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ZDF-Thriller „Außer Kontrolle – Halt nicht an!“: Blanker Horror mit Logiklücken

  • Alles beginnt mit einer Autofahrt der Vorzeige-Mittelschichtfamilie um Vater Hans.
  • Doch daraus wird im ZDF-Film „Außer Kontrolle – Halt nicht an!“ (12. Juli) schnell der blanke Horror. Ein anderer Autofahrer, mit dem Hans aneinandergerät, entpuppt sich als sadistischer Killer.
  • Um den Horrorspaß zu genießen, muss man jedoch über Logiklücken hinwegsehen, findet RND-Kritiker Ernst Corinth.
Ernst Corinth
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Wer bereit ist, Logiklöcher so groß wie die Nordsee zu übersehen, der wird mit diesem niederländischem Horrorthriller seinen Spaß haben. Inszeniert hat „Außer Kontrolle – Halt nicht an!“ der bei uns weitgehend unbekannte Regisseur Lodewijk Crijns. Zu sehen gewesen ist der vor zwei Jahren produzierte Kinofilm bisher nur auf DVD. Nun läuft er also im Spätprogramm des ZDF und in der Mediathek, dort allerdings wegen seiner Freigabe ab 16 Jahren erst ab 22 Uhr. Was angesichts zahlreicher, jedoch erstaunlich unblutiger Gewaltszenen durchaus verständlich ist. Zumal er im Lauf der anfangs eigentlich alltäglichen Geschichte langsam eine Atmosphäre entwickelt, die nicht nur latent unheimlich, sondern richtig beängstigend ist.

Der Horror beginnt, wie es sich in diesem Genre gehört, mit Szenen, die jeder und jede kennt und wohl die meisten auch schon einmal erlebt haben: Die vierköpfige Vorzeige-Mittelschichtfamilie um Vater Hans (Jeroen Spitzenberger) und Mutter Diana (Anniek Pheifer) ist mal wieder gewaltig im Stress. Das Paar hat versprochen, seine Eltern zu besuchen, pünktlich zum Mittagessen mit horrorgerechter Haferflockensuppe. Oh, Graus! Und da Diana einfach nicht in die Gänge kommt, müssen sie sich nun plötzlich fürchterlich beeilen. Entsprechend aggressiv und viel zu schnell fährt Hans Auto, dabei immer einen Finger auf der Lichthupe, um Langsamfahrer zum Spurwechsel zu nötigen. Zwischendurch ruft auch noch seine Mutter mehrfach an, fragt, wann sie endlich ankommen. Hans wird immer genervter und hektischer.

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Beschimpfungen und bedeutungsschwangere Verwünschungen

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Als dann noch ein weißer Lieferwagen, der mit korrekter Geschwindigkeit vor ihm fährt, nicht auf ihn reagiert, obwohl er hupt und dicht auffährt, platzt Hans endgültig der Kragen. Er überholt den Van rechts und zeigt dem Fahrer (Willem de Wolf) einen Vogel. Das soll sich schnell rächen – schon beim nächsten Tankstopp treffen beide Parteien wieder aufeinander. Hans wird von dem Fremden aufgefordert, sich für seine Fahrweise zu entschuldigen. Natürlich lehnt er als echter Mann und Autofahrer ab. Es folgen gegenseitige Beschimpfungen und bedeutungsschwangere Verwünschungen.

Doch das ist nur der harmlose Auftakt für eine immer unheimlicher werdende Geschichte, in der der Regisseur mit Gewaltfantasien spielt. Bösen Fantasien, mit denen wohl mancher Zuschauer schon ähnlich auf eine solche Situation reagiert hat – ohne sie dann auszuleben. Genau das macht aber diese fremde Mann, der sich als sadistischer Killer entpuppt. Allerdings ein übertrieben ordnungsliebender Killer, der glaubt, im Recht zu sein. Und sich daher auch das Recht nimmt, Verkehrssünder zu erziehen und bestrafen. Wobei seine Mittel alles andere als fein sind. Seine „Spezialität“ ist nämlich eine Druckluftwaffe, mit der er vermutlich Unkrautvernichtungsmittel auf seine Opfer sprüht.

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Verfolgungsjagd endet im blanken Terror

Während man beginnt, als lernwilliger Zuschauer über den pädagogischen Zweck einer solchen Strafe nachzugrübeln, entwickelt sich derweil im Film eine Verfolgungsjagd mit allen Schikanen, die bald im blanken Terror endet. So weit, so gut. Kann man ja machen! Und die erste Hälfte des Films ist auch tatsächlich ein ordentlicher Horrorspaß. Doch im zweiten Teil werden dem Zuschauer Dinge aufgetischt, die so unlogisch sind, dass es fast unfreiwillig komisch ist, und der Film beinahe zur Parodie wird. Besonders, wie sich dabei Hans in vielen Situationen verhält, macht keinen Sinn. Und dass sich ein Allrad-SUV wie Hans‘ Volvo in leicht lockerem Boden völlig festfährt – auf die Idee muss man erst einmal kommen.

Mehr wollen wir hier aber nicht verraten. Jedenfalls endet die Horrorfahrt schließlich im Hause der Eltern von Hans. Doch dummerweise kommt der Killer als Erster an. Und macht dort, was er eben machen muss. Aber selbst das ist für einen echten Psychopathen mit der Lizenz zum Töten ziemlich stümperhaft. Dennoch, unterhaltsam ist das Ganze, allerdings ohne Sinn und Verstand. Doch der Schlussgag ist richtig gut – und verhindert gnädigerweise eine Fortsetzung des Spektakels.

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„Halt nicht an!“ läuft am 12. Juli ab 22.15 Uhr im ZDF.

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