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„Nord Nord Mord: Sievers und der schwarze Engel“: Düstere Stimmung statt Humor

  • Eigentlich ist die ZDF-Reihe „Nord Nord Mord“ für ihren Humor und Witz bekannt.
  • Doch in der neuen Folge „Sievers und der schwarze Engel“ geht es erstaunlich düster zu.
  • Doch auf die friesische Gelassenheit ist immer Verlass.
Ernst Corinth
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Da hätte man eigentlich mehr erwartet. Schließlich gelten die Drehbuchautoren Jan Hinter und Stefan Cantz als Miterfinder des Münsteraner „Tatorts“, schreiben aber auch regelmäßig für die Schmunzelkrimireihe „Nord Nord Mord“. Doch der neuste Fall, „Sievers und der schwarze Engel“ (Regie: Berno Kürten) dieser immer populärer werdenden Sylt-Serie (zuletzt 9,9 Millionen Zuschauer) ist leider nur mäßig lustig – mit zwei wunderbaren Ausnahmen, in denen die beiden Autoren dann andeuten, wie gut sie das Comedy-Genre beherrschen.

Das ist zum einen der komische Auftritt eines Elektroverkäufers (Harald Burmeister), der durch seine Einsilbigkeit die Kommissarin Ina Behrendsen (Julia Brendler) an den Rand der Verzweiflung treibt. Und zum anderen, noch lustiger, ein Fahrradverleiher (Guido Renner), der seine Zeugenaussage im Stil einer theatralischen Familienaufstellung regelrecht inszeniert.

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„Nord Nord Mord“ in dieser Folge überraschend Ernst

Ansonsten jedoch geht es diesmal überraschend ernsthaft zu. Selbst der Tollpatsch der Reihe, Kommissar Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk), der eigentlich für den Witz zuständig ist, hält sich auffällig zurück. Und sein wortkarger Chef, der Sylter Kommissariatsleiter Carl Sievers (Peter Heinrich Brix), ist eh keine Ausgeburt an Humor. Dafür erfährt man einiges über den Goldfischliebhaber Sievers selbst, der hier aus verständlichem Grund ziemlich durch den Wind ist.

Man erfährt zum Beispiel, warum er vor drei Jahren von Kiel nach Sylt versetzt worden ist. Schuld daran hat eine Stalkerin (Jule Ronstedt), die er nach einer kurzen Liebesaffäre mit ihr angeblich körperlich attackiert haben soll. Was er vehement bestreitet. Dennoch läuft deswegen immer noch gegen ihn ein Verfahren. Und um ihn bis zur Aufklärung des Falls aus der Schusslinie zu nehmen, muss er nun auf Sylt dienen.

Genau diese Frau läuft Sievers nun zufällig in einem Sylter Café über den Weg. Und wie sich bald herausstellt, spielt ausgerechnet sie eine entscheidende Rolle in einem Mordfall. Das Opfer ist ein wohlhabender Unternehmer, der erschlagen in seinem Hotelbett aufgefunden wird. Und auch er hat offenbar eine unglückselige Beziehung mit der Stalkerin gehabt. Beide haben zuvor auf der Insel an einem esoterischen Engelseminar teilgenommen. Einer ziemlich schrägen Veranstaltung, über die sich der Film allerdings seltsamerweise kaum lustig macht, dabei ist sie eigentlich ein dankbares Opfer für Spott und Schabernack. Und selbst Feldmann, der dann an dem Seminar undercover teilnimmt, liefert seine Gags darüber auch nur mit angezogener Hand- beziehungsweise Humorbremse ab.

Friesische Gelassenheit

Stattdessen wird eine Krimigeschichte entwickelt, die nicht immer ganz logisch, dafür umso komplizierter ist und die leider nicht besonders spannend erzählt wird. Mit viel Routine und viel friesischer Gelassenheit macht sich das Ermittlertrio also an die Arbeit, vernimmt Verdächtige, fährt dafür ständig kreuz und quer über die schöne Insel – obwohl das Wetter alles andere als richtig schön ist. Auch Motive für den Mord gibt es genug. So hat das Opfer eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt, was deren Mann nicht gerade lustig gefunden hat. Außerdem geht es um Schulden, die der Seminarleiter und Oberengel (Lutz Blochberger) beim Ermordeten gehabt hat. Und zu guter Letzt kommt auch noch eine Familienquerele ins Spiel.

Da kann man schon einmal durcheinanderkommen. Und um solch einen komplexen Fall schließlich aufzuklären, braucht es wirklich einen Mann wie Sievers, der einfach immer die Ruhe bewahrt und höchstens mal kurz im Stadium höchster Erregung mit seinem Mundwinkel zuckt. Doch zumindest die finale Auflösung ist dann tatsächlich überraschend.

„Nord Nord Mord: Sievers und der schwarze Engel“ läuft am Montag, 18. Oktober, um 20.15 Uhr im ZDF.

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