reagieren und kann sich auf die winterlichen Anforderungen einstellen. „Wer zu schnell auf eine Kurve zufährt, der kann den Wagen kaum noch beherrschen. Mensch und Maschine können die physikalischen Grenzen nun einmal nicht überlisten“, sagt Rallye-Profi Röhrl.

Bei Schnee orientieren sich Autofahrerinnen und Autofahrer häufig an der dunklen Fahrspur, aber die ist oftmals blankes Eis. Bei einer geschlossenen Schneedecke haben die Winterreifen ein paar Zentimeter neben der Rinne meist mehr Haftung.

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So wenig lenken wie möglich

Gerade bei Schnee gilt: noch mehr Gefühl als sonst. „Bei glattem und rutschigem Untergrund fährt derjenige flüssig, der gefühlvoll mit Gas, Kupplung, Bremse und Lenkung umgeht“, sagt Walter Röhrl. Also weicher beschleunigen und bremsen und weicher einlenken. Bei einer Vollbremsung hilft aber nur, mit voller Wucht aufs Bremspedal zu steigen, damit das Antiblockiersystem (ABS) so schnell und so effizient wie möglich eingreifen kann.

Keine Panik, wenn das Auto rutscht

Wenn ein Auto rutscht, kann es die Geschwindigkeit nicht mehr tragen. Dann müssen Piloten und Pilotinnen versuchen, Gas wegzunehmen und sanft zu bremsen. Dank ABS lässt sich das Auto in der Regel noch lenken. Wichtig: Die Reifen zeigen immer in die Richtung, in die das Auto fahren soll. „Wenn Autofahrer gegenlenken können, dann bitte wenig, meist reicht eine viertel Lenkradumdrehung, damit das Auto wieder dorthin fährt, wo es hin soll“, sagt Röhrl.

Hektisches Lenken und Bremsen verschlimmert die Situation nur. „Wie viel gegengelenkt werden muss, hängt davon ab, wie schnell ich fühle, dass das Fahrzeug hinten die Haftung verloren hat – je früher, um so weniger, wer‘s spät fühlt, um so mehr“, sagt Röhrl.

Vorbereitung und Fahrsicherheitstraining

Wer noch nie mit dem Auto an seine physikalischen Grenzen gekommen ist, sollte es bei einem Fahrsicherheitstraining ausprobieren. In Österreich ist das für Führerscheinneulinge sogar Pflicht. Bei Fahrsicherheitskursen wie etwa vom ADAC lernen Autofahrende unter anderem, wie sich ein Fahrzeug bei Glätte verhält und wie sie sich in Grenzsituationen richtig verhalten. Gegenlenken und driften will geübt sein.

„Wer das noch nie ausprobiert hat, sollte das auf öffentlichen Straßen auch nicht machen. Das klappt in den seltensten Fällen“, sagt der Profi. Nach einem Fahrsicherheitslehrgang erlangen Autofahrerinnen und Autofahrer ein neues Verhältnis zum Auto – weil sie es besser verstehen.

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Häufige Fehler

Schnee, Eis und glatte Straßen verlangen von Fahrern und Fahrerinnen erhöhte Aufmerksamkeit und volle Konzentration. Dazu gehören auch das Vorstellen und Mitdenken von neuen Situationen.

Auf Brücken kann ein heftiger Seitenwind aufs Auto drücken, in einem Waldstück kann plötzlich die Fahrbahn vereist sein oder nach einem Waldstück plötzlich Schnee auf der Straße liegen. Auf solche Situationen sollten Autofahrende immer vorbereitet sein, um direkt reagieren zu können. „Die Gedanken müssen während der Fahrt beim Autofahren sein und nirgendwo anders“, sagt Röhrl. Schnee muss nicht unbedingt rutschig sein. Kalter, festgefahrener Schnee kann noch ausreichend Haftung und damit gute Fahrbarkeit bieten. Bei matschigem Schnee wird es rutschiger, das muss man einkalkulieren.

Wann bleibt das Auto stehen?

Bei Blitzeis fährt selbst ein Rallye-Profi kein Auto mehr: „Auf einer abschüssigen Straße wird der Pilot bei Blitzeis nur noch zum Passagier. Er kann das Auto nicht mehr steuern“, sagt Röhrl. Vernünftiger ist es dann, ein paar Stunden zu warten, bis das Eis entweder getaut ist oder Schnee die glatte Oberfläche wieder befahrbar macht.

RND/dpa

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