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Zum 75. Geburtstag von Pippi Langstrumpf: ZDF zeigt das wunderbare Biopic “Astrid”

  • Astrid Lindgrens berühmte Figur Pippi Langstrumpf wird 75 Jahre alt.
  • Das ZDF-Biopic “Astrid” erklärt die Kinderbuchautorin auf wunderbare Art anhand einer Handvoll harter Jugendjahre.
  • Es wird das Bild einer selbstbewussten, aber nicht aufrührerischen Frau gezeichnet, die früh widerspricht, ohne offen den Konflikt zu suchen.
Jan Freitag
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Den Anfang vom Ende her zu erzählen zählt seit “Citizen Kane” zum Standardrepertoire biografischer Filme, weshalb kaum ein Biopic sein Pferd noch von vorn aufzäumt. Auch eines über Astrid Lindgrens Leben beginnt daher kurz vor dem Tod der Schriftstellerin, als sie die Geburtstagspost ihrer kleinsten Leser öffnet. Selbst gemalte Bilder, Wünsche aus der halben Welt und dann noch diese Kassette. Warum, möchte der Absender wissen, “kannst du so gut darüber schreiben, wie es ist, ein Kind zu sein, obwohl das schon so lange her ist?”. Gute Frage.

Die beste Antwort darauf gibt Regisseurin Pernille Fischer Christensen in den nächsten zwei Stunden ihres wunderbaren Biopics “Astrid”: Während die alte Lindgren dem jungen Fan des 21. Jahrhunderts lauscht, reist sie gedanklich zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Es ist eine sittenstrenge, entbehrungsreiche, jugendfeindliche Zeit. Also keine schöne, so scheint es, für den eigensinnigen Teenager aus der gottesfürchtigen Bauernfamilie Ericsson im schwedischen Vimmerby.

Astrid Lindgren wächst in einer Welt voller Regeln und Verbote auf

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Astrid Lindgren wächst im protestantischen Kernland auf – einer Welt voller Regeln und Verbote, denen sich zu widersetzen Schwierigkeiten bereitet. Oder war es doch die denkbar beste Welt für sie und ihre Fantasie und Kreativität, der Nährboden und Ursprung für ihre unsterblichen Figuren? 75 Jahre wird Lindgrens Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf in diesem Jahr alt.

Nach eigenem Drehbuch fügt die Filmemacherin ein Puzzle gut überlieferter Teile zusammen, die keine Wahrheiten zeigen, sondern allenfalls Pfade dorthin. Es sind die einer unzeitgemäß selbstbewussten, aber nicht aufrührerischen Frau, die früh widerspricht, ohne den offenen Konflikt zu suchen. Und zum Glück öffnet die Regisseurin nur ein kleines Zeitfenster ins Dasein dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit.

Kind heimlich zur Welt gebracht

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“Astrid” beschränkt sich auf vier, fünf Jahre vom Volontariat beim verheirateten Zeitungsverleger Blomberg (Henrik Rafaelsen) bis zum Ringen ums gemeinsame Kind, das der Teenager im Korsett jener Tage heimlich zur Welt bringen und bei einer dänischen Pflegemutter (Trine Dyrholm) abgeben muss. Als die Hoffnung aufs Glück mit Lasses Vater schwindet, nähert sie sich dem entfremdeten Kleinkind alleine an – und zeichnet den Weg zur berühmtesten Kinderbuchautorin überhaupt damit fast ohne Literatur, aber mit angemessener Alltagsdramatik nach.

Wenn beim Kirchgang Milch aus ihrer puritanisch abgebundenen Mutterbrust schießt, kämpft Astrid Ericsson schließlich noch nicht für selbstbewusste Kinder, sondern gegen die Misogynie einer bigotten Gesellschaft.

Alba August verleiht Astrid Lindgren unaufdringliche Durchschlagskraft

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Und dass Schauspielerin Alba August, bekannt geworden mit der Netflix-Serie “The Rain”, dieser pragmatischen Feministin dennoch so unaufdringliche Durchschlagskraft verleiht, liegt gewiss auch an den Eltern der dänisch-schwedischen Hauptdarstellerin. Bille und Pernilla August haben ihrer Tochter nämlich nicht nur ein außergewöhnlich verschwiegenes Gesicht in die Wiege gelegt, sondern auch noch das passende Talent, Gefühle diskret aufwallen und dann explodieren oder halt abklingen zu lassen.

Wenn die junge Astrid auf der Kirchbank rebelliert oder beim Tanztee, am Esstisch oder im Bett, muss man sich Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Räubertochter Ronja und den propellerbehafteten Dachbewohner Karlsson sowie die Kinder von Saltkrokan und Bullerbü also eher zwischen den Zeilen dieser Coming-of-Age-Geschichte zusammensuchen. Aber wenn die junge Reporterin bei der Feldarbeit erzählt, gerade über Jungs zu schreiben, die einen Freund an der Fahnenstange gehisst haben, geht einem ganz ohne Geigenteppiche das Herz auf.

Dass die starke Frau Ericsson am Ende den netten Herrn Lindgren trifft – geschenkt. Der vielfach preisgekrönte Film “Astrid” bleibt das denkbar beste Biopic einer denkbar großen Persönlichkeit.

“Astrid” läuft am Donnerstag, 21. Mai, ab 20.15 Uhr im ZDF.

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